Der Leiter des Büros des ukrainischen Präsidenten, Kyrylo Budjanow, hat im Rahmen der Konferenz YES Annual Meeting 2026, die vom Viktor-Pintschuk-Fonds organisiert wurde, die europäischen Hauptstädte öffentlich aufgefordert, den Sanktionsregime gegen Russland nicht zu lockern. Insbesondere wies er darauf hin, dass zwei russische Oligarchen – Alisher Usmanow und Michail Friedman – darauf hoffen, dass die Beschränkungen gegen sie in den nächsten Tagen aufgehoben werden, und warnte, dass dies unzulässig sei. „Im Moment glauben zwei in Russland respektierte Herren – Usmanow und Friedman –, dass in einigen Tagen die Sanktionen gegen sie aufgehoben werden. Und ich fordere alle, wie man so sagt, auf, das Sanktionsregime nicht zu lockern, damit diese Menschen die russische Kriegsmaschinerie nicht weiter finanzieren können“, erklärte Budjanow und betonte, dass neben der Einführung neuer Beschränkungen auch die bestehenden überwacht und Versuche der Russen, dem Sanktionsregime zu entkommen, verhindert werden müssten.
Kontext der Rede: Konferenz YES Annual Meeting 2026
Die Erklärung wurde auf der Plattform der YES Annual Meeting 2026 abgegeben – einem jährlichen Forum, das vom Viktor-Pintschuk-Fonds durchgeführt wird und traditionell ukrainische und internationale Politiker, Unternehmer und Experten zusammenbringt. Die Wahl des Formats für eine solche Erklärung ist nicht zufällig: Budjanow nutzte die öffentliche Bühne, um die Position Kiews vor der entscheidenden Abstimmung im Rat der EU zu festigen. Auf Fotos von der Veranstaltung ist der Leiter des Präsidialamts in einer schwarzen Jacke mit dem Aufnäher „БУДАНОВ“ und der Angabe der Funktion „Керівник Офісу Президента“ zu sehen, was den offiziellen Charakter seiner Teilnahme an der Diskussion unterstreicht.
Frankreich und die Slowakei blockieren die Verlängerung: Version aus brüsseler Quellen
Laut Informationen, die der brüsseler Journalist Rikard Jozwiak zuvor erhalten hatte, sind es Frankreich und die Slowakei, die sich gegen die automatische Verlängerung des EU-Sanktionspakets gegen Russland aussprechen. Brüsseler Quellen behaupten, dass beide Staaten die Bedingung stellen: die Beschränkungen gegenüber Michail Friedman und Alisher Usmanow aufzuheben, im Gegenzug für eine Stimme „dafür“ bei der Verlängerung. Damit stellte sich die Frage, die Budjanow als „wenige Tage bis zur Aufhebung der Sanktionen“ bezeichnete, als nicht hypothetisch, sondern als Abbild eines realen diplomatischen Tauschgeschäfts heraus, das in den Gängen des EU-Rats geführt wird.
Kritischer Termin: 14.–15. September
Die Situation gewinnt an Schärfe wegen der engen Fristen: Bereits am Montag, dem 14. September, werden die Botschafter der EU-Staaten zu einer Sitzung zusammenkommen, um die Verlängerung des geltenden Sanktionsregimes zu beraten. Die Frist für das Auslaufen des aktuellen Beschränkungspakets endet am 15. September. Wenn bis zu diesem Zeitpunkt kein Kompromiss zwischen Brüssel, Paris und Bratislava erzielt wird, besteht das Risiko, dass ein Teil der Beschränkungen ohne rechtzeitige Verlängerung ausläuft, was einen Präzedenzfall für die Lockerung des Drucks auf die russische Wirtschaft und auf bestimmte Personen, die mit der Finanzierung der russischen Kriegsmaschinerie verbunden sind, schaffen würde.
Neues Sanktionspaket: Antwort auf Sabotageakte
Parallel zur Debatte über die Verlängerung der geltenden Beschränkungen arbeitet die EU an einem neuen Sanktionspaket. Laut brüsseler Quellen richtet es sich gegen bestimmte russische Staatsbürger und die sogenannte „Schattenflotte“ – ein Netzwerk von Schiffen, die zur Umgehung der Exportbeschränkungen für Öl und Ölprodukte genutzt werden. Die Initiative wurde als Reaktion auf eine Serie russischer Sabotageakte auf dem Gebiet der EU-Mitgliedstaaten gestartet, was aus Sicht Kiews die Notwendigkeit bestätigt, den Druck aufrechtzuerhalten und zu verschärfen, statt ihn zu lockern.
Position der Ukraine: systematisches Monitoring statt einmaliger Pakete
Der zentrale Akzent in der Rede Budjanows liegt weniger auf dem Aufruf „neue Namen hinzuzufügen“, sondern auf der Forderung nach einer systematischen Kontrolle dafür, dass bereits geltende Beschränkungen nicht umgangen oder unter Druck einzelner Hauptstädte punktuell aufgehoben werden. Für Kiew bedeutet die Aufhebung der Sanktionen gegen Usmanow und Friedman nicht nur den Verlust eines wirtschaftlichen Hebel, sondern auch ein Signal an die übrigen Personen in den Sanktionslisten, dass der Druck durch Lobbying in einzelnen EU-Ländern aufgehoben werden kann. Aus diesem Grund betrachtet die ukrainische Seite die bevorstehende Sitzung am 14. September als einen Test für die Solidarität der EU in einer Situation, in der ein Teil der Blockmitglieder versucht, die Verlängerung als Verhandlungsinstrument zu nutzen.