Im Jahr 2025 und im ersten Halbjahr 2026 überwiesen Kunden der PrivatBank mehr als 2,8 Mrd. Hrywnja für wohltätige Zwecke. Laut Bankdaten überstieg das Spendenvolumen allein im Jahr 2025 1,8 Mrd. Hrywnja, und von Januar bis Juni 2026 kamen weitere über 1 Mrd. dazu. Anton Razumny, Mitglied des Vorstands der PrivatBank für Compliance-Fragen, enthüllte in einer exklusiven Kolumne für RBC-Ukraine, die im August 2026 veröffentlicht wurde, interne Statistiken der Finanzinstitution und gab sieben praktische Empfehlungen für alle, die Sammlungen organisieren. Seinen Worten zufolge zeigt die Bankstatistik trotz des allgemeinen Trends zur sinkenden Spenderaktivität vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Erschöpfung eine umgekehrte Dynamik: Die Ukrainer überweisen weiterhin Gelder an Militär, Mediziner, Kinder und Menschen, die ihr Zuhause verloren haben.

Vertrauen als fragiles Gut: Was die soziologischen Daten zeigen

Razumny betont, dass jede Überweisung mit Vertrauen beginnt, und genau den Freiwilligen vertrauen die Ukrainer heute am meisten – 81 % der Bürger, laut Daten des KMS. Gleichzeitig nannten 70 % der Befragten im Rahmen einer von der PrivatBank gemeinsam mit dem Zentrum für soziale Veränderungen und Verhaltensökonomie durchgeführten Studie die regelmäßige und verständliche Berichterstattung als entscheidenden Faktor, der das Vertrauen in wohltätige Initiativen prägt. „Den Ukrainern reicht es nicht mehr zu wissen, dass die Sammlung erfolgreich abgeschlossen wurde. Sie wollen verstehen, wie genau die Mittel eingesetzt wurden und welches Ergebnis sie erzielt haben', so das Vorstandsmitglied der Bank. Er charakterisiert diesen Trend als Übergang von einer Kultur des emotionalen Spendens zu einer Kultur der verantwortungsvollen Hilfe, in der Transparenz ebenso wichtig wird wie die Geschwindigkeit der Sammlung.

Sieben Regeln: Wie man der Finanzüberwachung nicht auffällt

Der zentrale Teil der Kolumne von Razumny ist ein praktischer Algorithmus für Sammlungsorganisatoren. Die erste und, seinen Worten zufolge, häufigste Verletzung ist der Empfang großer Beträge auf einer persönlichen Karte. Regelmäßige Zuschriften von vielen Menschen fallen unweigerlich in das Blickfeld der Finanzüberwachung, da die Bank nicht selbst bestimmen kann, dass eine anomale Aktivität mit einer wohltätigen Sammlung zusammenhängt. Finanzinstitute sind gesetzlich verpflichtet, Erklärungen zu verdächtigen Operationen anzufordern, und sie dürfen solche Anfragen nicht ignorieren. Razumny empfiehlt, die eigene Bank im Voraus über die geplante Sammlung zu informieren: den Zweck, den ungefähren Betrag und die erwartete Zunahme der Zahlungen mitzuteilen.

Dokumentation, Instrumente und steuerliche Sicherheit

Der zweite Block der Empfehlungen betrifft die dokumentarische Begleitung. Der Organisator muss Quittungen, Lieferscheine, Übergabeprotokolle, Bankauszüge und andere Nachweise der zweckgebundenen Verwendung der Mittel aufbewahren. Razumny rät auch zur Nutzung spezialisierter Sammlungsinstrumente – als Beispiel nennt er den Service „Konverty', der es dem Spender ermöglicht, den Zweck der Sammlung, den aktuellen Fortschritt und den verbleibenden Betrag zu sehen. Dies, so seine Worte, erhöht das Vertrauen des Spenders und senkt das Risiko, dass das Finanzamt die erhaltenen Mittel als persönlichen Einkommen einstuft und Steuern und Strafen berechnet. Besonders betont wird die Notwendigkeit, den angegebenen Zweck der Sammlung einzuhalten: Die Mittel dürfen nicht für persönliche Bedürfnisse umgeleitet werden. Wenn der Zielbetrag nicht vollständig verwendet wurde, sollte der Rest den Spendern zurückgegeben oder für einen ähnlichen wohltätigen Zweck verwendet werden.

Berichterstattung als Hauptfaktor für erneutes Spenden

Die Kolumne schließt mit der These, dass gerade die Berichterstattung bestimmt, ob der Spender beim nächsten Mal zum Organisator zurückkehrt. Razumny behauptet, dass die bloße Veröffentlichung der Gesamtsammlung nicht mehr ausreicht. Die ukrainische Wohltätigkeitsarbeit „wird erwachsen', so seine Einschätzung: Die Gesellschaft verlangt systemische Transparenz über den gesamten Zyklus hinweg – vom Start der Sammlung bis zur abschließenden Berichterstattung. Er formuliert dies als Notwendigkeit, „systemisch in Vertrauen zu investieren', indem er es als ein Gut betrachtet, das nur durch regelmäßige und verständliche Kommunikation mit den Spendern vermehrt wird.