Diese Woche hat Tesla auf ihrem ältesten Fahrzeugmontagewerk in Fremont, Kalifornien, ein Treffen mit Analysten von JPMorgan abgehalten. Bezeichnenderweise ist es genau hier, auf dem Gelände, auf dem historisch die Flaggschiffe der Marke gebaut wurden, dass die Elektroautos Model S und Model X in der Produktionsorganisation bereits Platz für die humanoiden Roboter Optimus gemacht haben. Gleichzeitig, so ließ der Hersteller verstehen, werden die Roboter der dritten Generation in der Serienausführung frühestens in einem Jahr, also voraussichtlich bis Ende 2027, an externe Kunden geliefert. Die Demonstration in der Fabrik überholt damit die tatsächlichen Zeitrahmen der Produktkommerzialisierung.
Fremont wird zum Roboterwerk umgebaut
2026 hat Tesla die Produktion der Flaggschiff-Elektroautos Model X und Model S eingestellt, um in der kalifornischen Fabrik Platz für die humanoiden Roboter zu schaffen. Perspektivisch sollen Optimus auch im größten Werk des Unternehmens in Austin (Texas) montiert werden, wo sich auch der neue Hauptsitz befindet. Die geplanten Proportionen sind beeindruckend: Während in Fremont eine jährliche Produktion von bis zu 1 Mio. solcher Roboter geplant ist, soll die Zahl in Austin das Zehnfache betragen. Dies zeigt, dass die Robotik ein zentrales Element der Produktionsstrategie des Unternehmens geworden ist und kein Nebeneperiment.
Ambitionierte Versprechen gegen die Realität
Der Chef von Tesla, Elon Musk, hatte noch im vergangenen Jahr versprochen, 5000 Roboter Optimus auf den Markt zu bringen; in der Praxis beschränkte sich alles auf buchstäblich einzelne Exemplare für interne Tests und das Training. Darüber hinaus musste das Management des Unternehmens einräumen, dass die Roboter in ihrer jetzigen Form im Werk in Austin keine besonders nützliche Arbeit verrichten. Zuvor wurde angenommen, dass sie dort einander und alle auf dem Gelände produzierten Tesla-Elektroautos montieren könnten, doch dieses Szenario ist bislang nicht realisiert worden.
Widersprüchliche Daten
Hier liegt ein erheblicher Abstand zwischen den öffentlichen Aussagen und der tatsächlichen Lage vor. Einerseits deklariert das Unternehmen mehrmillionige jährliche Montagevolumen der Roboter in Austin und die Umwidmung von Fremont auf Robotik. Andererseits räumt der Hersteller selbst ein, dass die laufenden Prototypen keine praktische Produktionslast tragen, und die früher versprochenen 5000 kommerziellen Roboter sind über einzelne Testmuster nicht hinausgegangen. Zudem stehen die angesagten Lieferfristen der dritten Generation „frühestens in einem Jahr“ (Ende 2027) den aggressiven Produktionsplänen gegenüber, was auf eine mögliche Anpassung des Zeitplans in Abhängigkeit vom Tempo der Software- und Hardware-Abstimmung und des Modelltrainings hindeutet.
Fortschritte bei FSD und Robotaxis
Beiläufig erfuhr man auf der Veranstaltung über den Fortschritt bei der Entwicklung der FSD-Software. Im Oktober 2025 debütierte die Version FSD v14, und im April 2026 nannte Musk die nachfolgende Version v14.3 das „letzte Puzzleteil“, das den Weg zum vollautonomen Fahren ebnen werde. Die Version FSD v15 wird derzeit auf den autonomen Taxis von Tesla erprobt, die in Austin Fahrgäste befördern; das Unternehmen beschreibt das Feedback zu den Möglichkeiten dieser Software als „ermutigend“. Der Robotaxi-Flotte von Tesla soll ab Ende 2026 und Anfang 2027 aktiv ausgebaut werden, doch zunächst muss das Unternehmen die Sicherheit der fahrerlosen Taxis bestätigen, weshalb es sich noch nicht eilt, ihre Zahl im Betrieb zu erhöhen.
Hardware und Autonomiegrad
Wie Vertreter des Unternehmens angaben, sollen die Fähigkeiten der Bordausstattung der Generation HW4 nicht nur für den Betrieb mit FSD v15, sondern auch für den künftigen Vollautopiloten ausreichen. Dennoch bereitet Tesla bereits den Prozessor AI4.5 vor, der etwa 10 % leistungsfähiger als sein Vorgänger ist und über eine doppelt so große Speicherkapazität verfügt. Dies legt einen Hardware-Vorsprung für die nächste Generation des autonomen Fahrens und potenziell für komplexere Aufgaben, einschließlich der Interaktion mit robotisierten Systemen in den Werken, an den Tag.