Das oberste Militärkommando der USA hat Verteidigungsminister Pete Hegseth eine ungewöhnlich scharf formulierte Warnung zukommen lassen: Die seit Februar 2026 andauernde Militäroperation gegen den Iran untergrabe die Einsatzbereitschaft der US-Streitkräfte und müsse beendet werden. Dies berichtet die Washington Post unter Berufung auf ein geheimes Dokument – die „Secretary of Defense’s Book of Orders“ (SDOB) vom 14. August 2026. Laut dem Blatt äußerten in dem Dokument, das die weltweit verfügbaren Kräfte und Mittel des Pentagons bewertet, die Oberbefehlshaber der Armee, der Marine, der Luftwaffe sowie die Vier-Sterne-Generäle der vereinigten Einsatzkommandos offen ihren Widerspruch gegen eine weitere Ausweitung der Präsenz auf dem Nahen Osten.
„Widerspruch“ von drei Kommandos
Die Oberbefehlshaber des Europäischen, des Pazifik- und des Süd-Kommandos der USA verzeichneten in ihren Abschnitten der SDOB einen formellen „Widerspruch“ gegen den Befehl, zusätzliche Schiffe, Luftfahrzeuge und Aufklärungssysteme in den Nahost-Einsatzraum zu verlegen. Wie ein mit dem Inhalt des Dokuments vertrauter, namentlich nicht genannter Quelle der Washington Post erklärte, sei „die bereits seit sechs Monaten andauerende Operation im Iran zu komplex geworden und habe sich überzogen“. Demselben Gesprächspartner zufolge entleere die Überführung zentraler Vermögenswerte aus den regionalen Reserven nicht nur die eigenen Bestände der Kommandos, sondern beraube sie auch der Möglichkeit, ihre grundlegenden Aufgaben zur Verteidigung des US-Gebiets und zum Schutz der Verbündeten zu erfüllen.
Kritischer Mangel in der Marine und die Straße von Hormus
Die angespannteste Lage herrscht dem Bericht zufolge in der US-Marine. Gerade die Flotte sichert die Blockade der iranischen Häfen und die Patrouille der Handelsrouten in der Straße von Hormus – einer Arterie, durch die etwa ein Fünftel des weltweiten Ölexports fließt. Die Erschöpfung der Arsenalbestände und die ständige Rotation der Schiffe haben dazu geführt, dass die US-Marine an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit arbeitet und die Erholungszeit zwischen den Einsätzen auf ein Minimum gesunken ist. Dies wiederum birgt Risiken für die Schifffahrtsicherheit im Persischen Golf und erhöht die Wahrscheinlichkeit von Zwischenfällen mit iranischen Kräften.
Verwundbarkeit im Pazifik und der China-Faktor
Die Verlegung von Trägerverbänden, U-Booten und Aufklärungsflugzeugen aus dem Pazifikraum auf den Nahen Osten hat bereits Besorgnis bei den US-Verbündeten in der APAC-Region ausgelöst. Laut Washington Post haben mehrere Bündnispartner Washington davor gewarnt, dass die Reduzierung der US-Militärpräsenz im westlichen Pazifik sie gegenüber möglichen Aktionen der Volksrepublik China verwundbar mache. Der Versuch des Pentagons, gleichzeitig eine langwierige Operation im Iran zu führen und das strategische Gleichgewicht in der indo-pazifischen Region aufrechtzuerhalten, erweise sich nach Einschätzung der Oberbefehlshaber als unmöglich, ohne die Einsatzbereitschaft in beiden Einsatzräumen kritisch zu verringern.
Das Pentagon schweigt
Sean Parnell, der Sprecher des Verteidigungsministers, erklärte mit Blick auf die Veröffentlichung der Washington Post, das Pentagon „kommentiere interne operative Besprechungen und Risikobewertungen nicht“. Das offizielle Washington bestätigte und widerlegte den Inhalt der SDOB vom 14. August weder noch, legte die Liste der konkreten Verlegungen nicht offen und präzisierte nicht, welche Entscheidungen Hegseth nach Erhalt des Berichts getroffen habe. Bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels (30. August 2026) waren weder vom Weißen Haus noch vom Pentagon öffentliche Erklärungen zu einer Überprüfung der Strategie der Iran-Operation erfolgt.