Am 21. August 2026 kündigte das US-Verteidigungsministerium die Verträge mit drei Schlüsselfiguren der Zeitung Stars and Stripes – dem Chefredakteur Eric Slavin, dem Verleger Max Lederer und der Nahost-Korrespondentin Lara Corte – auf. Die offizielle Formulierung, die in den Kündigungsbescheiden mitgeteilt wurde, lautete „Ungehorsam“ (insubordination). Laut den betroffenen Mitarbeitern war der eigentliche Anlass ihre öffentlichen Aussagen zur Verteidigung der redaktionellen Unabhängigkeit, darunter in einem Interview mit dem Fernsehsender CBS, in dem sie die Möglichkeit einer Zensur von Berichten über Soldaten zurückwiesen. Die Entlassungen erfolgten vor dem Hintergrund, dass die Zeitung in den vergangenen Monaten konsequent die Taktik der USA im Konflikt mit dem Iran kritisiert und Beiträge über Probleme innerhalb der Armee veröffentlicht hatte.

Geschichte und rechtlicher Status der Zeitung

Stars and Stripes ist eine der ältesten Militärzeitungen der USA und erschien erstmals 1861, mitten im Bürgerkrieg. Über mehr als ein halbes Jahrhundert hinaus positionierte sich die Zeitung als „Stimme der amerikanischen Soldaten“ und erreicht heute, laut Angaben der Redaktion, täglich rund 1,4 Millionen Leser in gedruckter und Online-Ausgabe im Ausland. Obwohl die Zeitung teilweise vom Pentagon finanziert wird, verpflichten geltendes Recht und die interne Politik des Ministeriums die Zeitung ausdrücklich, ihre redaktionelle Unabhängigkeit zu wahren. Genau dieses Prinzip wurde, so die entlassenen Mitarbeiter, zum Stein des Anstoßes: Die Führung des Verteidigungsministeriums habe, so ihr Statement, versucht, aus den Veröffentlichungen das zu entfernen, was im Pentagon als „demoralisierende Faktoren“ bezeichnet wurde, und die Regeln zu ändern, die die Autonomie der Redaktion gewährleisten.

Anlass für die Entlassungen und die Position der Entlassenen

Eric Slavin erklärte, man habe ihn „dafür entlassen, dass ich im CBS-Interview sagte, dass eine Zensur von Nachrichten über Soldaten für mich unzumutbar wäre“, und betonte seine Verpflichtung zu dem Grundsatz, wonach die Zeitung die redaktionelle Unabhängigkeit „wie es das Gesetz und die Politik des Ministeriums verlangen“ wahren müsse. Lara Corte, die im vergangenen Monat ein ähnliches Interview gegeben hatte, schrieb in den sozialen Medien auf X, dass ihr Vertrag gekündigt worden sei, nachdem sie CBS gesagt habe, sie arbeite bei Stars and Stripes, „und nicht im Pentagon, nicht in irgendeiner Verwaltung und nicht für irgendwelche Politiker“. Max Lederer, der 19 Jahre im Verlag gearbeitet und für September seinen Ruhestand geplant hatte, erklärte, dass sein Verständnis von „Werten und Mission“ der Zeitung „fundamental“ mit den Plänen der Pentagon-Führung auseinandergehe. In einem am 5. Juli veröffentlichten Interview hatten die Journalisten bereits die Versuche des Ministeriums kritisiert, die Regeln zur Unabhängigkeit der Zeitung zu überarbeiten.

Widersprüchliche Angaben

Hier weichen die Versionen der Beteiligten deutlich voneinander ab. Die offizielle Position des Pentagons beschränkt sich auf den formellen Vorwurf des „Ungehorsams“ – also einer Disziplinarverfehlung, die nicht unmittelbar mit dem Inhalt der Veröffentlichungen zusammenhängt. Die entlassenen Mitarbeiter bestehen demgegenüber darauf, dass die Entlassungen eine Maßnahme der Vergeltung für ihre öffentlichen Aussagen zur Verteidigung der Pressefreiheit und für ihre kritischen Beiträge über den Verlauf der Kampagne gegen den Iran darstellen. Ein weiteres Element des Widerspruchs liegt in der Bewertung der Gründe für den Druck auf die Redaktion: Das Pentagon erklärt die Änderungen mit dem Bestreben, „demoralisierende Faktoren“ zu beseitigen und den „Kampfmoral“ wiederherzustellen, während die Redaktion diese Schritte als Versuch wertet, den Zugang zu Informationen einzuschränken (so sei der Redaktion, laut Slavin, verboten worden, Nachrichten aus bezahlten Agenturen wie der Associated Press zu veröffentlichen, was die „Berichterstattung über dringende Ereignisse erschwert“ habe). Auf diese Weise werden dieselben Handlungen entweder als Wiederherstellung der Disziplin oder als Verletzung der gesetzlich garantierten redaktionellen Autonomie beschrieben.

Vorheriger Druck und Klagen

Die Entlassungen vom 21. August waren nicht der erste Schritt in dieser Linie. Bereits im Januar 2026 wurde Jacqueline Smith aus der Zeitung entlassen, die für den Schutz der redaktionellen Unabhängigkeit der Zeitung zuständig war; laut ihren Angaben war der Grund ein Artikel, in dem sie die vom Pentagon eingeführten Einschränkungen gegenüber der Presse kritisiert hatte. Später klagte sie gegen das Verteidigungsministerium und behauptete, ihre Entlassung sei ein Akt der Vergeltung gewesen. Parallel dazu berichtete Stars and Stripes als eine der ersten über die Verschlechterung der Lebensbedingungen und die niedrige Moral an Bord des Flugzeugträgers USS Abraham Lincoln, der, laut Angaben der Zeitung, mehr als 200 Tage in der Nähe des Irans verbracht und dabei nie einen Hafen angelaufen hatte. Die Zeitung veröffentlichte zudem Beiträge über Munitionsmangel und druckte Anfang des Monats einen Artikel des in den Ruhestand versetzten US-Armee-Stabsleutnants Daniel L. Davis, in dem behauptet wurde, der „Krieg Amerikas gegen den Iran sei auf strategischer Ebene gescheitert“.

Weiterer Kontext: Verhältnis des Pentagons und Trumps zu den Medien

Die Ereignisse um Stars and Stripes fügen sich in ein breiteres Bild angespannter Beziehungen zwischen der US-Regierung und der Presse ein. Präsident Donald Trump hatte Medien wiederholt mit der Verbreitung „Fake News“ bezichtigt und Klagen gegen mehrere Verlage eingereicht. Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte seinerseits die Absicht, die „Kultur des Erwachens“ in der Armee auszurotten und die „Kampfmoral“ wiederherzustellen. Vor diesem Hintergrund wird die Entlassung der Führung einer unabhängigen Militärzeitung, die formal dem Pentagon untersteht, aber in Bezug auf die redaktionelle Autonomie gesetzlich geschützt ist, von Beobachtern als Testfall dafür wahrgenommen, inwieweit das Ministerium bereit ist, Kritik an eigenen Operationen einzuschränken.