Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat eine harte Position bezüglich der Fiskalpolitik Kiews im Hinblick auf den Finanzsektor eingenommen. In einem aktualisierten Memorandum, das in Zusammenarbeit mit den ukrainischen Behörden veröffentlicht wurde, findet sich eine direkte Empfehlung: Die verlängerte Gewinnsteuer für Banken sollte nach 2027 nicht weiter aufrechterhalten werden. Experten des Fonds sind der Ansicht, dass die Beibehaltung dieses Mechanismus zu schwerwiegenden Verzerrungen in der Wirtschaft führen wird.
Die wirtschaftliche Falle vorübergehender Maßnahmen
Der Kern des Konflikts liegt im Gesetzentwurf Nr. 15262. Das Dokument sieht vor, den erhöhten Steuersatz auf Gewinne des Bankensektors auf 50 % im Jahr 2027 beizubehalten. Die Regierung der Ukraine hat die erwarteten Einnahmen aus dieser Abgabe bereits in die Haushaltsdeklaration für den Zeitraum von 2027 bis 2029 aufgenommen und rechnet mit diesen Mitteln zur Füllung der Staatskasse.
Der IWF spricht sich jedoch kategorisch gegen eine solche Strategie aus. In dem Dokument des Fonds wird betont, dass die Steuer auf überhöhte Gewinne nach 2027 abgeschafft werden muss. Ihr Platz sollte von qualitativ hochwertigeren und dauerhafteren Einnahmequellen eingenommen werden, die der langfristigen Strategie der Regierung entsprechen.
Risiken für das Bankensystem
Der IWF erinnerte daran, dass dieser Mechanismus bis 2027 bereits zum vierten Mal angewendet werden könnte. Experten des Fonds weisen auf systemische Risiken einer mehrfachen Verlängerung einer solchen Maßnahme hin:
- Verfestigung wirtschaftlicher Verzerrungen. Ständige Unsicherheit und hohe Steuersätze verändern die Spielregeln für die Marktteilnehmer.
- Kontraproduktives Verhalten. Banken werden gezwungen sein, Entscheidungen nicht zur Entwicklung des Geschäfts zu treffen, sondern ausschließlich zur Minimierung der Steuerlast.
- Kapitalmangel. Eine hohe Besteuerung schränkt die Fähigkeit der Banken ein, Kapital anzusparen, das für die Unterstützung der Kreditvergabe und die Finanzierung des Wiederaufbaus nach dem Krieg von entscheidender Bedeutung ist.
Stabilität des Sektors und Zukunft der Kreditvergabe
Trotz der Kritik an der Fiskalpolitik erkennt der IWF an, dass der Bankensektor der Ukraine eine hohe Widerstandsfähigkeit zeigt. Die Finanzinstitute arbeiten trotz des Krieges, der physischen Zerstörung der Infrastruktur und regelmäßiger Cyberangriffe weiterhin effektiv. Die hohe Rentabilität der Banken wird insbesondere durch Operationen mit dem öffentlichen Sektor gestützt.
Dennoch besteht der Fonds darauf: Um die Kreditvergabe zu beleben und den Wiederaufbau des Landes nach Beendigung der Kampfhandlungen in großem Umfang voranzutreiben, ist ein ausreichendes Kapitalniveau bei den Banken erforderlich. Ein übermäßiger Entzug von Gewinnen jetzt könnte die Fähigkeit des Finanzsektors untergraben, diese Funktion in Zukunft zu erfüllen.
Hintergrund und andere Steuerpläne
Die erhöhte Besteuerung des Bankensektors war eine Reaktion der Behörden auf Krisensituationen. Im Jahr 2023 waren die Banken verpflichtet, rückwirkend eine Steuer in Höhe von 50 % zu zahlen. Im Jahr 2024 betrug der Steuersatz 25 %, doch die Behörden kehrten erneut zur Idee einer zusätzlichen Abgabe auf hohe Gewinne des Sektors zurück.
Im Juni wurde ein Gesetzentwurf in die Werchowna Rada eingebracht, der den Satz von 50 % für das Jahr 2027 festschreibt, was bei den internationalen Partnern Besorgnis ausgelöst hat.
Neben den Fragen, die Banken betreffen, enthält das aktualisierte IWF-Memorandum weitere wichtige Empfehlungen zur Reform der ukrainischen Wirtschaft:
- Energie und öffentliche Versorgung. Der Fonds schlägt eine schrittweise Erhöhung der Gas- und Stromtarife für die Bevölkerung vor, beginnend mit 2027. Dies sollte jedoch erst nach der Schaffung eines effektiven Systems der gezielten sozialen Unterstützung geschehen.
- Besteuerung von Einzelunternehmern (FOP). Geplant ist die Verschiebung der Einführung der Mehrwertsteuer für natürliche Personen als Unternehmer. Das entsprechende Gesetz sollte im Januar 2028 in Kraft treten.