Der globale Energiemarkt durchlebt eine Phase hoher Volatilität. Die Ölpreise verzeichnen einen deutlichen Rückgang und reagieren auf Gerüchte über einen möglichen diplomatischen Durchbruch in den Beziehungen zwischen den USA und dem Iran. Investoren, die zuvor befürchtet hatten, dass die Straße von Hormus vollständig blockiert werden könnte, sind nun optimistischer gestimmt und erwarten die Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs.

Steiler Kursverfall

Die Handelssession bestätigte den negativen Trend, der bereits früher diese Woche begann. Öl-Futures der Sorte Brent fielen um 92 Cent, das entspricht 1,2 %, und sanken auf ein Niveau von 78,44 US-Dollar pro Barrel. In der vergangenen Woche belief sich der Rückgang dieser Sorte auf mehr als 12 %. Eine ähnliche Situation ist auch beim amerikanischen Öl zu beobachten: Futures auf West Texas Intermediate (WTI) verloren 1,07 Dollar (1,4 %) und festigten sich auf einem Niveau von 74,70 Dollar pro Barrel. Der wöchentliche Rückgang für WTI überstieg 11 %.

Gestern schloss der Preis für Brent erstmals seit dem 13. Juli unter der psychologisch wichtigen Marke von 80 Dollar und fiel um mehr als 5 %. Der Markt reagiert schnell auf jede Nachricht, die die Sicherheit wichtiger Transportrouten betrifft.

Diplomatisches Patt oder Durchbruch?

Haupttreiber des Rückgangs waren Informationen über Fortschritte in den Verhandlungen. Katar, das als Vermittler auftritt, erklärte am 4. August, dass sich die Parteien einer Beendigung des Konflikts nähern. Teheran hat jedoch offiziell die Behauptungen des US-Präsidenten Donald Trump dementiert, wonach bereits aktive Verhandlungen stattfinden.

Gleichzeitig berichtete eine Quelle von Axios, dass die USA ein Abkommen ankündigen wollen, das die Straße von Hormus wieder öffnen soll. Das Dokument soll nach Angaben von Quellen vorläufigen Charakter haben und auf 60 Tage ausgelegt sein. Vertragsparteien werden Oman und der Iran sein. Im Dokument werden voraussichtlich einige Forderungen Teherans bezüglich der Kontrolle über die Wasserstraße berücksichtigt.

Trumps Position und Eskalationsrisiken

US-Präsident Donald Trump erklärte, dass alle Meerengen im Nahen Osten nach Ende des Krieges mit dem Iran geöffnet sein werden. Er nannte zwei mögliche Szenarien, um dieses Ziel zu erreichen: entweder durch diplomatische Verhandlungen oder infolge eines militärischen Schlags.

Analysten der Firma IG stellen fest, dass die Frage der Kontrolle über die Meerenge der Hauptstreitpunkt bleibt. Wird der Iran auf seinem Recht zur Verwaltung der Wasserstraße bestehen und sind die USA bereit, in dieser Frage Zugeständnisse zu machen – dies sind die Schlüsselfaktoren, die die weitere Preisentwicklung bestimmen.

Expertenmeinung

Vor Beginn des Konflikts wurden etwa 20 % der weltweiten Öl- und Flüssigerdgaslieferungen durch die Straße von Hormus transportiert. Im März stiegen die Preise vor dem Hintergrund der Verschärfung der Lage um 50 %.

Priyanka Sachdeva, Leiterin der Marktforschungsabteilung von Phillip Nova, warnt vor Risiken: „Wenn die diplomatischen Bemühungen scheitern und die physischen Lieferungen schließlich eingestellt werden, könnte der aktuelle Preisverfall vorübergehend sein, da eine Verringerung der Vorräte die Auswirkungen jedes Mangels verstärken wird“.