Der Leiter des Präsidialamts der Ukraine, Kyrylo Budanow, hat auf dem internationalen Forum „Ukraine morgen' erstmals in solch offener Form über die Bemühungen Kiews erzählt, sich mit Moskau über ein gegenseitiges Ende der Langstreichangriffe zu einigen. Seinen Worten zufolge war die Initiative persönlich, jedoch konnten bis jetzt keine Vereinbarungen erzielt werden, und der Konflikt entwickelt sich weiter nach einem Eskalationsszenario.
Persönliche Initiative des OP-Chefs
Budanow betonte, dass die Frage eines Endes der gegenseitigen Langstreichangriffe von ihm persönlich in den Kontakten mit der russischen Seite angesprochen wurde. „Glauben Sie mir, wir haben das versucht. Ich sage Ihnen ganz offen, ich habe das persönlich versucht. Im Moment klappt das noch nicht, sagen wir es ehrlich', erklärte der Leiter des Präsidialamts. Damit bestätigte Kiew, dass auf diplomatischer Ebene Versuche unternommen wurden, ein Moratorium für Angriffe abzustimmen, Moskau jedoch keine positive Antwort gab.
Eskalation und gezwungene Antwort
Laut Budanow gingen die Seiten nach dem Scheitern der Verhandlungsinitiative den Weg der weiteren Eskalation, was die Ukraine zwang, „mit allen Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen', zu reagieren. „Das ist schmerzhaft. Qualvoll für alle. Auch für sie schmerzhaft. Aber zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine Wahl. Wir müssen darüber nachdenken, wie wir unter diesen Bedingungen überleben werden', bemerkte er. Der OP-Chef betonte, dass die aktuelle Situation eine außerordentliche sei und vom Staat eine Strategie des Überlebens in dem anhaltenden Konflikt erfordere.
Kontext: Angriffe auf die Ölverarbeitungsinfrastruktur Russlands
Budanows Aussagen fielen vor dem Hintergrund bestätigter Angriffe auf Objekte der Kraftstoffinfrastruktur in Russland. Der HUR des ukrainischen Verteidigungsministeriums hatte zuvor Beweise für die Stilllegung eines der größten russischen Raffinerien in der Region Nischni Nowgorod nach einem erfolgreichen Treffer veröffentlicht. Außerdem bestätigte der Generalstab der AFU, dass die Spezialkräfte einen Angriff auf die Raffinerie „Slawnefть-JANOS' in Jaroslawl führten – einem der größten Unternehmen der Branche im Aggressorland. Diese Ereignisse illustrieren genau das Eskalationsszenario, von dem Budanow sprach.
Internationaler Kontext
Die Frage der Langstreichangriffe der AFU mit westlicher Waffenausrüstung auf Ziele in Russland bleibt auf Ebene der westlichen Hauptstädte umstritten. Zuvor hatte die französische Seite in Paris an die Position von Präsident Emmanuel Macron bezüglich der Einschränkungen bei der Anwendung der gelieferten Waffen erinnert. Dies schafft einen zusätzlichen diplomatischen Hintergrund, in dem Kiew zwischen der Notwendigkeit der Verteidigung und den Erwartungen der Verbündeten balancieren muss. Budanows Aussage auf dem Forum „Ukraine morgen' kann als Signal dafür betrachtet werden, dass Kiew auf dieser Stufe die diplomatischen Möglichkeiten erschöpft hat und bereit ist, die Operation mit allen verfügbaren Mitteln fortzusetzen.