Am Ende der Hauptprüfungssession des Nationalen Mehrfachfachtests (NMT) 2026 erreichten 39.888 Teilnehmer nicht die Mindestpunktzahl in Mathematik. Das entspricht 12,1 % der insgesamt 329.709 NMT-Teilnehmer. Dies teilte die Direktorin des Ukrainischen Zentrums für Qualitätssicherung in der Bildung (UCQAE), Tschatschyna Wakulenko, bei der Analyse der Prüfungsergebnisse mit. Um ein bestandenes Ergebnis in Mathematik zu erzielen, mussten mindestens 5 von 32 möglichen Punkten erreicht werden, doch mehr als 12 % der Abiturienten überschritten selbst diese Schwelle nicht.

Umfang des Problems und Gesamtstatistik des NMT-2026

Im Jahr 2026 meldeten sich rund 360.000 Personen zum NMT an, was 43.000 mehr sind als im Jahr 2025 (317.000). Tatsächlich absolvierten 329.709 Teilnehmer die Prüfung. Die Mindestpunktzahl in mindestens einem Fach erreichten 48.590 Bewerber nicht, also 14,8 % aller Prüfungsteilnehmer. Mathematik wurde zum problematischsten Fach: Genau dieses Fach bestanden 39.888 Personen nicht. Gleichzeitig erzielten 4.324 Abiturienten in mindestens einem Fach die maximale Punktzahl von 200, wobei die höchsten Ergebnisse in Englisch und Mathematik verzeichnet wurden – was die Kluft zwischen der „Spitze“ und dem „Schwanz“ der Ergebnisse unterstreicht.

Was die Schüler konkret nicht wissen: Lücken aus der 5.–6. Klasse

Laut Tschatschyna Wakulenko zeigen die Ergebnisse nicht auf eine Schwierigkeit des Tests selbst, sondern auf erhebliche Lücken in den Grundlagen, die die Kinder bereits in der 5.–6. Klasse erlernen. Vor allem geht es um Brüche, Prozente und gewöhnliche Textaufgaben. „Unter den Abiturienten haben 12 % keine Vorstellung davon, wie man mathematische Werkzeuge zur Lösung alltagsrelevanter mathematischer Aufgaben einsetzt“, betonte die UCQAE-Direktorin. Besonders hervorhob sie, dass das Problem bereits auf der Ebene des Verständnisses der Aufgabenstellung entsteht: Um eine Aufgabe zu lösen, muss der Schüler den Text zunächst lesen und erfassen, weshalb auch die Ergebnisse in der funktionalen Lesekompetenz problematisch sind.

Der Krieg als systemischer Faktor der Bildungsausfälle

Als eine der Hauptursachen des aufgelaufenen Problems nannte Wakulenko den vollumfänglichen Krieg und die damit verbundenen Bildungsausfälle. Mathematik sei, so ihre Worte, zu einem großen Teil eine abstrakte Wissenschaft und erfordere stabile Fähigkeiten des abstrakten Denkens, die sich schrittweise entwickeln. „Bestimmte Bildungsausfälle, die bereits in der 5.–6. Klasse wie kleine Samen gelegt wurden, haben sich über die Jahre angesammelt, und wir sehen nun einen Ball aus Problemen, der uns derzeit begleitet“, erläuterte sie. Damit wurde die Lücke in den Grundkenntnissen, die während der Kampfhandlungen in der Grund- und Sekundarschule entstand, bis zum Zeitpunkt der Universitätszulassung zu einem systemischen Problem.

Was das UCQAE vorschlägt: Rückkehr zum „Kern“ der Kompetenz

Die UCQAE-Direktorin betonte, dass die Situation eine Neuüberlegung der Ansätze beim Mathematikunterricht in den Schulen erfordert. Zu den notwendigen Schritten zählte sie die Bereitstellung zusätzlicher Mathematikstunden im Schulplan sowie eine gezielte Arbeit der Lehrer mit Schülern, die in einzelnen Themen Lücken haben. „Zuerst muss man zu den Grundkenntnissen zurückkehren und den Kern der mathematischen Kompetenz wiederherstellen. Es ist schwer zu sagen, dass die Schüler in den oberen Klassen schwierige mathematische Aufgaben lösen sollen, wenn bei uns der Kern verloren gegangen ist“, merkte Wakulenko an. Nach ihrer Einschätzung werden ohne Wiederherstellung des Fundaments jegliche Versuche, das Programm in der Sekundarstufe zu erschweren, wirkungslos bleiben.

Kontext: Dynamik der Anmeldungen und Vergleich mit 2025

Der Anstieg der Anzahl der angemeldeten Teilnehmer von 317.000 im Jahr 2025 auf 360.000 im Jahr 2026 belegt ein erhöhtes Interesse an der Universitätszulassung, doch die Qualität der Vorbereitung acompaniert das quantitative Wachstum nicht. Wenn im Vorjahr der Anteil derer, die die Mindestpunktzahl in Mathematik nicht erreichten, niedriger war, so erreichte er im Jahr 2026 12,1 %, was nach Einschätzung des UCQAE den kumulativen Effekt der kriegsbedingten Bildungsausfälle widerspiegelt. Experten weisen darauf hin, dass ohne systemische Maßnahmen auf der Ebene des Schulcurriculums und zusätzliche Unterstützung vulnerabler Gruppen das Problem in den kommenden Jahren bestehen bleiben könnte.