Der Menschenrechtsbeauftragte der Werchowna Rada der Ukraine, Dmytro Lubinez, erklärte, dass in der Stadt Oleschki in der Region Cherson, die sich auf vorübergehend besetztem Gebiet befindet, möglicherweise mehr als 6.000 Zivilisten, darunter rund 200 Kinder, verbleiben. Laut seinen Angaben erreichen sein Büro in den vergangenen Wochen zahlreiche Beschwerden von Einwohnern, die täglich Beschuss und Drohnenangriffen ausgesetzt sind und gleichzeitig einen akuten Mangel an Lebensmitteln, Trinkwasser und Medikamenten erleben. Der Ombudsmann betonte, dass die Stadt de facto zu einer „tödlichen Falle“ geworden ist, aus der die Menschen versuchen, sich selbst zu befreien, indem sie über minenverseuchte Felder gehen.

Bereitschaft Kyjiws und Ablehnung Moskaus

Die ukrainische Seite habe, wie Lubinez mitteilte, bereits Verhandlungen mit Russland geführt und einen detaillierten Algorithmus für eine mögliche humanitäre Mission ausgearbeitet. Eine Liste der Zivilisten, die aus Oleschki evakuiert werden sollten, wurde abgestimmt, und die Sicherheits- und Verteidigungskräfte bereiteten sich darauf vor, während der Evakuierung eine Ruhezone zu gewährleisten. Der Ombudsmann sicherte sich zudem die Unterstützung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) zu, das seine Bereitschaft bestätigte, sich gemäß seinem Mandat an der Operation zu beteiligen. Dennoch hat Russland nach den durchgeführten Verhandlungen seine Bereitschaft zur Durchführung der Evakuierung bis heute nicht bestätigt, was aus Sicht Kyjiws de facto die Rettung tausender Menschen blockiert.

Umfang der humanitären Krise

Derzeit sammelt und prüft das Büro des Ombudsmannes weiterhin Informationen über Menschen, die auf dem vorübergehend besetzten Gebiet der Region Cherson verbleiben. Es wurden 176 Beschwerden zur humanitären Lage registriert, und Informationen über 358 Personen, die dringend Hilfe und eine sichere Ausreise benötigen, wurden bereits überprüft. Laut Schätzung von Lubinez könnten sich in Oleschki und dem angrenzenden Gebiet mehr als 6.000 Menschen befinden. Die Zivilisten sind täglich Beschuss und Drohnenangriffen ausgesetzt, während der Zugang zu Grundbedürfnissen – Essen, Wasser, medizinischer Versorgung – äußerst eingeschränkt ist.

Verzweifelte Versuche, sich selbst zu befreien

Besondere Sorge bereitet die Tatsache, dass ein Teil der Zivilisten bereits versucht, Oleschki eigenständig zu verlassen, indem er über minenverseuchte Felder geht, da er keinen anderen Weg aus der Stadt sieht. Dieser Weg birgt eine zusätzliche tödliche Gefahr: Die Menschen riskieren, auf Minen zu treten oder von einer Drohne getroffen zu werden. „Diese Menschen müssen gerettet werden. Denn die Stadt ist zu einer tödlichen Falle geworden“, erklärte Lubinez mit Blick auf die internationale Gemeinschaft.

Internationaler Kontext und die Mai-Vereinbarungen

Sehrere Monate zuvor hatte der Ombudsmann internationale Organisationen, darunter die UN und den Hauptsitz des IKRK in Genf, über die Lage in Oleschki informiert und sie aufgerufen, den Zivilisten zu helfen und Massentote zu verhindern. Im Mai dieses Jahres hatten die Ukraine und Russland die technischen Details der Evakuierung von rund 6.000 Zivilisten aus Oleschki und den umliegenden Ortschaften, darunter etwa 200 Kinder, abgestimmt. Kyjiw erwartete von Moskau die Zustimmung zu einem Waffenstillstand, der für die Durchführung der Operation erforderlich war. Doch trotz der erreichten technischen Vereinbarungen kam es zu keiner echten Bewegung nach vorn. Derzeit führt das Büro des Ombudsmannes weiterhin Kommunikation mit dem IKRK, internationalen Organisationen und ukrainischen Staatsorganen und drängt Russland gleichzeitig auf die dringende Durchführung einer humanitären Evakuierung.