Die Genetik hat давно den Rahmen der Diagnose seltener erblicher Krankheiten verlassen: Heute ermöglichen Tests die Bewertung von Krebsrisiken, die Bestimmung von Prädispositionen für chronische Erkrankungen und in Einzelfällen sogar das Einsetzen gesunder Gene bei bestimmten Störungen. Im Interview mit RBC-Ukraine erklärte der Genetiker Dmytro Mykytenko, inwiewiefern Gene den Gesundheitszustand bestimmen, was genau ein genetischer Pass über einen Menschen „erzählen“ kann und ob man den modischen Begriff „Biohacking“ fürchten sollte. Nachfolgend sind die wichtigsten Thesen des Gesprächs in einem Longread zusammengefasst.

Was dem normalen Menschen bereits zur Verfügung steht

Laut dem Spezialer hätte die Genetik vor 10–15 Jahren bestenfalls eine erbliche Krankheit erkannt, aber man konnte nichts dagegen tun, außer den Stoffwechsel anzupassen. Heute sieht das Bild anders aus: Das Risiko, ein Kind mit einer genetischen Erkrankung zur Welt zu bringen, kann bereits in der Schwangerschaftsplanung bewertet werden, und bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) hat man gelernt, Embryonen auszuwählen, um ein gesundes Kind zu bekommen. Auch nach der Geburt werden eine Reihe genetischer Krankheiten erkannt, wenn auch noch nicht alle. Die moderne Medizin kann, so der Experte, bereits ein gesundes Gen einsetzen, um bestimmte Erkrankungen zu korrigieren – so wird die spinale Muskelatrophie und einige Formen der Netzhautdystrophie behandelt. Daher stehen heute breit verfügbare allgemeine Tests zur Bewertung des Risikos einer erblichen Erkrankung beim Kind, zur Bewertung von Krebsrisiken und sogenannte genetische Pässe der Wellness-Klasse zur Verfügung.

Was der „genetische Pass“ zeigen wird

Wichtig ist zu verstehen, dass eine Veränderung in einem einzelnen Gen aufgrund einer geringfügigen Störung nicht zwangsläufig zu einer Krankheit führt. Problematisch ist die Situation, wenn die Aktivität mehrerer Gene aus einem Block gleichzeitig gesenkt ist: Das ist nicht unbedingt eine Erkrankung, kann sich aber auf die Lebensqualität auswirken. Mit Kenntnis solcher Besonderheiten kann man das Risiko psychischer Störungen, Atherosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bewerten. Gleichzeitig betont der Genetiker, dass man die Größe dieses Risikos beeinflussen kann – und genau das versucht man heute als Biohacking zu bezeichnen. Allerdings kann der Code nicht geändert werden: Man kann nur Gewohnheiten, Ernährung und Wohnort ändern, um das Risiko auf das Populationsniveau zu senken.

Biohacking: Marketing oder Realität

Der Begriff „Biohacking“ erzeugt nach Einschätzung von Mykytenko teilweise den Eindruck, als würden wir die Regeln der Funktion unseres eigenen Körpers verändern – dem ist aber nicht so. Es geht genau um die Prädisposition: Wenn beispielsweise die Mutter Brille trug, hat man eine Prädisposition für Sehstörungen, und das Verständnis dafür kann zur Motivation für Prävention werden. Die Genetik bestimmt nicht alles: Sie zeigt, wo die Schwachstelle liegt, aber was man mit dieser Information weiter macht, ist die Wahl des Menschen selbst. Daher funktioniert die Formulierung „Dagegen kann ich nichts tun, weil ich so eine Genetik habe“ nicht: Genetik ist keine Entschuldigung.

Es gibt kein einzelnes „Gen aller Übel“

Es gibt kein spezifisches Gen, auf das man alle Übel „abschieben“ kann. Es gibt einzelne genetische Krankheiten, die mit Fettleibigkeit einhergehen, aber ein bedingt gesunder normaler Mensch nimmt an Gewicht zu, nicht weil er „einen Kuchen gerochen“ hat, sondern wegen eines Ungleichgewichts zwischen Kalorienzufuhr und -verbrauch. Das Wissen über eine Prädisposition für Atherosklerose oder Fettleibigkeit sollte zu konkreten Entscheidungen für den Gesundheitserhalt anregen. Dasselbe gilt für die Krebsprädisposition: Wenn bekannt ist, wo sie auftreten kann und wie hoch das Risiko ist, kann man eine Prävention aufbauen. Bei gestörten zirkadianen Schlaf-Rhythmen kann ein Neurologe anhand der Ergebnisse solcher Tests einfacher eine Korrektur zur Ausbalanceierung des Schlafs auswählen. Das ist kein Biohacking im Sinne einer genetischen Um改写 der Organisationsanleitung, sondern eine Anpassung an die eigenen Besonderheiten zur Risikosenkung.

Sollte man überflüssige Tests fürchten

Genetische Untersuchungen der Wellness-Klasse sind präventive Tests, die keine Diagnose stellen, sondern nur eine Prädisposition bestimmen. Wenn diese falsch interpretiert wird, kann sie übermäßige Sorgen auslösen. In der Onkologie muss man bereit sein, das Ergebnis zu hören, denn übermäßige Ängstlichkeit kann selbst schaden; wenn dieses Verständnis fehlt, sollte man den Test nicht machen. Der Genetiker selbst kam, wie er sagt, erst mit 42 Jahren dazu, und manche sind nicht einmal mit 50 bereit. (Hinweis der Redaktion: Im bereitgestellten Interviewtext bricht die letzte Aussage des Experten ab, daher wird das abschließende Beispiel im Artikel nicht angeführt, um die Quelle nicht zu verzerren.)