Im Oval Office des Weißen Hauses erklärte US-Präsident Donald Trump, dass die strategische Bedeutung der Straße von Hormus für die globalen Ölmarkte schrittweise abnimmt. Seinen Worten zufolge werden in der Region neue Pipelines gebaut und Landkorridore ausgebaut, die zu einer echten Alternative für die schmale Wasserstraße werden könnten, über die heute ein erheblicher Anteil des weltweiten Öls transportiert wird. Die Aussage fiel vor dem Hintergrund der Verschärfung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran sowie des Anstiegs der Ölpreise auf über 95 Dollar pro Barrel.
Alternativen zu Hormus: Pipelines und „Syrien-Korridor“
Trump betonte, dass der Straße von Hormus „heute viele Alternativen angeboten werden“ und dass sie „nicht mehr die ist, die sie früher war“. Seiner Einschätzung nach werden in der Region neue Pipelines errichtet, die zusätzliche Möglichkeiten für den Transport von Kohlenwasserstoffen schaffen. Besondere Aufmerksamkeit widmete der Chef des Weißen Hauses den Landrouten: Er erklärte, dass bereits beachtliche Mengen an Öl mit Lkw über das Gebiet Syriens transportiert würden, was seiner Ansicht nach eine vollwertige Alternative zur Seeroute bilde.
Druck auf Teheran
Die Entwicklung alternativer Routen sei, so Trump, direkt mit der Position des Iran verbunden. Er erklärte, dass Teheran, falls es seinen Kurs nicht ändere, „bald mit der Straße von Hormus dastehen werde, die nicht so nötig sein wird“. Damit nutzt Washington de facto das Argument der abnehmenden Bedeutung der Straße als Druckmittel gegenüber der iranischen Seite und entzieht ihr ihre wichtigste wirtschaftliche Trumpfkarte.
„Das ist kein Krieg“ – wie Trump den Konflikt bewertet
Im Rahmen desselben Briefings kommentierte Trump die Kampfhandlungen zwischen den USA und dem Iran und weigerte sich, sie als vollumfänglichen Krieg zu bezeichnen. „Ich nenne das einen militärischen Konflikt. Für uns ist das eine Kleinigkeit, etwas nicht Großes“, erklärte er. Gleichzeitig trafen nach Angaben von Axios US-Streitkräfte Schläge gegen mehr als 100 Ziele im Iran, was Washington zufolge die Bedrohung für die Schifffahrt in der Straße von Hormus schwächte.
Märkte und Öl
Aufgrund der Eskalation des Konflikts stiegen die weltweiten Ölpreise auf über 95 Dollar pro Barrel. Investoren bewerten die Risiken für Schifffahrt und Logistik, doch die Aussagen über die wachsende Rolle alternativer Routen könnten die Preisvolatilität mittelfristig dämpfen, sofern die entsprechende Infrastruktur tatsächlich in Betrieb genommen wird.
Widersprüchliche Angaben
In öffentlichen Aussagen und Materialien verschiedener Medien fallen deutliche Widersprüche auf. Einerseits beharrt Trump darauf, dass die Bedeutung der Straße von Hormus dank der Alternativen sinkt. Andererseits nannte er laut TASS es eine „ausgezeichnete Idee“, die Straße von Hormus für amerikanisch zu erklären, und erklärte, er werde dies bald tun. Die Logik dieser beiden Thesen widerspricht sich: Wenn die Straße an Bedeutung verliert, verliert die Frage ihrer „Amerikanisierung“ ihre Sinnhaftigkeit. Außerdem wirkt die Behauptung, „beachtliche Mengen“ an Öl mit Lkw über Syrien zu transportieren, aus logistischer Sicht umstritten und ist durch unabhängige Daten nicht belegt; die Agentur Anadolu ihrerseits berichtete, Trump habe die Veröffentlichung über Syrien als Alternative zu Hormus „wunderbar“ genannt, was auf eine Stützung auf einzelne Medienmaterialien hinweist. Schließlich kontrastiert die Einordnung der Kampfhandlungen als „Kleinigkeit“ mit der Tatsache von hunderten Schlägen und dem Anstieg der Ölquotierungen.
Insgesamt formen die Aussagen des US-Präsidenten eine neue Rhetorik um die Straße von Hormus: vom „Engpass“ der weltweiten Energieversorgung zu einer von mehreren Routen. Der tatsächliche Rückgang der Abhängigkeit von der Straße hängt jedoch von der Geschwindigkeit des Pipelinebaus, der Stabilität der Landkorridore und der weiteren Dynamik des Konflikts mit dem Iran ab.