Trotz der rasanten Verbreitung digitaler Dienste und künstlicher Intelligenz bleibt ein beträchtlicher Teil der Menschheit weiterhin außerhalb des globalen Netzwerks. Der aktuelle Bericht der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) „Facts and Figures 2026“, auf den sich RBC-Ukraine bezieht, hält fest, dass im Jahr 2026 6,3 Milliarden Menschen das Internet nutzen — das entspricht 76% der Weltbevölkerung. Gleichzeitig haben etwa zwei Milliarden Menschen, oder 24% der Weltbevölkerung, weiterhin keinen Zugang zum Netz. Im Vergleich zu den Vorjahresdaten ist dieser Wert leicht gesunken: Ein Jahr zuvor waren 2,2 Milliarden Menschen ohne Verbindung, doch das Tempo der Verringerung der Kluft bleibt langsam.

Das globale Bild: 76% online und zwei Milliarden offline

Analysten betonen, dass die Dynamik des Anschlusses zwar positiv, aber nicht ausreichend ist, um von einer vollständigen Abdeckung zu sprechen. Während der Anteil der nicht Angeschlossenen 2025 noch bei etwa 2,2 Milliarden Menschen lag, sank er 2026 auf etwa zwei Milliarden. Das bedeutet, dass sich innerhalb eines Jahres nur etwa 200 Millionen Nutzer dem Netz angeschlossen haben, während die überwältigende Mehrheit derjenigen, die offline bleiben, in den ärmsten Regionen der Welt konzentriert ist, wo Infrastruktur, Gerätekosten und das Niveau der digitalen Kompetenz komplexe Barrieren bilden.

Geschlechter- und Alterskluft: Wer bleibt öfter offline

Der Bericht deckt anhaltende Disparitäten bei der Frage auf, wer Zugang zum Internet hat. Nach Geschlecht aufgeschlüsselt beträgt die Kluft fünf Prozentpunkte: 79% der Männer nutzen das Netz gegenüber 74% der Frauen. Die Alterskluft ist noch deutlicher — Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahren sind zu 86% mit dem globalen „Netz“ verbunden, während dieser Wert für den Rest der Bevölkerung bei 74% liegt. Somit fallen Frauen und ältere Altersgruppen systematisch hinter das durchschnittliche Anschlussniveau zurück, was ihren Zugang zu Bildung, Arbeitsmärkten und digitalen staatlichen Dienstleistungen einschränkt.

Stadt gegen Land: Die Geografie der Ungleichheit

Die tiefste Kluft zeigt sich beim Wohnort. In Städten haben 82% der Einwohner Zugang zum Internet, während dieser Wert in ländlichen Gebieten auf 63% fällt. Die Lücke von 19 Prozentpunkten bedeutet, dass fast jeder dritte Bewohner ländlicher Gebiete offline bleibt, während in Städten nur jeder fünfte nicht angeschlossen ist. Experten zufolge ist der geografische Faktor einer der Haupttreiber der globalen digitalen Ungleichheit.

Mobilgeräte und wirtschaftliche Ungleichheit

Neben dem Netzzugang untersuchten die ITU-Analysten auch den Besitz von Mobilgeräten bei Menschen über 10 Jahren. Weltweit besitzen 84% der Bevölkerung ein Telefon, jedoch gibt es eine enorme Kluft zwischen den ökonomischen Kategorien der Länder: In Staaten mit hohem Einkommen erreicht dieser Wert 95%, während er in Ländern mit niedrigem Einkommen nur bei 57% liegt. Dies bestätigt, dass der Netzzugang nicht nur von der Verfügbarkeit von Funkmasten und Kabeln abhängt, sondern auch von der Fähigkeit der Haushalte, Geräte zu erwerben.

Infrastruktur reicht nicht aus: Kurs auf digitale Kompetenzen

Die Experten der ITU betonen, dass es zur Überwindung der bestehenden Kluft nicht ausreicht, lediglich die technische Infrastruktur auszubauen. Laut Vertretern der Union muss die Entwicklung digitaler Kompetenzen der Bevölkerung Vorrang haben, da ohne diese die Vorteile moderner Technologien und künstlicher Intelligenz für einen wesentlichen Teil der Weltgemeinschaft unzugänglich bleiben. Mit anderen Worten: Selbst bei vorhandenem Netz und Gerät kann ein Mensch ohne grundlegende digitale Alphabetisierung die Möglichkeiten des „digitalen Zeitalters“ nicht voll ausschöpfen, was Bildungsfragen zur zentralen Voraussetzung für die Verringerung der Ungleichheit macht.