Die Internationale Organisation für Zivilflugverkehr (ICAO) hat eine Erklärung veröffentlicht, in der sie einen erheblichen Anstieg der Risiken für Passagierflüge vor dem Hintergrund aktiver Kampfhandlungen feststellt. Laut dem Medium RBC-Ukraine wies die Organisation darauf hin, dass die zivile Luftfahrt aufgrund des Einsatzes moderner Waffensysteme mit großer Reichweite, der massenhaften Nutzung unbemannter Luftfahrzeuge und fortschrittlicher Luftverteidigungssysteme einer erhöhten Bedrohung ausgesetzt ist. In genau diesem Kontext ist die offizielle Warnung einzuordnen, die Kiew laut dem ukrainischen Außenminister Andrij Sybiha am Mittwoch, dem 2. September, an die ICAO über die Schließung des russischen Luftraums richtete.

Erhöhte Bedrohung für die zivile Luftfahrt

Die ICAO betont, dass die Kombination aus Waffensystemen großer Reichweite, Drohnen und Flugabwehrsystemen Bedingungen schafft, unter denen ein ziviles Flugzeug unter Kreuzfeuer geraten oder fälschlicherweise als feindliches Ziel identifiziert werden kann. Die Organisation stellt fest, dass die Luftfahrtbranche zwar in der Lage ist, Flugrouten schnell umzuleiten, um Konfliktzonen zu umgehen, doch jeder Staat ist verpflichtet, die Bedrohungslage über seinem eigenen Gebiet ständig und eigenständig zu bewerten. Dies verlagert die Verantwortung für die Sicherheit der Passagiere im Wesentlichen teilweise auf die nationalen Behörden und nicht nur auf internationale Gremien.

Funkstörungen und Navigationsausfälle

Eine separate und nach Einschätzung der ICAO ernste Problematik stellen die regelmäßigen Funkstörungen dar, die den Betrieb des globalen satellitengestützten Navigationssystems blockieren. Für die zivile Luftfahrt, die kritisch von einer präzisen Positionsbestimmung abhängt, bedeuten solche Ausfälle nicht bloß Unannehmlichkeiten, sondern eine direkte Gefahr für die Flugsicherheit: Die Piloten verlieren einen verlässlichen Navigationsbezug in einer Situation, in der der Luftraum bereits durch militärische Objekte und unbemannte Luftfahrzeuge überlastet ist.

Pflichten der Staaten und Koordination zwischen Militär und Zivilbehörden

Die internationale Organisation rief die UN-Mitgliedstaaten dazu auf, schnellstmöglich Aufklärungsdaten über mögliche Risiken für die Luftfahrt auszutauschen. Darüber hinaus fordert die ICAO eine erhebliche Verbesserung der Koordination zwischen zivilen und militärischen Behörden, um Fälle auszuschließen, in denen das Militär fälschlicherweise ein Passagierflugzeug als feindliches Ziel identifiziert. In diesem Zusammenhang hat die ICAO Berichten zufolge bereits mit der Aktualisierung ihrer offiziellen Anweisungen und Leitlinien zur Risikobewertung für die zivile Luftfahrt in Konfliktzonen und deren Umgebung begonnen.

Position der Ukraine und Reaktion Russlands

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte, Kiew habe der ICAO eine offizielle Warnung über die Schließung des russischen Luftraums übermittelt und damit begründet, dass der russische Luftraum aufgrund der verstärkten militärischen Aktivität für die zivile Luftfahrt gefährlich sei. Laut seinen Angaben ignoriere Russland die bestehenden Bedrohungen als Folge seiner Aggression gegen die Ukraine bewusst, was in den letzten Jahren bereits zu mehreren Vorfällen geführt habe. Als Reaktion erklärte die Rosawiazija laut russischen Medienberichten ihre Bereitschaft, im Zusammenhang mit dem Schreiben der Ukraine mit der ICAO zusammenzuarbeiten.

Widersprüchliche Angaben

In den verfügbaren Quellen gibt es eine Unstimmigkeit darüber, in welchem Stadium das ukrainische Schreiben an die ICAO sich befindet. Einerseits erklärte Minister Sybiha (am 2. September), die Ukraine habe bereits eine offizielle Warnung über die Schließung des russischen Luftraums übermittelt. Andererseits formuliert die ukrainische Agentur Interfax-Ukraine die Situation als Vorbereitung eines Schreibens an die ICAO wegen des Verstoßes Russlands gegen das Übereinkommen über die internationale Zivilluftfahrt. Somit besagt eine Version, dass die Benachrichtigung abgeschlossen ist, während die andere von einem noch in Arbeit befindlichen Dokument spricht. Darüber hinaus erkennt die Position der russischen Seite (die Bereitschaft der Rosawiazija zur Zusammenarbeit) die Berechtigung der ukrainischen Warnung faktisch nicht an, sondern bestätigt lediglich den Empfang, was zu einer unterschiedlichen Interpretation der Situation durch die beteiligten Seiten führt.

Die Gesamtheit der Erklärungen der ICAO und der ukrainischen Behörden deutet darauf hin, dass die Frage der Sicherheit der zivilen Luftfahrt über Gebieten, die an die Konfliktzone angrenzen, zu einem der zentralen Themen der internationalen Luftfahrtagenda wird. Die Aktualisierung der ICAO-Leitlinien und die Verschärfung des diplomatischen Dialogs zwischen Kiew und Moskau um den Luftraum werden voraussichtlich in den kommenden Wochen weiterentwickelt, wobei die endgültigen Formulierungen der internationalen Anweisungen zur Risikobewertung einen entscheidenden Orientierungspunkt für die Fluglinien bei der Routenplanung darstellen werden.