Der Seehandel mit ukrainischem Eisenerz ist gelähmt. Die Folgen russischer Angriffe auf die Hafeninfrastruktur des Großraums Odessa haben dazu geführt, dass Reedereien Massenkürzungen von Fahrten vornehmen und die größten bergbaulichen Kombinate (GOK) gezwungen sind, ihre Produktion zu stoppen.

Logistischer Kollaps und Stilllegung von Werken

Die Situation begann sich nach dem 22. Juli zu verschärfen, als die Einfahrt von Schiffen in ukrainische Häfen eingestellt wurde. Ursache waren regelmäßige Angriffe auf die Hafeninfrastruktur und Handelsschiffe. Infolgedessen wurde eines der Schiffe, das Produkte des Unternehmens Ferrexpo transportierte, von Drohnen beschädigt, was zum Tod eines Besatzungsmitglieds führte.

Das Unternehmen Ferrexpo hat offiziell mitgeteilt, dass der Seehandel in naher Zukunft nicht wieder aufgenommen werden kann. Dies löste eine Kettenreaktion in der Branche aus. Der Poltawaer GOK beschloss, die Arbeit ab dem 3. August auszusetzen. Als Gründe wurden nicht nur logistische Sackgassen, sondern auch die vom Staat erhöhte Tarife für Frachttransporte der „Ukrzaliznyzja“ genannt. Eine ähnliche Erklärung zur Produktionsstilllegung gab auch der Südgok ab. In anderen Betrieben der Branche wird bereits mit einer erzwungenen Reduzierung der Fördermengen gerechnet.

Wirtschaftliche Verluste und alternative Routen

Experten schätzen, dass im ersten Halbjahr etwa 50 % der gesamten ukrainischen Eisenerzproduktion über das Meer verschifft wurden. Es handelt sich um etwa 1 Million Tonnen pro Monat, deren Hauptanteil nach China ging.

Die Ökonomin Irina Kosse betont: „Das Meer ist für die Ukraine die wichtigsten Türen des Handels. Diesen Kanal zu ersetzen ist unmöglich, man kann ihn nur teilweise auf andere Routen umleiten“. Die alternativen Wege über die Donau, Polen, Rumänien und Bulgarien haben jedoch eine begrenzte Durchgangskapazität und sind deutlich teurer. Bei den aktuellen Weltmarktpreisen für Erz und steigenden Eisenbahntarifen werden solche Lieferungen oft unrentabel.

Der Leiter des GMK Center, Stanislaw Zintschenko, stellt fest, dass der Export über europäische Häfen im Jahr 2022 aufgrund hoher Rohstoffpreise möglich war. Heute machen jedoch steigende operative und Transportkosten solche Routen wirtschaftlich unattraktiv. Ein weiterer Risikofaktor ist die schwache Nachfrage in Europa und die Stilllegung eines Teils der traditionellen Abnehmer ukrainischen Erzes.

Umfang der Schäden für den Haushalt

Laut Schätzungen der Analysten verliert die Ukraine allein durch die Reduzierung des Exports von Eisenerzprodukten monatlich 60–70 Millionen Dollar (ca. 2,7–3,1 Milliarden Hrywnja) an Deviseneinnahmen. Im Jahresvergleich beläuft sich der Schaden auf 700–800 Millionen Dollar (mehr als 31–35 Milliarden Hrywnja). Die Produktion im Eisenerzsektor könnte um 40 % sinken.

Die Situation wird durch neue regulatorische Maßnahmen verschärft: der CBAM-Mechanismus, die Einführung von EU-Quoten für ukrainischen Stahl sowie militärische Risiken. Bei Dragon Capital wird angemerkt, dass die Branche gerade erst in eine schwierige Phase eintritt, da die vollen Auswirkungen der neuen Beschränkungen noch nicht vollständig sichtbar sind.

Vertreter von „Metinvest“ erklärten gegenüber dem Medium, dass die Wiederherstellung der sicheren Arbeit der Häfen zu einer der wichtigsten staatlichen Prioritäten werden muss. Ohne die Wiederherstellung der Schifffahrt riskiert die Ukraine, einen erheblichen Teil ihrer Exporte, Steuereinnahmen und Deviseneinnahmen zu verlieren, während die Unternehmen der Branche zu langfristigen Stillständen übergehen könnten.