In Russland ist vor dem Hintergrund der anhaltenden Treibstoffkrise ein deutlicher Wandel der Konsumpräferenzen zu beobachten: Die Bürger wählen zunehmend Fahrzeuge mit Dieselmotoren. Laut Angaben der Zeitung The Moscow Times, auf die sich RBC-Ukraine bezieht, nimmt die Zahl dieser Fahrzeuge auf den Straßen des Landes zu. Dabei blieb der Dieselsegment historisch eine Nische: Laut Daten von „AvtoStat“ entfallen auf Dieselautos nur etwa 6 % des gesamten russischen Fahrzeugparks, der 47,7 Millionen Fahrzeuge umfasst. Dabei handelt es sich vor allem um Produkte westlicher Unternehmen, die den russischen Markt verlassen haben, weshalb auf Dieselautos weniger als 2 % der Neuwagenverkäufe entfallen.

Marktzahlen: Was die Statistik zeigt

Dennoch deutet die Dynamik der letzten Monate auf eine Beschleunigung des Interesses an Diesel hin. Laut Angaben der Zeitung stieg der Anteil der Dieselautos an den Neuwagenverkäufen im Juli und in der ersten Augusthälfte auf 1,7 % gegenüber 1,4 % im ersten Halbjahr. Eine ähnliche, albeit ausgeprägtere Tendenz ist auch auf dem Gebrauchtmarkt zu erkennen: Der Dieselanteil an den Verkäufen von Gebrauchtwagen erreichte 6,3 % im Vergleich zu 5,9 % im Januar–Juni. Marktteilnehmer schätzen, dass die Nachfrage nach Dieselautos um ein Vielfaches gestiegen ist, obwohl sie aufgrund des begrenzten Angebots weiterhin schwer zu befriedigen ist.

Ursache des Trends — das verzerrte Kraftstoffangebot

Experten führen die erhöhte Nachfrage nach Dieselautos auf eine „Verzerrung des Angebots“ von Kraftstoffen zurück: An den Tankstellen wird erneut ein Benzinmangel festgestellt, während Dieselkraftstoff ununterbrochen verfügbar ist. Der Kontext der Krise wird durch eine Reihe von Drohnenangriffen der Ukraine auf Raffinerien bestimmt: Berichten zufolge konnte Russland 20 % bis 40 % seiner Raffineriekapazitäten verlieren, und die Treibstoffkrise betraf rund 50 Millionen Russen. In einigen Regionen, einschließlich der Oblast Lipizk, führten die Behörden aufgrund der enormen Schlangen an den Tankstellen erneut ein „Gerade-Ungerade“-Regime ein, und eine Reihe von Subjekten beschränkte den Benzinverkauf wegen Lieferengpässen bei Kraftstoff.

Widersprüchliche Daten

Bei der Analyse der Zahlen ist zu beachten, dass verschiedene Kennzahlen ein unterschiedliches Bild abgeben, und genau hier liegt die wesentliche „Unstimmigkeit“ in den öffentlichen Daten. Einerseits nimmt Diesel etwa 6 % des gesamten Fahrzeugparks ein, aber weniger als 2 % der Neuwagenverkäufe und nur 6,3 % des Gebrauchtmarktsegments — das heißt, der historische Bestand und die aktuellen Verkäufe weichen erheblich voneinander ab. Andererseits ist die Aussage, dass die Nachfrage „um ein Vielfaches“ gestiegen sei, eine qualitative Einschätzung der Marktteilnehmer und keine exakte Statistik, während die quantitativen Veränderungen der Anteile (von 1,4 % auf 1,7 % und von 5,9 % auf 6,3 %) moderat wirken. Somit hängt das Ausmaß des „Booms“ vom gewählten Indikator ab: In absoluten Anteilen ist das Wachstum gering, aber vor dem Hintergrund des Benzinmangels und des begrenzten Angebots ist es genau dieser, der einen nachhaltigen Trend bildet, den der Markt als plötzlichen Anstieg des Interesses interpretiert.

Insgesamt formen diese Faktoren eine neue Realität des russischen Automarkts: Die durch Angriffe auf Raffinerien ausgelöste Treibstoffkrise beeinflusst die Nachfragestruktur direkt und verlagert einen Teil der Käufer aus dem Benzinsegment in das Dieselsegment. Solange die Benzinengpässe anhalten und die Verkaufsbeschränkungen in einzelnen Regionen gelten, dürfte das Interesse an Fahrzeugen, die mit verfügbarem Diesel betankt werden, erhöht bleiben, was das Dieselsegment zu einem der dynamischsten im Umfeld der allgemeinen Krise macht.