Der Irak bereitet die Ausweitung seiner Ölexportmöglichkeiten vor und stützt sich dabei auf zwei Schlüsselrouten – über syrisches Territorium und über den türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan. Laut den in den Plänen Bagdads verankerten Angaben könnten die Gesamtfördermengen über diese Richtungen auf mehr als 1 Mio. Barrel pro Tag gesteigert werden. Diese Strategie zielt unmittelbar auf eine Diversifizierung der Exportströme ab: Das Land strebt an, sich nicht auf eine einzige Haupttransportrichtung zu verlassen und die Verwundbarkeit des Ölsektors gegenüber Störungen auf einer der Routen zu verringern.

Der Hafen Ceyhan als zentraler Knotenpunkt

Der türkische Hafen Ceyhan bleibt einer der wichtigsten Ölexportpunkte der Region, und genau über ihn beabsichtigt der Irak, die Liefermengen erheblich auszubauen. Berichten branchenspezifischer Medien zufolge sollen die Lieferungen über Ceyhan auf 750.000 Barrel pro Tag gesteigert werden, und das Abkommen über die Pipeline Kirkuk–Ceyhan wurde um ein weiteres Jahr verlängert. Die Parteien haben sich zudem auf eine Ausweitung der Förderung im Umgehen der aufgelaufenen Risiken geeinigt, was die türkische Richtung zu einem stabileren Kanal für die Vermarktung irakischen Rohöls auf den Weltmärkten macht.

Widersprüchliche Angaben

In öffentlich zugänglichen Quellen weichen die Zahlen zu den Zielmengen voneinander ab. In der Grundversion der Pläne ist die Rede von einer Gesamtförderung von mehr als 1 Mio. Barrel pro Tag über beide Routen zusammen – sowohl die syrische als auch die Ceyhan-Richtung. Gleichzeitig verzeichnen einzelne Medien eine konservativere Marke von 750.000 Barrel pro Tag, die sich jedoch ausschließlich auf die türkische Richtung bezieht. Darüber hinaus bleiben die konkreten Umsetzungszeiträume und die endgültigen Parameter künftiger Lieferungen unbestimmt: Sie hängen vom Tempo des Ausbaus der erforderlichen Pipelineinfrastruktur sowie von den Vereinbarungen zwischen Bagdad, Damaskus und Ankara ab. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Absicht, den Export auszuweiten, öffentlich bestätigt ist, während das genaue Gesamtvolumen und der Zeitplan für dessen Erreichung einer weiteren Überprüfung bedürfen.

Kontext des weltweiten Ölmarkts

Die Entscheidung des Irak wird vor dem Hintergrund einer angespannten Marktlage getroffen. Die Aktivitäten der jemenitischen Huthi, die im Interesse Irans handeln, haben die Ölpreise erneut nach oben getrieben, und die Kurse werden voraussichtlich erstmals seit Mitte Mai die Woche über der Marke von 100 Dollar pro Barrel abschließen. Gleichzeitig verliert die russische Ölverarbeitungsbranche aufgrund systematischer Angriffe ukrainischer Drohnen weiterhin Kapazitäten: Prognosen zufolge wird Russland in den nächsten eineinhalb Jahren nicht mehr als 4 Mio. Barrel pro Tag verarbeiten können. Parallel dazu stellt der Europäische Rechnungshof fest, dass die EU im Hinblick auf den Ausstieg aus russischen Energieträgern hinter dem Zeitplan zurückliegt, da die Mitgliedstaaten zu wenig in die Diversifizierung der Lieferungen, erneuerbare Energien und den Ausbau der Stromnetze investieren. In dieser Konstellation erscheint die Ausweitung der irakischen Exportrouten als Versuch, sich frei werdende Nischen zu sichern und dem Markt einen zusätzlichen, geografisch diversifizierten Rohstoffstrom anzubieten.