In der Ukraine ist ein beispielloser Anstieg von Verwaltungs- und Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit der Immobilienbesteuerung zu verzeichnen. Laut dem Einheitlichen Staatsregister gerichtlicher Entscheidungen hat die Anzahl der Fälle in Streitigkeiten mit dem Finanzamt historische Höchststände erreicht und sich im Vergleich zur Vorkriegszeit verdoppelt. Experten führen diesen Trend auf systemische Fehler bei der Steuerberechnung und eine Desynchronisation der Daten zwischen staatlichen Registern zurück.

Statistik des rekordverdächtigen Anstiegs von Klagen

Die Analyse der Rechtsprechung zeigt eine beunruhigende Dynamik. Während die Anzahl der Entscheidungen in solchen Fällen im Jahr 2021 noch 3.188 betrug (im Durchschnitt 266 pro Monat), stieg dieser Wert im Jahr 2025 auf 6.128 Entscheidungen, was einem monatlichen Durchschnitt von mehr als 510 Fällen entspricht. Allein im ersten Halbjahr 2026 wurden bereits 3.074 Entscheidungen verzeichnet, wobei der monatliche Durchschnitt (512 Fälle) die Gesamtzahlen des Vorjahres übertraf. Dies deutet darauf hin, dass das Problem nicht vorübergehender Natur ist, sondern systemisch und immer mehr Bürger betrifft.

Technische Störungen und «tote Seelen» im Register

Hauptgrund für die Rechtsstreitigkeiten sind fehlerhafte Steuerbescheide (PPR). Wie die Notarin Natalja Kosajewa erklärt, liegt das Kernproblem in der Verzögerung der Datenübertragung. Der Notar trägt den Geschäftsvorgang am Tag der Unterzeichnung ins Register ein, während die Staatliche Steuerverwaltung (DNS) diese Informationen nur vierteljährlich erhält. Darüber hinaus wird die Steuer für das Vorjahr berechnet, was eine zeitliche Verzögerung erzeugt: Im Jahr 2026 erhalten Bürger Bescheide für das Jahr 2025, obwohl sich das Eigentumsrecht in der Zwischenzeit geändert haben könnte.

Besonders komplex ist die Situation bei Immobilien, deren Eigentumsrechte vor 2013 über das BTI (Büro für technische Inventarisierung) registriert wurden. Ein automatischer Transfer dieser Einträge in das Einheitliche Register hat nicht stattgefunden. Infolgedessen können im System gleichzeitig der aktuelle Eintrag des neuen Eigentümers und der nicht gelöschte Archiv-Eintrag des alten Eigentümers existieren, wodurch ehemalige Eigentümer weiterhin «Glücksbriefe» für Immobilien erhalten, die sie vor Jahren verkauft haben.

Widersprüchliche Daten und Kampfzonen

Es gibt auch Besonderheiten bei der Steuerberechnung für Immobilien auf vorübergehend besetzten Gebieten (TOT) oder in Kampfzonen. Der Vorsitzende des Finanzausschusses der Werchowna Rada, Danilo Hetmanzew, stellt fest, dass die DNS früher fälschlicherweise solche Flächen bei der Berechnung von Steuerermäßigungen berücksichtigt hat, was zu fehlerhaften Bescheiden führte. Allerdings berichten Experten, dass sich die Situation bei der Berücksichtigung von Ermäßigungen für solche Objekte in letzter Zeit zu ändern beginnt, aber alte Fehler tauchen weiterhin in Form neuer Klagen auf.

Effektive Strategien zum Schutz der Rechte

Anwälte der Kanzlei Sayenko Kharenko warnen die Bürger davor, sich vorschnell an das Gericht zu wenden. Ein Gerichtsverfahren in solchen Fällen kann ein Jahr dauern und erfordert erhebliche finanzielle Aufwendungen für Gerichtsgebühren und Anwaltskosten. Stattdessen empfehlen Experten die Nutzung des verwaltungsrechtlichen Widerspruchsverfahrens. Ein Bürger kann bei der DNS einen Antrag auf Abgleich der Daten mit den Originaldokumenten stellen. In der Regel stellt das Finanzamt nach der Neuberechnung einen neuen, korrekten Bescheid aus und hebt den vorherigen auf, was das Problem deutlich schneller und kostengünstiger löst.