Im Rahmen der Vorbereitung auf eine schwierige Heizperiode und angesichts anhaltender energiepolitischer Herausforderungen plant das Ministerium für digitale Transformation der Ukraine eine erhebliche Verschärfung der Anforderungen an Mobilfunkbetreiber. Laut Informationen von RBC-Ukraine erklärte die Ministerin Oxana Ferchuk, dass die aktuellen Normen für die autonome Netzarbeit überarbeitet und erhöht werden sollen.

Von 10 Stunden zu einem neuen Standard: Pläne des Ministeriums

Gegenwärtig gilt in der Ukraine die Vorschrift, dass die größten Betreiber – „Kyivstar“, Vodafone und lifecell – bei Stromausfällen (Blackouts) den Mobilfunkverkehr mindestens 10 Stunden aufrechterhalten müssen. Das Ministerium für digitale Transformation beabsichtigt jedoch, diese Frist in der nächsten Verordnung zu erhöhen. Der genaue Wert des neuen Zeitraums wird vorerst nicht offengelegt und wird direkt im Text des vorbereiteten Rechtsakts bekannt gegeben.

Oxana Ferchuk betonte, dass die Vorbereitung der Infrastruktur auf längere Stromausfälle eine der Prioritäten des Ministeriums sei. Diese Entscheidung wird durch die Notwendigkeit diktiert, die Kommunikationsstabilität im Falle großangelegter Angriffe auf das Energiesystem des Landes im Winter 2026 zu gewährleisten.

Wirtschaftliche Belastung für die Betreiber

Die Verschärfung der Normen wird unweigerlich zu erheblichen finanziellen Kosten für den Telekommunikationsmarkt führen. Um eine längere autonome Betriebszeit der Basisstationen zu gewährleisten, müssen die Betreiber zusätzliche Akkumulatoren, Dieselgeneratoren und andere Reservegeräte beschaffen. Dies wird eine zusätzliche Belastung für Unternehmen darstellen, die bereits erhebliche Verluste beim Wiederaufbau der Infrastruktur nach Zerstörungen erlitten haben.

Trotzdem ist das Ministerium für digitale Transformation überzeugt, dass die Betreiber an einer Erhöhung der Netzstabilität interessiert sind. Wie Ferchuk anmerkte: „Wenn es keine Verbindung gibt, haben sie keine Abonnenten und keine Einnahmen“. Das Staat betrachtet diese Investitionen somit als notwendigen Schritt zur Sicherung des Geschäfts im Krisenfall.

Entwicklung von xPON-Technologien und Festnetz-Internet

Parallel zur Regulierung des Mobilfunks arbeitet das Ministerium aktiv an der Erhöhung der Widerstandsfähigkeit des Heiminternets. Eine Schlüsselrolle spielt hierbei die xPON-Technologie, die es ermöglicht, das Netz auch bei Stromausfall zu betreiben, sofern der Nutzer eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) besitzt. Nach Angaben des Ministeriums nutzen derzeit bereits 53 % der Internetkonsumenten in der Ukraine diese Technologie.

Um die Transparenz der Situation zu erhöhen, plant das Ministerium für digitale Transformation die Erstellung einer speziellen interaktiven Karte. Auf dieser können Nutzer prüfen, in welchen Gebieten Netze mit xPON-Unterstützung verfügbar sind, was es den Bürgern ermöglicht, sich im Voraus auf mögliche Stromausfälle vorzubereiten und ihre Verbindung zu sichern.

Chronologie der Regulierung: von 2024 bis 2026

Die systematische Arbeit zur Erhöhung der Netzautonomie begann bereits im Juli 2024, als der Nationale Rat für Regulierung von Telekommunikation und Informatik (NRC) die Betreiber verpflichtete, das Netz ohne Stromversorgung für 10 Stunden aufrechtzuerhalten. Bis zum 1. Februar 2025 mussten die Unternehmen 100 % ihrer Basisstationen mit Generatoren und Akkumulatoren für eine solche Reserve ausrüsten.

Zusätzlich wurde eine Anforderung von 72 Stunden unterbrechungsfreiem Betrieb für 25 % der kritisch wichtigen Basisstationen festgelegt. Für Festnetz-Internetanbieter wurde die Anforderung festgelegt, 95 % des Netzes mit Reserveversorgung auszustatten, damit das Heiminternet bis zu 72 Stunden funktionieren kann. Die neuen Initiativen des Jahres 2026 werden eine logische Fortsetzung dieser Strategie sein, die auf eine vollständige Unabhängigkeit der Kommunikation vom zentralen Stromnetz abzielt.