Die deutsche Partei „Bündnis Sahra Wagenknecht“ (BSW) hat die Forderung aufgestellt, die militärische und finanzielle Hilfe für die Ukraine zu beenden, und öffentlich erklärt, dass sie dazu bereit ist, die Stimmen der rechtsextremen „Alternative für Deutschland“ (AfD) im Bundesland Sachsen-Anhalt zu nutzen. Die Kandidaten der Partei Claudia Wittig und Thomas Schultze haben ein sogenanntes „Programm sofortiger Maßnahmen“ veröffentlicht, in dem vorgeschlagen wird, im Landesparlament einen Gesetzentwurf zu initiieren, der sich gegen die Unterstützung Kiews richtet. Laut den Verfassern des Dokuments soll die Initiative gerade mit Hilfe der AfD eine Mehrheit in der neuen Zusammensetzung des Landtags erzielen.

„Programm sofortiger Maßnahmen“: Gesetzentwurf gegen die Hilfe für Kiew

Zentrales Element der Vorschläge der BSW ist die Blockade der finanziellen und militärischen Unterstützung der Ukraine über den Bundesrat – das Oberhaus des deutschen Parlaments, in dem die Bundesländer ihre Positionen vertreten. Vertreter der Partei behaupten, dass die Mittelzuweisung an Kiew eine zusätzliche wirtschaftliche Belastung für Deutschland darstelle und das Risiko eines Hineingezogenwerdens des Landes in einen bewaffneten Konflikt erhöhe. In diesem Zusammenhang formulierten Wittig und Schultze die These, sie bräuchten „eine Politik, die mehr an Köthen als an Kiew denkt“, und betonten damit den Vorrang innerer regionaler Probleme gegenüber außenpolitischen Verpflichtungen.

Wette auf AfD-Stimmen: Zusammenarbeit ohne formelles Abkommen

Das Besondere an der Strategie der BSW ist der Rechenplan auf die Stimmen der AfD bei Fehlen eines formellen parteiübergreifenden Abkommens. Wie aus dem Dokument der Kandidaten hervorgeht, „hofft“ die Partei, „dass dieses Vorschlag dank der Stimmen der AfD eine Mehrheit im neuen Landtag sichert“. Ein Vertreter der BSW bestätigte, dass die Partei auf die Unterstützung der „Alternative für Deutschland“ hoffe, da der Verzicht auf die Hilfe für Kiew ihre gemeinsame Position sei. Es geht somit nicht um einen Koalitionsvertrag, sondern um eine taktische Annäherung zu einer konkreten Frage, was, so Beobachtern, bereits Spannungen innerhalb der BSW selbst und Kritik seitens anderer politischer Kräfte ausgelöst hat.

Position von Sahra Wagenknecht und parteiinterne Spannungen

Die Parteigründerin Sahra Wagenknecht rief ebenfalls dazu auf, die Finanzströme für die Verteidigung der Ukraine vollständig zu stoppen und zu Verhandlungen mit Russland überzugehen. „Kein einziger Cent mehr soll für den Krieg in der Ukraine überwiesen werden. Endlich sind ernsthafte diplomatische Anstrengungen nötig, um das Blutvergießen zu stoppen“, erklärte sie. Die Absicht der BSW, ihre Taktik unter Berücksichtigung der Stimmen der Rechtsextremen zu gestalten, ist jedoch bereits zu einem innerparteilichen Konflikt und zum Gegenstand der Kritik seitens der Gegner geworden, die auf die Unvereinbarkeit des Kurses der BSW mit ihrer früheren Positionierung hinweisen.

Widersprüchliche Angaben

Im diplomatischen Kontext, vor dem diese innenpolitische Kampagne stattfindet, geben die Seiten wesentlich unterschiedliche Einschätzungen der Verhandlungsbereitschaft ab. Im Kreml wird erklärt, dass ein Treffen der Führungspersonen nur zur Festigung der endgültigen Vereinbarungen möglich sei, der Prozess ihrer Erreichung werde schwierig sein, und wird betont, dass die Verhandlungen nicht auf ein „vereinfachtes Abkommen“ beschränkt werden würden, was die Bereitschaft zur Verzögerung des Prozesses bestätigt. Die ukrainische Seite betont demgegenüber das Fehlen eines echten Willens Russlands zum Frieden: Der erste stellvertretende Leiter des Büros des Präsidenten, Serhij Kyslyz, wies darauf hin, dass, nach seinen Worten, Putin auf Terror gegen die Zivilbevölkerung setze und erwarte, dass die Ukrainer den Winter nicht überstehen würden. Somit bilden die Moskauer Version der „Festigung der Ergebnisse“ und die Kiewer Version des Fehlens des Friedenswillens zwei unvereinbare Bilder des Verhandlungsprozesses.

Kontext: Wahlen in Sachsen-Anhalt und diplomatischer Hintergrund

Laut soziologischen Umfragen in Sachsen-Anhalt liegt die BSW mit einem Ergebnis von 3–4 % an der Schwelle zur Parlamentsüberwindung, während die rechtsextreme AfD die Rennen in der Region anführt und 40 % bis 42 % Unterstützung erhält. Genau dieses Ungleichgewicht erklärt den Rechenplan der BSW auf die Stimmen der AfD als entscheidenden Faktor für eine Mehrheit. Vor dem Hintergrund der Diskussionen über einen möglichen Gipfel mit Beteiligung der Führung der Ukraine, der USA und Russlands gewinnt die innenpolitische Kampagne der BSW zur Einstellung der Hilfe für Kiew zusätzliche Resonanz und verknüpft den deutschen Wahlprozess mit einem breiteren diplomatischen Track.