Das Unternehmen „Kernel“ hat gemeinsam mit dem Projekt We build Ukraine und dem „Soderzhane. Zentrum für Politikanalyse“ den Start der ersten Public-Private-Partnership-Schule (PPP) in der Ukraine für lokale Gemeinden angekündigt. Die Initiative zielt darauf ab, die lokalen Selbstverwaltungsorgane darin zu schulen, wirtschaftlich fundierte Projekte für den Wiederaufbau und die Entwicklung der Regionen vorzubereiten, die sowohl privaten als auch internationalen Kapital anziehen können. Wie das RBC-Ukraine unter Verweis auf eine Pressemeldung des Unternehmens berichtet, hat das Programm einen praktischen Charakter und ist auf drei Monate ausgelegt.

Das Hauptproblem liegt nicht im Fehlen von Ideen, sondern in der Dokumentation

Ein zentrales Argument für die Gründung der PPP-Schule waren die Ergebnisse einer internen Umfrage von „Kernel“, die 230 Gemeinden in der gesamten Ukraine umfasste. Laut deren Daten ist das Haupthindernis für die Anziehung von Investitionen in lokale Projekte nicht der Mangel an Initiativen, sondern das Fehlen durchgerechneter finanzieller und rechtlicher Dokumentation. Bemerkenswert ist, dass nach Einschätzung der Organisatoren nur 4 % der lokalen Räte tatsächlich mit den Instrumenten des Public-Private-Partnerships vertraut sind. Das bedeutet, dass die überwiegende Mehrheit der Gemeinden über keine anwendbaren Fähigkeiten verfügt, um eine lokale Idee in ein investitionsattraktives Dokumentenpaket zu verwandeln.

Erste Kohorte: 21 Gemeinden und drei Monate Praxis

An der Startkohorte des praktischen dreimonatigen Programms nehmen 21 Gemeinden teil. Teams aus lokalen Beamten und Fachleuten arbeiten gemeinsam mit Mentoren und entwickeln Investitionsangebote in Bereichen wie Energieunabhängigkeit, Wasser- und Wärmeversorgung, Wohnungsbau und anderen für den Infrastrukturaufbau entscheidenden Richtungen. Das Lernformat sieht keine theoretischen Vorträge vor, sondern die direkte Arbeit an realen Projekten mit schrittweiser Begleitung durch Experten.

Expertise: von der Idee bis zum fertigen Dokumentenpaket

„Den Gemeinden fehlt anwendbare Expertise: Wie berechnet man die Amortisation, wie balanciert man Risiken aus und wie verteidigt man ein Projekt vor einem Investor. Unsere Aufgabe ist es, ihnen auf diesem Weg von der Idee bis zum fertigen Dokumentenpaket zu helfen“, betonte Lilia Maratschkanetz, Direktorin des Fonds „Zusammen mit Kernel“. Ihre Worte spiegeln die zentrale Methodik der Schule wider: den Fokus auf konkrete Finanzmodelle, Risikobewertung und die Vorbereitung einer Präsentation, die sowohl einem privaten Investor als auch einem internationalen Geber vorgelegt werden kann.

Vom Online-Kurs zum Pitching vor internationalen Partnern

Es ist anzumerken, dass die PPP-Schule nicht der erste Schritt in diese Richtung ist. Zuvor hatten Vertreter von 400 Gemeinden einen grundlegenden Online-Kurs des Projekts absolviert, was einen breiten Pool interessierter Teilnehmer formte. Der Höhepunkt des aktuellen praktischen Programms wird ein Pitching sein: Die Teams werden ihre Investitionsangebote vor internationalen Partnern, zuständigen Ministerien und privaten Investoren präsentieren. Die Gewinnerprojekte erhalten eine Expertise-Begleitung bis zum Zeitpunkt der Finanzierungszusage, was die Chancen auf eine erfolgreiche Umsetzung erheblich steigert.

Pläne zur Skalierung und systematischen Finanzierung

Die Organisatoren der PPP-Schule erklären ihre Absicht, das Programm zu skalieren und die Zusammenarbeit mit staatlichen Institutionen und internationalen Gebern auszubauen. Das Ziel ist es, einen Mechanismus für die systematische Finanzierung kommunaler Initiativen aufzubauen, bei dem das Public-Private-Partnership nicht zu einem einmaligen Instrument, sondern zu einem nachhaltigen Modell der Regionalentwicklung wird. Vor dem Hintergrund der laufenden Wiederaufbauprozesse in den ukrainischen Regionen kann eine solche Initiative zu einem bedeutenden Faktor für die Anziehung langfristiger Investitionen in die lokale Infrastruktur werden.