Am 16. September soll das Repräsentantenhaus des US-Kongresses den Graham–Blumenthal-Gesetzentwurf endgültig annehmen. Die finale Fassung trägt den Namen „Lindsey O. Graham Sanctioning Russia and Iran Act of 2026“. Das Dokument, das mehrfach überarbeitet und umbenannt wurde, markiert faktisch die Evolution der Sanktionspolitik Washingtons: vom einmaligen politischen Signal hin zu systematischem wirtschaftlichem Druck auf die Russische Föderation. Dabei besteht der entscheidende Vorbehalt darin, dass die Annahme des Textes im Kongress die Sanktionen nicht automatisch auslöst — die endgültige Entscheidung über deren Anwendung bleibt dem US-Präsidenten Donald Trump überlassen.
Vom politischen Signal zum systematischen Druck
Die finale Fassung des Dokuments kombiniert zwei Ebenen von Beschränkungen — persönliche und sektorale. Die persönlichen Maßnahmen richten sich gegen das oberste politische und militärische Führungspersonal Russlands sowie gegen Personen, die an der Umgehung von Sanktionen, Menschenrechtsverletzungen, Geldwäsche und der Destabilisierung der Lage in der Ukraine beteiligt sind. Unter die Beschränkungen können Aktionäre russischer Projekte zur Förderung von verflüssigtem Erdgas, Schiffe des sogenannten „Schattenflottens“ und damit verbundene Personen fallen. Das Instrumentarium ist hier traditionell und erprobt: Einfrieren von Vermögenswerten und Visabeschränkungen.
Persönliche und sektorale Beschränkungen
Die sektoralen Sanktionen treffen die wichtigsten Finanzierungsquellen der russischen Wirtschaft — den Energie- und den Finanzsektor. Zur Liste der Zielinstitutionen gehören die Zentralbank Russlands, Sberbank, VTB, Gazprombank und andere staatliche Finanzinstitutionen. Der Gesetzentwurf verbietet US-Investitionen in den russischen Energiesektor strikt. Wie der vom ukrainischen Präsidenten für Sanktionspolitik bestimmte Bevollmächtigte Wladyslaw Wlasyuk bereits anmerkte, wurde im August des vergangenen Jahres eine mögliche Rückkehr der US-Firma Exxon Mobil in das Projekt „Sachalin-1“ diskutiert; ein solches Verbot macht dieses Szenario unmöglich.
Treffer gegen die Energiebranche und den „Schattenflotte“
Die Beschränkungen betreffen sowohl den Export amerikanischer Energieressourcen nach Russland als auch den Import russischen Urans. Separat werden die Sanktionen gegen die Projekte „Jamal LNG“ und „Arktik LNG“ ausgeweitet, einschließlich ihrer Leiter und wichtiger Aktionäre. Ein eigener Block des Dokuments ist der Beseitigung der Umgehungsmechanismen gewidmet, die Moskau für das Überleben angepasst hat: „Schattenflotte“, Finanzintermediäre, Kryptowährungen und Jurisdiktionen dritter Länder. Ohne die Sperrung dieser Kanäle verlieren selbst die strengsten Beschränkungen mit der Zeit ihre Wirksamkeit, so die Logik der Autoren.
Sekundärsanktionen gegen Handelspartner
Das am stärksten spürbare Druckmittel könnten die sekundären Maßnahmen gegen die Handelspartner Russlands werden. Sie sehen zusätzliche Zölle für Länder vor, die weiterhin Energieträger aus Russland importieren oder der Sanktionsumgehung Vorschub leisten. In der früheren Fassung erreichte der maximale Satz in solchen Fällen 500 %; bei der Überarbeitung wurde er auf 100 % mit bestimmten Ausnahmen gesenkt, die allgemeine Logik bleibt jedoch erhalten: die Zusammenarbeit mit Russland für dritte Länder wirtschaftlich unvorteilhaft zu machen.
Widersprüchliche Angaben
Im Laufe der Überarbeitung des Dokuments änderten sich die Schlüsselzahlen: Der maximale Satz der Sekundärzölle wurde von 500 % in der frühen Fassung auf 100 % in der finalen Fassung gesenkt, was einen Kompromiss zwischen Strenge und politischer Durchsetzbarkeit des Textes widerspiegelt. Eine erhebliche Diskrepanz besteht auch bei der Interpretation der Kraft des Gesetzes selbst: Einerseits wird die Initiative als „Höllenschlag“ gegen Russland und seine Verbündeten dargestellt, andererseits ist der Text in Bezug auf die verpflichtende Anwendung der Maßnahmen nicht kategorisch und stellt dem Präsidenten lediglich einen erweiterten Werkzeugkasten zur Verfügung. Somit hängt der tatsächliche Druck auch nach der Annahme im Kongress vom entschlossenen Handeln des Weißen Hauses ab und nicht vom automatischen Inkrafttreten.
Rolle des Präsidenten und Mechanismus zur Blockade der Aufhebung
Die wichtigste politische Neuerung des Dokuments ist der Mechanismus zur Blockade der Aufhebung der Sanktionen: Die Beschränkungen können nicht aufgehoben werden, solange Russland die Kampfhandlungen nicht beendet und keinen Friedensvertrag unterzeichnet, der „für eine freie und unabhängige Regierung der Ukraine akzeptabel“ ist. Besonderes Augenmerk wird auf die wichtigsten Partner Moskaus — Iran und China — gelegt. Obwohl die parteiübergreifende Initiative „Stop China and Russia Act“ formal ein separater Gesetzentwurf bleibt, ist ihr Kernkonzept im Text von Graham–Blumenthal widergespiegelt: Die Sanktionen erstrecken sich offiziell auf den Energiesektor Irans und verlängern die Geltung der grundlegenden Beschränkungen bis 2031.
Chronologie der Initiative
Erstmals wurde der Gesetzentwurf im April 2025 im US-Senat von Senatoren zweier konkurrierender Parteien registriert — Lindsey Graham für die Republikaner und Richard Blumenthal für die Demokraten. Bis Juli desselben Jahres erfreute sich die Initiative bereits starker Unterstützung: 85 von 100 Senatoren erklärten sich bereit, sie zu unterstützen. Dennoch eilte Lindsey Graham nicht mit der Förderung des Textes, und erst jetzt, nach mehr als einem Jahr, erreicht das Dokument die finale Phase im Repräsentantenhaus. Das Ergebnis der Abstimmung und die anschließenden Schritte des Präsidenten werden darüber entscheiden, ob der Gesetzentwurf zu einem wirksamen Druckinstrument wird oder im Status eines deklaratorischen, aber politisch bedeutsamen Signals bleibt.