Der ukrainische Energieminister Denys Schmyhal erklärte während der Fragenstunde an die Regierung in der Werchowna Rada, dass das Energiesystem des Landes derzeit stabil funktioniert und geplante Stromabschaltungen nicht angewendet werden. Der Minister warnte jedoch direkt davor, dass sich die Situation je nach Intensität der russischen Luftangriffe auf die Energieinfrastruktur ändern könnte. Die Aussage erfolgte vor dem Hintergrund anhaltender Angriffe und der Vorbereitung auf einen weiteren Winter in Kriegszeiten.

Stabilität ohne geplante Abschaltungen

Laut Schmyhal wurden in der Ukraine bisher keine geplanten Stromabschaltungen eingeführt, und das Energiesystem hält einen stabilen Betriebsmodus aufrecht. Der Minister betonte, dass diese Stabilität keine Selbstverständlichkeit ist, sondern das Ergebnis ständiger Arbeit im 24/7-Modus, die bei einer Verschärfung des russischen „Luftterror“ gestört werden kann. Die Vorbereitung auf die Heizperiode habe bereits im Sommer begonnen, und der Schutz- und Wiederherstellungsplan für die Energiewirtschaft ist auf einen Winter ausgelegt, der voraussichtlich ebenso schwierig sein wird wie die vorherigen.

Erschöpfungsstrategie und Angriffe auf die Energieversorgung

Schmyhal charakterisierte die Handlungen des Gegners als Umsetzung einer „Erschöpfungsstrategie“, da Elektrizität das Leben und das Wohlergehen der Bürger sichert und die Grundlage der Kriegswirtschaft bildet. Nach seinen Angaben werden gegen die Energieversorgung Drohnen, Marschflugkörper und ballistische Raketen eingesetzt, das Energiesystem hält diesen Angriffen jedoch stand. Der Minister erinnerte daran, dass das Land bereits vier harte Winter in Kriegszeiten durchstanden hat und ein fünfter bevorsteht, der „nicht weniger komplex mit seinen eigenen Herausforderungen“ sein wird.

Generierungsbilanz: 15 GW und Struktur der Kapazitäten

In der Abendspitze sind unter Berücksichtigung der Kraft-Wärme-Kopplung und des Imports derzeit 15 Gigawatt elektrische Leistung verfügbar. Die Struktur der Erzeugung sieht wie folgt aus: mehr als 40 % liefert die Kernenergie, 25 % die Wärmekraftwerke und weitere 15 % die Wasserkraft. Gegenwärtig erzeugen 6 der 9 Reaktorblöcke der Kernkraftwerke Strom, weitere 3 Blöcke befinden sich in planmäßiger Wartung; an 5 Blöcken sind die Wartungsarbeiten des laufenden Jahres bereits abgeschlossen.

Risiken für Kiew und die Oblast Poltawa

Schmygal wies besonders auf die Risiken für Kiew und die Oblast Poltawa hin und erklärte, dass der Gegner bereits versucht, Erzeugungskapazitäten zu zerstören, ohne dass diese geschützt oder installiert werden können. „Gestern gab es einen Treffer auf eines der Energieobjekte, und das schließt uns in unseren Plänen des Wartungsprogramms aus“, stellte der Minister fest. Er wandte sich mit einem Aufruf zur Beschleunigung des Baus an die lokalen Behörden und betonte, dass dies ihre Verpflichtung und Verantwortung sei; der Staat leistet dabei alle erforderlichen Unterstützungen, „manchmal sogar mehr“.

Plan zur Steigerung der Kapazitäten bis zum Winter

Die Regierung plant weiterhin, die Energiekapazitäten auszubauen: Bis zum 1. November sollen sie auf 19,6 Gigawatt steigen und bis Ende des Jahres auf 21,4 Gigawatt, sofern der Gegner bereits wiederhergestellte oder reparierte Objekte nicht zerstört. Diese Kennzahlen berücksichtigen die dezentrale Erzeugung und Importmöglichkeiten. Die Vorbereitung des Energiesystems auf die Heizperiode wurde von der Regierung als Schlüsselpriorität festgelegt. Zuvor wurde berichtet, dass Russland nach Angaben des Geheimdienstes eine groß angelegte Angriffskampagne gegen die Energieversorgung Kiews vorbereitet, um die Bemühungen der Ukraine zur Stärkung der Energieobjekte vor dem Hintergrund eines Mangels an Abfangraketen zu sabotieren.

Widersprüchliche Daten

Im öffentlichen Narrativ des Ministers gehen zwei Thesen nebeneinander her: Einerseits die Behauptung eines stabilen Systembetriebs und des Fehlens geplanter Abschaltungen (was auch durch Daten zum Durchstehen der rekordverdächtigen Augusthitze ohne Abschaltungen bestätigt wird), andererseits das Eingeständnis kürzlicher Angriffe auf Energieobjekte und konkreter Risiken für Kiew und die Oblast Poltawa, die bereits Korrekturen im Wartungsprogramm erforderlich machen. Es gibt keine Unterschiede in den Zahlen zwischen den Quellen, doch der Kontrast zwischen der aktuellen Stabilität und den eingestandenen Schwachstellen erfordert vom Leser, zu berücksichtigen, dass die behauptete Widerstandsfähigkeit durch die weitere Intensität der Angriffe angepasst werden könnte.