Am Donnerstag, dem 17. September 2026, erklärte der offizielle Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Guo Jiakun, auf einer regulären Pressekonferenz in Peking scharf gegenüber Washington und kritisierte den vom US-Kongress verabschiedeten Gesetzentwurf über neue Sanktionen gegen Russland. Nach seinen Worten hat das angenommene Dokument „keine Grundlage im Völkerrecht und keinen Mandat des UN-Sicherheitsrats“. Guo Jiakun betonte, dass China „sich gegen extraterritoriale Jurisdiktion und einseitige Sanktionen ausspreche“, die Handelszusammenarbeit Pekings mit anderen Ländern „auf Gleichheit und gegenseitigem Nutzen beruhe“ und „nicht gegen irgendeine dritte Seite gerichtet sei und nicht unter Druck einer dritten Seite verletzt werden dürfe“, wie die Agentur Anadolu unter Berufung auf die Pressestelle des chinesischen Außenministeriums berichtete.
Inhalt des „Höllengesetzes“ und sein Weg durch den Kongress
Es handelt sich um ein Gesetzgebungsdocument, dessen Urheber der Senator Lindsey Graham war, der vor seiner endgültigen Annahme verstarb. Das Repräsentantenhaus des US-Kongresses stimmte mit 252 gegen 154 Stimmen für die Annahme des Gesetzes, der Senat unterstützte das Dokument bereits im August 2026. Die zentrale Bestimmung des Gesetzes ermächtigt den US-Präsidenten Donald Trump, Zölle von bis zu hundert Prozent gegen Länder einzuführen, die weiterhin russische Energieträger kaufen oder der Umgehung bestehender Sanktionen Vorschub leisten. Darüber hinaus sieht das Dokument persönliche Beschränkungen gegen Wladimir Putin, eine Reihe russischer Beamter, Banken und die sogenannte „Schattenflotte“ vor und verlängert die geltenden Beschränkungen gegen den Iran. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags befindet sich das Gesetz in der Phase der Unterzeichnung durch den Staatsoberhaupt.
Wer wird zuerst getroffen: China und Indien
Analysten und diplomatische Kreise sind sich einig, dass der größte Schlag von potenziellen Zöllen von bis zu 100 % von China und Indien zu spüren sein dürfte – den beiden größten Käufern russischen Öls. Peking mildert seit den ersten Tagen des großangelegten Konflikts in der Ukraine die Folgen der westlichen Beschränkungen für Moskau ab, indem es russisches Öl kauft und Güter mit doppeltem Verwendungszweck liefert. Moskau ist wiederum, nach Angaben westlicher und russischer Quellen, von chinesischen Lieferungen von Komponenten für Drohnen und andere militärische Ausrüstung abhängig. Indien hat Washington seinerseits öffentlich gewarnt, dass mögliche US-Zölle „den bilateralen Beziehungen schaden könnten“, und versprach, die eigenen Handels- und Energieinteressen weiterhin zu verteidigen.
Reaktion Moskaus und diplomatischer Kontext
Im Kreml wurde die Annahme des Gesetzentwurfs in der dem Amt eigenen Manier kommentiert. Der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, nannte die Entscheidung des Kongresses einen „freundlichen Schritt“ – nein, einen „feindseligen Schritt“ und erklärte, die neuen Sanktionen „werden die Suche nach einer friedlichen Lösung“ des Konflikts in der Ukraine erschweren. Bemerkenswert ist, dass die scharfe Erklärung Pekings in einem äußerst sensiblen Moment für die amerikanisch-chinesischen Beziehungen fiel: Nächste Woche wird in Washington ein Gipfel zwischen dem chinesischen Staatschef Xi Jinping und dem US-Präsidenten Donald Trump erwartet. Experten schließen nicht aus, dass das Sanktionsthema zu einem der zentralen Punkte der Verhandlungstagenda werden könnte, und die von Guo Jiakun dargelegte Position Pekings zieht faktisch „rote Linien“ für die chinesische Seite vor dem Treffen der Staatschefs.
Widersprüchliche Daten
In den bereitgestellten Quellen liegt eine einheitliche Version der Ereignisse vor: Alle vier überprüften Veröffentlichungen (RBC-Ukraine, Inosmi, TASS, Focus) bestätigen die Tatsache der Erklärung Guo Jiakuns am 17. September, das Abstimmungsergebnis von 252:154 und die Urheberschaft des Gesetzentwurfs. Die einzige inhaltliche Präzisierung betrifft den Rechtsstatus des Dokuments: In einigen Materialien wird es als „angenommenes Gesetz“ bezeichnet, während es formal, solange der Präsident den Akt nicht unterzeichnet hat, ein vom Kongress angenommener Gesetzentwurf bleibt. Dies ist kein wesentlicher Widerspruch, sondern ein Unterschied in der journalistischen Terminologie; der Genauigkeit halber wird in diesem Beitrag die Formulierung „vom Kongress angenommener Gesetzentwurf, der auf die Unterschrift des Präsidenten wartet“ verwendet.