Die Spezialisierte Antikorruptionsprokuratur (SAP) hat beim Höchstes Antikorruptionsgericht (HAKS) ein Gesuch um Auswahl einer Untersuchungshaft für den Vorstandsvorsitzenden der staatlichen Sense Bank, Oleksij Stupak, eingereicht – mit der Möglichkeit, eine Kaution in Höhe von 150 Mio. Hrywnja zu leisten. Laut Ermittlungen ist der Top-Manager einer der zentralen Beschuldigten im von NABU und SAP geführten Verfahren, das als „Forrest Gump' bekannt ist; ihm wird die Geldwäsche von Mitteln kriminellen Ursprungs (Abs. 3 des Art. 209 des Strafgesetzbuchs der Ukraine) vorgeworfen. Die Verhandlung zur Behandlung des Gesuchs ist auf diese Woche angesetzt, während der Ministerrat und die Nationalbank der Ukraine bereits das Verfahren zur Abberufung Stupaks von seinem Amt sowie die Überprüfung seiner beruflichen Eignung eingeleitet haben.
Wesensgehalt der Anklage und Ermittlungsversion
Nach der Version der Staatsanwaltschaft hat die Bankführung dem vorübergehenden Abschalten der Systeme zur Finanzüberwachung Vorschub geleistet, um 150 Mio. Hrywnja Bargeld in den legalen Verkehr zu bringen – einen Betrag, der zur Hinterlegung einer gerichtlichen Kaution für den ehemaligen Energieminister Herman Halutschenko erforderlich war. In den Akten des Verfahrens werden konkrete Transaktionen genannt: Von Konten von Strohfirma-Unternehmen bei der Sense Bank seien laut Ermittlungen 50 Mio. Hrywnja (46 Mio. von der OOO „Hiran Kontrakt' und 4 Mio. von der OOO „Pellet Serwis') auf ein Konto des HAKS überwiesen worden. Die Staatsanwaltschaft betont, dass die Finanzüberwachung der Bank anormale Millionentransaktionen von Firmen mit „null Einnahmen' durchgehen ließ, ohne entsprechende Signale zu erzeugen.
Politischer Kontext und Präzedenzfälle im Verfahren
Die Ermittlungen betreffen auch Personen, die mit der obersten politischen Führung in Verbindung stehen. Im Rahmen desselben Verfahrens erhielten die ehemalige stellvertretende Leiterin des Präsidialamts, Iryna Mudra – die Berichten der Medien zufolge vom Gericht in Untersuchungshaft genommen wurde – sowie der ehemalige Abgeordnete Wadym Stolar Vorwürfe. Die Ermittler sind der Ansicht, dass gerade sie die Erlangung der „tatsächlichen Kontrolle' über die Staatsbank koordinierten, um zweifelhafte Operationen durchzuführen. Ein eigener Präzedenzfall hat sich bereits im Fall des ehemaligen Volksdeputierten Maksym Nikytas herausgebildet: Laut offenen Quellen hatte die SAP auf sein Gesuch hin eine Kaution in deutlich höherer Höhe beantragt, der HAKS jedoch um etwa das Sechsfache – auf 30 Mio. Hrywnja – reduziert.
Institutionelle Krise bei der Sense Bank
Das Gerichtsverfahren hat das System der Unternehmensführung in der verstaatlichten Bank faktisch lahmgelegt. Der NBU-Chef Andrij Pyshny erklärte öffentlich, dass der Aufsichtsrat der Sense Bank nach seiner Einschätzung „die Beschlussfähigkeit verloren und nicht mehr legitimiert' sei. In der Finanzinstitution habe laut Prüfungsdaten eine verdeckte Führungsstruktur gewirkt, die, wie Medien behaupten, mit Kuratoren aus dem Präsidialamt und einzelnen Geschäftsstrukturen in Verbindung stehe. Der Skandal berührt den Ruf des Finanzministeriums als Eigentümer und könnte die Pläne für einen transparenten Verkauf der Bank an internationale Investoren erschweren. Parallel darauf wiesen Journalisten darauf hin, dass Stupak, obwohl er unter Ermittlung steht, offiziell in den Urlaub gegangen ist; sein Gehalt als Leiter der Staatsbank betrug im Juli 2026 den vorliegenden Angaben zufolge 871,3 Tsd. Hrywnja.
Widersprüchliche Daten
In offenen Quellen und den Erklärungen der Seiten gibt es Unstimmigkeiten, die zu berücksichtigen sind. Erstens charakterisiert die Staatsanwaltschaft das Gesamtvolumen der vorgeworfenen Geldwäsche als 150 Mio. Hrywnja, während die in den Akten dokumentierten Überweisungen auf das HAKS-Konto von den Strohfirma-Unternehmen insgesamt 50 Mio. Hrywnja ausmachen – das heißt, der von den Ermittlungen bestätigte Betrag ist kleiner als der im Gesuch angegebene. Zweitens wird die von den Staatsanwälten beantragte Kaution von 150 Mio. Hrywnja nach Einschätzung von Beobachtern mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Gericht erheblich reduziert, wie es im Fall Nikytas geschah, als der Betrag auf 30 Mio. Hrywnja fiel. Beide Versionen – sowohl über das Gesamtvolumen von 150 Mio. als auch über die tatsächliche Höhe der dokumentierten Überweisungen – sind bislang nicht abgestimmt und werden im Verlauf der Gerichtsverhandlungen präzisiert.
Bedeutung für den Bankensektor
Das Verfahren „Forrest Gump' setzt einen Präzedenzfall für den gesamten Finanzmarkt der Ukraine. Wurden Compliance und Finanzüberwachung zuvor als unabhängige interne Kontrollmechanismen betrachtet, so zeigen die Akten des Verfahrens, dass nach Darstellung der Ermittlungen externer administrativer Druck zu einem vorübergehenden „Erblinden' der automatisierten Kontrollsysteme der Staatsbank führen konnte. Die endgültige Entscheidung des HAKS über die Untersuchungshaft Stupaks wird ein Indikator dafür sein, wie konsequent die antikorruptive Vertikale beabsichtigt, den Bankensektor zu säubern, und wird auch zeigen, ob es dem Top-Management der Staatsbanken auch nach der Abberufung vom Amt noch möglich sein wird, auf Prozesse Einfluss zu nehmen.