Am 8. September 2026 veranstaltete der Ukrainische Agrargeschäftsclub (UKAB) gemeinsam mit der Agentur UCABevent in Kiew die 17. internationale Konferenz „Effizientes Management von Agrarunternehmen“ (LFM). Die Veranstaltung, die das Top-Management der größten Agrarholdinge, Vertreter der Regierung und der Expertengemeinschaft zusammenbrachte, widmete sich dem zentralen Thema der Saison: dem unausweichlichen Verzicht auf klassische Geschäftsmodelle zugunsten innovativer Ansätze. Die Organisatoren betonten, dass die Branche eine Art „Schocktherapie“ durchläuft und gezwungen ist, die Managementlogik unter Bedingungen umzubauen, in denen der Begriff „Morgen“ verschwommen geworden ist.
Verzicht auf klassische Diskussionsformate
In diesem Jahr hat sich das Konferenzformat grundlegend geändert: Die Organisatoren verzichteten vollständig auf die gewohnten Podiumsdiskussionen und veranstalteten stattdessen ein Intensivprogramm im offenen-Mikrofon-Format, bei dem das Publikum die Gesprächsrichtung bestimmte. Den Diskussionsblock eröffnete UKAB-Präsident Alex Lisitsa mit einer Präsentation über „kaputte Geschäftsmodelle“. Seinen Worten zufolge stehen die Landwirte aufgrund von Angriffen auf die Infrastruktur und des andauernden Kriegshandels erneut vor einer fundamentalen Wahl: Wo Mittel finden, wie die Logistik aufbauen und ob überhaupt gesät werden soll. Nikolai Masyany, Geschäftsführer von CNH Industrial in der Ukraine, hob die einzigartige Widerstandsfähigkeit der ukrainischen Landwirte hervor und erklärte, dass jetzt der gewinne, der mit Chaos umgehen und sich schnell anpassen kann, gestützt auf Präzisionslandwirtschaft, Automatisierung und Datenarbeit.
Staatliche Unterstützung und neue Exportwege
Die Veranstaltung eröffnete Denis Bashlyk, Stellvertretender Minister für Wirtschaft und Umwelt. Er betonte, dass die Regierung alles Mögliche tue, um den Agrarsektor bei Mittelknappheit zu unterstützen, insbesondere gestützt auf die Erfahrung bei der Lagerung der Ernte. Trotz der Notwendigkeit internationaler Hilfe beseitige die Ukraine Schritt für Schritt bürokratische und finanzielle Hindernisse für den Start neuer Exportwege, was unter den Bedingungen des logistischen Drucks von entscheidender Bedeutung sei.
„Agrarische Singularität“: Prognose für 2036
UKAB-Geschäftsführer Oleksiy Homenko stellte eine Langzeitprognose vor, wonach sich das Geschäft bis 2036 in vier Modelle aufteilen wird: Small, Smart, Scale und System. Der wichtigste Wettbewerbsvorteil werde seiner Einschätzung nach nicht der Landbank sein, sondern die Tiefe der Verarbeitung. Die größten Ökosysteme (System) würden den gesamten Zyklus abschließen – vom eigenen Feld und der Eisenbahntraktion bis zur Verarbeitung zu Ethanol – und mehr als 400 Dollar EBITDA pro Hektar generieren. Der Klimawandel werde laut Prognose den Übergang zu trockenresistenten Kulturen erzwingen, und der Fachkräftemangel sowie das Lohnwachstum auf 3500 Euro würden den Menschen aus Routineoperationen verdrängen.
KI und Automatisierung: Von der Theorie zur Praxis
Im Block zur Automatisierung analysierten Top-Manager der Agrarholdinge HarvEast, IMK, TAS Agro, Gals Agro und Syngenta die praktische Anwendung der künstlichen Intelligenz. Oksana Bobrova (Agrohub) bemerkte die Stabilisierung der Ernteerträge in der ersten Hälfte von 2026 und betonte, dass es jetzt nicht nur darum gehe, zu ernten, sondern zu verdienen: die Ernte rechtzeitig ohne Technikverluste einzubringen und das Humankapital angesichts der Lohnerhöhungen zu erhalten. Jelena Boitschenko (Deloitte Ukraine) führte Daten an, wonach mehr als 50 % der CEOs die Synergie von Mensch und KI verstehen, aber nur etwa 5 % sie einrichten können, und die Verbreitung von „Shadow AI“ unter den Mitarbeitern erfordere dringende Regeln für die Datennutzung.
Politischer Block und Transformation der Bildung
Im politischen Block diskutierten Alexandra Avramenko (UKAB) und Taras Katscha über den EU-Beitritt der Ukraine und die damit verbundenen Herausforderungen für den Agrarsektor. Die abschließende Diskussion mit Vertretern des Bildungs- und Wissenschaftsministeriums, der KSE, der Wirtschaft und der Hochschulen widmete sich der Transformation der Bildung gemäß den Bedürfnissen der Branche. Getrennt arbeitete auf der Konferenz ein Stand der Drohnen-Spezialeinheit „Rokot“ (2. Korps des HGU „Charta“): Die Militärs sammelten 485.000 Hrywnja für ein Quadradbike zur Erfüllung von Kampfaufgaben und Evakuierung ein.
Widersprüchliche Daten
In der ursprünglichen Pressemitteilung gibt es eine kleine interne Unstimmigkeit in der Beschreibung der Formate: Einerseits erklären die Organisatoren den vollständigen Verzicht auf klassische Podiumsdiskussionen zugunsten des offenen Mikrofons, andererseits wird im Text dem Block zur Automatisierung die Definition „während des Panels“ gegeben. Außerdem ist das Zitat von Jelena Boitschenko (Deloitte Ukraine) über „Shadow AI“ im Ausgangsmaterial direkt nach dem politischen Block platziert, obwohl es logisch zur Diskussion über Automatisierung gehört. Diese Abweichungen betreffen nur die Struktur der Darstellung, nicht die Fakten über das Ereignis selbst, das durch zwei Quellen bestätigt ist.
Zusammenfassung und Ankündigung der nächsten Begegnung
Die Veranstaltung bestätigte erneut den Status der LFM als Hauptplattform für den Erfahrungsaustausch in der Branche. Die Organisatoren dankten den Partnern – darunter New Holland, Syngenta, AgroPortal, RBC-Ukraine, ua.news und andere – und kündigten die nächste Begegnung an: Im Dezember 2026 findet die Konferenz „DoAgro26“ statt.