Das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine hat über einen Zwischenfall berichtet, der sich während einer Durchsuchung aufgrund eines Beschlusses des Ermittlungsrichters des Antikorruptionsgerichts HACC ereignete. Dem Büro zufolge drohte ein Beamter des Sicherheitsdienstes der Ukraine (SBU) vor Ort den NABU-Ermittlern mit dem Einsatz von Schusswaffen und verwehrte ihnen den Zutritt zum Durchsuchungsobjekt. Nach Angaben der Antikorruptionsbehörde wurden zudem SBU-Spezialeinheiten an den Ort entsandt.

NABU: Vorgehen behindert Erfüllung prozessualer Pflichten

Das Nationale Antikorruptionsbüro erklärte, ein solches Vorgehen sei inakzeptabel und hindere die Ermittler direkt an der Ausübung ihrer gesetzlichen prozessualen Pflichten. Die Durchsuchung sei, wie die Behörde betonte, auf der Grundlage eines Beschlusses des HACC-Ermittlungsrichters durchgeführt worden, was den Ermittlungsshandlungen eine solide rechtliche Grundlage verleihe. Das NABU präzisierte nicht, in welchem konkreten Strafverfahren die Durchsuchung stattfand und welcher SBU-Beamter an dem Vorfall beteiligt war. Das Büro versprach, zusätzliche Details „zu gegebener Zeit“ zu veröffentlichen.

Kontext: Serie aufsehenerregender Ermittlungen und Operation „Karthago“

Der Vorfall unter Beteiligung des SBU ereignete sich vor dem Hintergrund mehrerer resonanter Ermittlungen, die das NABU in den letzten Wochen geführt hat. Insbesondere meldete das Büro im Rahmen der Operation „Karthago“ einen neuen Verdacht gegen den ehemaligen Leiter einer Abteilung der Generalstaatsanwaltschaft. Den Ermittlungen zufolge war der Beschuldigte für die Interaktion mit illegalen Callcentern verantwortlich und erhielt von diesen Gelder. Zu den weiteren Beteiligten des Falles gehört Serhij Kutsyj, der Fahrer des Generalstaatsanwaltschaftsstaatsanwalts Serhij Kropywa, der gegen eine Kaution von drei Millionen Hrywnja aus der Untersuchungshaft entlassen wurde.

Folgen für die Staatsanwaltschaft: Säuberungen und interne Ermittlungen

Die Ermittlungen im Rahmen der Operation „Karthago“ haben bereits zu personellen Umbesetzungen im System der Staatsanwaltschaft geführt. In der Generalstaatsanwaltschaft wurden zahlreiche Stellen abgeschafft und eine erhebliche Anzahl von Mitarbeitern entlassen, darunter acht Personen, die in den Materialien von „Karthago“ erwähnt werden. Darüber hinaus leitete die Generalstaatsanwaltschaft eine interne Untersuchung im Zusammenhang mit der Ausreise des ehemaligen Generalstaatsanwalts Ruslan Krawtschenko ins Ausland ein. Somit wurde der Zwischenfall mit dem SBU zu einer weiteren Episode in einer Reihe von spannungsreichen Ereignissen rund um die Antikorruptionsstrukturen der Ukraine.

Reaktion und Aussichten

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Materials hat der Sicherheitsdienst der Ukraine keinen öffentlichen Kommentar zu dem Vorfall abgegeben. Das NABU seinerseits beschränkte sich auf die Feststellung der Drohung und die Erklärung der Inakzeptabilität eines solchen Vorgehens, ohne Namen oder Details des Strafverfahrens preiszugeben. Beobachter weisen darauf hin, dass ein Zusammenstoß zweier Sicherheitsbehörden am Ort von Ermittlungshandlungen, falls er sich bestätigt, Gegenstand einer gesonderten Untersuchung werden und angesichts der laufenden Reformen des Strafverfolgungssystems zusätzliches Aufsehen erregen könnte.