Am 20. September 2026, am letzten Tag der Abstimmung bei der Wahl zur Staatsduma, wurde Moskau einem beispiellos großen Angriff mit unbemannten Luftfahrzeugen ausgesetzt. Laut einem Bericht des Instituts für Kriegsstudien (ISW), der an RBC-Ukraine übergeben wurde, hatten die Behörden der Region Moskau absichtlich keine Luftalarm-Sirenen ein- und keine SMS-Warnungen an die Bevölkerung geschickt – obwohl sie bei zuvor deutlich schwächeren Angriffen noch zu solchen Maßnahmen gegriffen hatten. Gleichzeitig wurde, so Beobachtungen von Analysten, der Mobilfunkverkehr eingeschränkt, wobei die regionalen Behörden keine offiziellen Erklärungen für diesen Schritt abgaben.

Stille Sirenen am letzten Abstimmungstag

Der zentrale Schluss des ISW lautet, dass die russischen Behörden offensichtlich die Sicherung einer hohen Wahlbeteiligung über die Sicherheit der Bevölkerung stellten. Die Analysten betonen, dass die ukrainischen Streitkräfte strategische Öl- und Logistikinfrastruktur angegriffen, aber grundsätzlich keine Wahllokale oder sonstige Wahlinfrastruktur ins Visier genommen hatten. Dennoch wurde das vollständige Fehlen jeglicher Warnungen – weder Sirenen noch SMS – vor dem Hintergrund von Angriffen festgehalten, die in ihrem Umfang frühere Vorfälle deutlich übertrafen. Russische Medien, insbesondere Fedpress, berichteten, dass Luftabwehrsysteme in einer Nacht 475 Drohnen abgeschossen hätten, was den außergewöhnlichen Umfang des Angriffs bestätigt.

Bürgerbeschwerden und das Schließen des Gouverneurskanals

Bewohner der Region Moskau beschwerten sich öffentlich über das Fehlen von Warnungen im Telegram-Kanal des Gouverneurs Andrei Worobjow. Laut ISW wurden die Kommentare im Kanal nach dem Anstieg kritischer Nachrichten geschlossen. Dieser Vorfall sei, so die Einschätzung der Analysten, ein zusätzlicher Indikator dafür, dass Informationen über die Luftbedrohung gezielt von der Bevölkerung ferngehalten wurden, in einer Phase, in der die Wahlbeteiligung von entscheidender Bedeutung war.

Bestätigte Treffer auf Infrastruktur

Die ukrainische Seite bestätigte den Treffer auf das Moskauer Ölraffineriewerk – eines der größten Russlands. Nach dem Angriff verbreiteten sich im Netz Aufnahmen von Bränden auf mehreren Objekten der Hauptstadt. Präsident Wolodymyr Selenskyj nannte in seiner Ansprache die Typen der eingesetzten Drohnen: FP-1, RZ-100, MICH-2000, „Paljnyzja“, Vendetta, „Februar“, „Bars“, „Flamingo“, „Januar“ und Pelican. Laut Glavred wurden die Angriffe nicht nur in Moskau, sondern auch in Sankt Petersburg registriert, wo in Ust-Luga auf einem der Objekte ein Feuer ausbrach.

Widersprüchliche Daten

Zwischen den Quellen bestehen Abweichungen im Erfassungsumfang der Ereignisse. Die zentrale Erzählung des ISW und von RBC-Ukraine konzentriert sich ausschließlich auf Moskau und die Region Moskau. Glavred verweist in seinem zusammenfassenden Bericht jedoch auf gleichzeitige Angriffe auf Sankt Petersburg und den Brand in Ust-Luga, was die Geografie des Angriffs über das Moskauer Gebiet hinaus erweitert. Außerdem ist die Behauptung des ISW vom „absichtlichen“ Schweigen der Sirenen eine analytische Bewertung auf der Grundlage indirekter Anzeichen (Fehlen von Warnungen trotz Bedrohung, Einschränkung der Kommunikation ohne Erklärung, Schließen der Kommentare im Kanal des Gouverneurs) und kein dokumentierter Befehl oder offizielles Eingeständnis. Die russische Seite kommentierte die Ursache des fehlenden Alarms nicht. Damit ist der Umstand des Fehlens von Sirenen und SMS durch mehrere Quellen und Bürgerbeschwerden bestätigt, während die Motivation dieser Entscheidung Gegenstand einer fachlichen Interpretation bleibt.

Kontext: Wahlen und Informationskontrolle

Die Lage vom 20. September 2026 fügt sich in den breiteren Kontext der Steuerung des Informationsraums während des Wahlkampfs ein. Die Einschränkung des Mobilfunks ohne öffentliche Begründung, das Schließen des Kanals für das Feedback der Bürger und das vollständige Fehlen der standardmäßigen Alarmierungsverfahren bei Luftbedrohung zeichnen ein Bild, in dem nicht die physische Sicherheit der Bürger im Vordergrund steht, sondern die Aufrechterhaltung des Wahlprozesses. Der ISW merkt an, dass eine solche Praxis – das zeitnahe Alarmsystem zugunsten administrativer Kennzahlen zu opfern – die Logik des zivilen Schutzes angesichts anhaltender Luftangriffe selbst in Frage stellt.