Der polnische Arbeitsmarkt zeigt eine komplexe und ungleichmäßige Dynamik. Laut aktuellen Daten des Hauptstatistischen Amtes Polens (GUS), veröffentlicht vom Analysezentrum der internationalen HR-Firma Gremi Personal, bleibt die Nachfrage nach ukrainischen Arbeitskräften hoch, doch ihr Charakter verändert sich je nach Branche grundlegend.
Der Gastgewerbe- und Restaurantsektor führt bei den Einstellungen
Die optimistischsten Zahlen für dieses Jahr verzeichnet der HoReCa-Sektor. Nach den ersten fünf Monaten des Jahres ist die Zahl der Beschäftigten im Gastgewerbe und in der Gastronomie im Jahresvergleich um 2,1 % gestiegen und erreichte 167.800 Personen. Experten stellen fest, dass dieser Sektor den Hauptteil der Nachfrage nach ausländischen Fachkräften bildet und vor allem physische, operative und saisonale Arbeitskräfte benötigt.
Insgesamt betrug die durchschnittliche Zahl der offiziell versicherten Ausländer in Polen im Zeitraum Januar bis Mai 1,306 Millionen – das sind 8,4 % mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der unangefochtene Spitzenreiter unter ihnen sind Ukrainer: Ihre Zahl ist um fast 10 % auf 873.500 Personen gestiegen.
„Dies ermöglichte es den Arbeitgebern, saisonale und Spitzenbedarfe an Personal schnell zu decken', kommentierte die Situation der Gründer von Gremi Personal, Jewgeni Kiritschenko.
Die Industrie erlebt eine Beschäftigungskrise
Während der Dienstleistungssektor wächst, steht der Industriesektor vor ernsthaften Schwierigkeiten. Im Mai sank die Zahl der Beschäftigten in der verarbeitenden Industrie auf 2,368 Millionen, was 1,29 % weniger als im Vorjahr ist. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres verlor die Branche rund 32.400 Arbeitskräfte.
Besonders kritisch ist die Lage in der Möbelindustrie, wo die Beschäftigung im Jahresvergleich um 4,1 % eingebrochen ist. Auch in der Automobilindustrie werden Kürzungen verzeichnet: Die Produktion von Fahrzeugen und Komponenten reduzierte das Personal im Jahresvergleich um 3 %.
Wachstumsbereiche: Rüstung und Elektronik
Doch nicht alle Bereiche des Maschinenbaus zeigen einen Rückgang. Positive Dynamik verzeichnen die Produktionen von Computer- und Elektronikgeräten sowie Maschinen und Anlagen. Laut Experten wird dieses Wachstum durch umfangreiche Aufträge aus dem Verteidigungs- und Infrastrukturwesen angestoßen.
Ausblick für das zweite Halbjahr
Die Analysten von Gremi Personal prognostizieren eine Verbesserung der Lage auf dem Arbeitsmarkt im zweiten Halbjahr. Als Schlüsselfaktoren, die die Wirtschaft stützen und die Nachfrage nach Arbeitskräften erhöhen könnten, werden genannt:
- Verlangsamung der Inflation;
- Senkung der Bankkreditzinsen;
- allmähliche Belebung des Bausektors.
Die Experten sind der Ansicht, dass diese makroökonomischen Veränderungen sich positiv auf die Einstellungen auswirken werden, einschließlich der Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte.
Verschärfung der Kontrolle und gesetzgeberische Änderungen
Parallel zur Veränderung der wirtschaftlichen Bedingungen wird in Polen die administrative Kontrolle verschärft. Seit Juli führt die Arbeitsinspektion verstärkte Überprüfungen der Arbeitsverträge von Ausländern durch. Wenn sich herausstellt, dass ein Arbeitnehmer de facto die Funktionen eines festangestellten Mitarbeiters ausübt, können zivilrechtliche Verträge zwangsweise in offizielle Arbeitsverträge umgewandelt werden.
Zudem bereitet das polnische Innenministerium Änderungen im Staatsangehörigkeitsgesetz vor. Die Neuerungen werden den Einbürgerungsprozess erschweren, was insbesondere Ukrainer betrifft, die die größte Gruppe von Ausländern sind, die einen polnischen Pass beantragen.