Das Ministerium für digitale Transformation der Ukraine unter der Leitung von Oksana Ferchtschuk hat eine neue Roadmap erstellt, die militärische Bedürfnisse und die zivile Digitalisierung vereint. Unter den Bedingungen des anhaltenden Konflikts überarbeitet das Ministerium seine Prioritäten und setzt auf die Schaffung eines einheitlichen Ökosystems für Soldaten, die Entwicklung kritischer Kommunikationsinfrastruktur und die Einführung proaktiver staatlicher Dienstleistungen.

Der digitale Weg: vom Einberufungsbefehl bis zum Veteranenstatus

Eine der Hauptaufgaben ist die Weiterentwicklung des Ökosystems Brave1. Das Ministerium plant, den Weg eines Menschen vollständig zu digitalisieren – von der Registrierung im Wehrbuch bis zur Erlangung des Veteranenstatus. Ein Schlüsselelement dieser Strategie wird die Einführung eines Systems zur psychologischen Testung und Unterstützung sein. Digitale Werkzeuge ermöglichen es nicht nur, den Zustand der Soldaten zu überwachen, sondern auch Fachkräfte für psychologische Hilfe schnell einzuschalten.

Besonderes Augenmerk wird auf die Digitalisierung von Ausbildungszentren gelegt. Das neue System soll es Instruktoren ermöglichen, elektronische Lehrprogramme zu verwalten, die Ergebnisse der Kadetten zu bewerten und Leistungsbeurteilungen zu erstellen. Auf Basis dieser Daten wird das System die optimale Einsatzrichtung empfehlen, was die Effizienz der Personalverteilung erhöht. Laut Ferchtschuk ist seit Juni 2026 ein wachsendes Interesse der Bürger an militärischen Stellen zu verzeichnen, was vom Staat transparentere und verständlichere digitale Instrumente für Mobilmachung und Verteilung erfordert.

Kommunikation der Zukunft: 5G, Direct to Cell und nationale KI

Die Gewährleistung einer stabilen mobilen Kommunikation und Internetverbindung bleibt eine strategische Priorität. Das Ministerium beabsichtigt, 5G-Technologien weiterzuentwickeln und den Standard „Direct to Cell“ einzuführen, der eine direkte Kommunikation mit Satelliten über normale Smartphones ermöglicht. Dies ist für den Einsatz bei zerstörter terrestrischer Infrastruktur von entscheidender Bedeutung.

Im Bereich der künstlichen Intelligenz hat das Ministerium die Erstellung eines nationalen großen Sprachmodells (LLM) angekündigt. Bis Ende 2026 ist der Start der ersten Testversion geplant. Das Modell basiert auf der Architektur Gemma 3 von Google, wird jedoch an die ukrainische Sprache, den lokalen Kontext und kulturelle Besonderheiten angepasst. Die technische Infrastruktur, Finanzierung und organisatorischen Prozesse übernimmt der Betreiber „Kyivstar“.

Das Prinzip „Der Staat bietet an': Evolution von „Diia“ und neue Dienste

Das Ministerium plant, das Prinzip der Interaktion der Bürger mit dem Staat über die Super-App „Diia“ grundlegend zu verändern. Anstatt dass der Bürger selbst nach dem benötigten Dienst sucht, wird der Staat Dienste proaktiv anbieten, basierend auf Daten zum Status des Bürgers. Beispielsweise kann das System automatisch Vergünstigungen oder Dokumente anbieten, wenn es erfährt, dass eine Person an einer Universität eingeschrieben ist oder ihren Familienstand geändert hat.

Zudem ist bis Ende 2026 der Start der „E-Warteschlange“ für Pkw-Fahrer und des Dienstes für den elektronischen Europaprotokoll geplant. Diese Dienste sollen die Straßeninfrastruktur entlasten und das Leben der Bürger erleichtern. Das Ministerium gibt jedoch zu, dass das Niveau der Digitalisierung staatlicher Dienstleistungen derzeit unter 50 % liegt und noch viel Arbeit vorliegt.

Widersprüchliche Daten

Bei der Analyse der Pläne des Ministeriums wurden Widersprüche in den Sicherheitsprioritäten festgestellt. Einerseits erklärt das Ministerium, die Anforderungen an Mobilfunkbetreiber verschärfen zu wollen, indem sie verpflichtet werden, die Verbindung auch bei Stromausfall länger aufrechtzuerhalten. Andererseits erkennt das Ministerium angesichts der begrenzten Ressourcen die Schwierigkeit an, die bestehende Infrastruktur zu erhalten und gleichzeitig neue zu bauen. Experten merken an, dass die Umsetzung der ehrgeizigen Pläne für 5G und Direct to Cell auf einen Mangel an Ausrüstung und Finanzierung stoßen könnte, was das Risiko von Verzögerungen birgt.