Das von den Verteidigungskräften der Ukraine aufgebaute effektive System der Kurzstrecken-Luftabwehr hat den Kampfwert der klassischen „Geran-2“-Drohnen mit Verbrennungsmotor deutlich gesenkt: Nach Einschätzung von Experten ist ihre Wirksamkeit auf 10–20 % gefallen. Genau dieses Ergebnis hat den Gegner dazu angeregt, die Starts strahlgetriebener unbemannter Luftfahrzeuge (UAV) zu skalieren. Dies erklärte Kirill Liukow, Leiter der Abteilung für Drohnentechnologien des Fonds Serhij Prytula, in einer exklusiven Kolumne für RBC-Ukraina und erläuterte, warum Strahldrohnen eine ernsthafte Herausforderung für die ukrainische Luftabwehr darstellen und wie sich die Angriffe in Zukunft verändern könnten.
Geschwindigkeit als entscheidende Veränderung
Laut dem Experten hat Russland begonnen, Startplätze für den Abschuss von „Geran-3“ und „Geran-4“, der Drohnenraketen „Geran-5“ und „Banderolei“ sowie für die Anlage neuer Plätze unmittelbar an der Staatsgrenze der Ukraine umzurüsten. Die entscheidende Veränderung für die Verteidigungskräfte war die Geschwindigkeit: Während frühere Versionen der „Scheheds“ relativ langsame Ziele waren, erreichen die neuen Strahldrohnen Geschwindigkeiten von 300 bis 600 km/h. Die erste strahlgetriebene Modifikation, die im Luftraum der Ukraine registriert wurde, war die „Geran-3“ auf Basis des „Geran-2“-Gleitkörpers mit einem Strahltriebwerk von 80 kg Schub, die sich auf 370 km/h beschleunigen kann. Anschließend wurde sie zur Übergangsplattform für die Massenverbreitung der „Geran-4“ mit vergrößertem Gleitkörper und einem Triebwerk von 160 kg Schub, die mit Geschwindigkeiten von 400–600 km/h arbeitet.
Fremdländische Komponenten in russischer Montage
Die steigende Geschwindigkeit ermöglichte es dem Gegner, den Einsatz strahlgetriebener „Scheheds“ zu erhöhen, während die Ukraine ihre Gegenmittel anpasst. Russland nutzt die Tatsache aus, dass die Wirksamkeit dieser Drohnen weiterhin relativ hoch ist: Der Gegner erhöht die Anzahl der Geräte und Starts und versucht gleichzeitig, deren Produktion so weit wie möglich zu lokalisieren. Dabei stammen Teile der Komponenten aus dem Ausland – insbesondere handelt es sich um Strahltriebwerke chinesischer Herstellung des Unternehmens Telefly.
Warum Strahldrohnen schwerer abzuschießen sind
Das Hauptproblem ist die Geschwindigkeit der Luftziele, die die Reaktionszeit erheblich verkürzt und zusätzliche Schwierigkeiten für die Bekämpfung erzeugt. „Klassische“ Abschubdrohnen verlieren aufgrund der begrenzten Höchstgeschwindigkeit und der Verweildauer in der Luft an Wirksamkeit, und Flugabwehr-Raketenkomplexe bleiben vor allem wegen des Mangels an Abschubraketen und deren Kosten ein knappes Mittel. Dennoch gelingt es bereits, strahlgetriebene UAV zu bekämpfen: Es gibt erfolgreiche Fälle des Einsatzes von Abschubdrohnen, wobei mehrrotorige Abschubdrohnen solche Ziele eher ausnahmsweise treffen. Eine der wirksamen Methoden ist der Abschuss in Kurven und Wendungen, wenn die „Geran-4“ an Geschwindigkeit verliert.
Wirksame Mittel und die Suche nach Abschubdrohnen
Ein wirksames Mittel bleiben die schultergestützten Flugabwehr-Raketenkomplexe, deren Wirksamkeit von der Entfernung und der Flughöhe des Ziels sowie von der Ausbildung der Besatzungen und der Kampferfahrung abhängt; sie müssen modernisiert und mit Wärmebildzielfindern und Hilfssystemen nachgerüstet werden. Mobile Feuergruppen mit Maschinengewehr-Bewaffnung sind weiterhin durch die Schussweite und die Reaktionsgeschwindigkeit auf ein schnelleres Ziel begrenzt, während für die Objektabwehr automatisierte Türme mit Maschinengewehr-Bewaffnung und Flugabwehrkanonen mit Sprengmunition eine wirksame Variante bleiben, deren Schussweite bis zu 2,5 km erreichen kann. Parallel dazu geht die Suche nach strahlgetriebenen Abschubdrohnen weiter: Eine Serienlösung gibt es noch nicht, da die Skalierung von Strahltriebwerken schwierig und das fertige Produkt teuer ist; daher wird die Automatisierung des gesamten Prozesses – vom Start und dem Erreichen des Zielgebiets bis zum automatischen Erfassen und der automatischen Detonation – zu einer der Richtungen.
Ein vollständiger Umbau der Luftabwehr ist nicht erforderlich
Auf längere Sicht bleiben relativ günstige Abschubraketen mit kurzer Reichweite, die gegen ein breites Spektrum von Luftzielen – von „Geran-4“ bis „Banderolei“ und sogar Marschflugkörpern – eingesetzt werden können, die Priorität. Dabei bedeutet das Auftauchen von Strahldrohnen nicht, dass die Ukraine ihr Luftabwehrsystem vollständig umstrukturieren muss: Es bleibt weiterhin ein Komplex aus Kräften und Mitteln im Rahmen der Kurzstrecken-Luftabwehr und der Kampfstellungen entlang der Frontlinie. Das Erkennungssystem arbeitet bereits ausreichend effektiv mit den neuen Bedrohungen, und die Hauptfrage ist derzeit die Bekämpfungsmittel und die Umstrukturierung der Kampfstellungen und Besatzungen mit verschiedenen Bewaffnungstypen für potenzielle Ziele des Gegners. Die Ausweitung des Radarfeldes und anderer Erkennungssensoren bleibt eine ständige Aufgabe, da selbst das beste Gegenmittel den Himmel nicht abdecken kann, ohne dass das Ziel genau und rechtzeitig erkannt wird.