Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat im Rahmen eines Treffens mit Journalisten eine zentrale Bedingung für die Durchführung der Reform des Mobilisierungssystems genannt: Sie kann nicht durch den Einsatz einer einzigen Person realisiert werden, sei es ein neuer Verteidigungsminister oder ein neuer Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte. Laut dem Staatsoberhangen hängt der Erfolg davon ab, ob diese beiden Behörden koordiniert handeln. „Die Mobilmachungsreform kann keine einzelne Person durchführen. Das habe ich immer so gehalten. Das kann weder ein neuer Minister noch ein neuer Oberbefehlshaber allein tun“, erklärte Selenskyj und fügte hinzu, dass nur bei einer echten Zusammenarbeit zwischen dem Verteidigungsministerium und dem Kommando der ukrainischen Streitkräfte „positive Verschiebungen“ möglich seien.

Position des Präsidenten: Die Reform als Aufgabe zweier Behörden

Im Zentrum der Aussage Selenskyjs steht die These von der Unmöglichkeit einer alleinigen Steuerung des Prozesses. Der Präsident verknüpfte die Wirksamkeit der Reform direkt mit der Qualität der Koordination zwischen dem Verteidigungsministerium und dem Oberbefehlshaber: Wenn diese Strukturen „gemeinsam handeln“, sind Änderungen möglich, andernfalls wird die Reform auf der Ebene der Absichten stecken bleiben. Dieser Ansatz verlagert die Verantwortung faktisch von einer einzelnen Person auf das Zusammenspiel der Systeme und reduziert das Risiko eines Scheiterns aufgrund von Personalwechseln in den obersten Ebenen der militärischen Führung.

Bereitschaft der Behörden und die Rolle des Verteidigungsministeriums

Der Kontext der Vorbereitung der Reform wird durch Aussagen aus dem Verteidigungssystem bestätigt. Die stellvertretende Verteidigungsministerin Ljubow Hалан berichtete, dass das Verteidigungsministerium eine Reform des Mobilisierungssystems und der Territorialen Rekrutierungszentren (TRZ) vorbereite, die in „absehbarer Perspektive“ stattfinden werde. Der ehemalige Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte Alexander Syrskyj betonte seinerseits, dass die Landstreitkräfte und die TRZ technisch bereit für die Reform seien, deren Umsetzung jedoch eine legislative und administrative Aufgabe des Verteidigungsministeriums sei. Damit sei die behördliche „Bereitschaft“ vor Ort bereits erklärt, während die normative Grundlage in der Zuständigkeit des Verteidigungsministeriums bleibe.

Humanisierung des Prozesses und die Frage des Wehralters

Selenskyj betonte, dass das Verteidigungsministerium „konkrete Vorschläge“ zu Änderungen im Verfahren der Mobilmachung vorlegen müsse, die „menschlicher“ werden solle. Parallel werden in der Ukraine Änderungen im Mobilisierungsprozess selbst vorbereitet, von denen einige das Wehralter betreffen könnten. Der Sekretär des Ausschusses der Werchowna Rada für nationale Sicherheit, Verteidigung und Geheimdienste, Roman Kostenko, erklärte, dass der Staat neue Wege suche, um Menschen in die Armee zu gewinnen. Dies deutet darauf hin, dass die Reform nicht als einmalige Maßnahme, sondern als umfassende Neugestaltung der Wehrpolitik betrachtet wird.

Widersprüchliche Angaben

In den Aussagen der Beteiligten zeigt sich eine unterschiedliche Verteilung der Verantwortung für die Reform. Auf der einen Seite behauptet Selenskyj, dass keine einzelne Person – weder der Minister noch der Oberbefehlshaber – die Reform allein durchführen könne, und setzt auf gemeinsame Maßnahmen der beiden Strukturen. Auf der anderen Seite formulierte der ehemalige Oberbefehlshaber Syrskyj die Aufgabe anders: Die Streitkräfte und die TRZ seien bereit, und die Umsetzung sei die „legislative und administrative Arbeit des Verteidigungsministeriums“, was die Hauptlast faktisch auf eine einzige Behörde legte. Diese beiden Positionen sind nicht identisch: Die eine beschreibt die Reform als Ergebnis einer Koalition zweier Machtzentren, die andere – als überwiegend ministerielle Aufgabe. Der Unterschied in den Schwerpunkten kann darauf Einfluss haben, welche Unterschrift und welche Initiative auf der Ebene der gesetzlichen Verankerung der Änderungen bestimmend sein werden.

Das Ergebnis der öffentlichen Position Selenskyjs ist ein klares Signal: Die Mobilmachungsreform wird als systemische und nicht als personelle Aufgabe betrachtet, und ihr Erfolg ist an die Fähigkeit der neuen militärischen Führung geknüpft, im Verbund zu arbeiten. Die weitere Entwicklung wird davon abhängen, welche konkreten „konkreten Vorschläge“ zur Humanisierung des Prozesses und zur Änderung des Wehralters das Verteidigungsministerium vorlegt und wie schnell diese auf legislativer Ebene formuliert werden.