Großbritannien und die Ukraine haben in Kiew eine Partnerschaftsvereinbarung unterzeichnet, die britischen Forschern einen beispiellosen Zugang zur ukrainischen Plattform für Schlachtfeld-Daten und zu den KI-Laboren „Avengers“ (Avengers Labs) eröffnet. Laut Aussage der Regierung des Vereinigten Königreichs macht dies Großbritannien zum ersten internationalen Partner, der einen solchen Zugang erhält. Das Dokument unterzeichneten der britische Premierminister Andy Burnham und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj.
Unterzeichnung der Vereinbarung in Kiew
Die Vereinbarung festigt die bilaterale Zusammenarbeit im Bereich Verteidigungstechnologie und künstliche Intelligenz. Die britische Regierung präzisierte, dass die Partnerschaft in einer ersten Phase auf Projekte der Verteidigung und nationalen Sicherheit konzentriert sein wird. Im Rahmen der Initiative ist geplant, Forscher, Ingenieure, Technologieunternehmen und Militärexperten beider Länder zusammenzubringen, um an Pilotprojekten zu arbeiten, die darauf abzielen, die Effizienz der Schlachtfeldführung zu steigern.
Zugang zum Labor „Avengers“
Ein zentrales Element der Vereinbarung war der Zugang der britischen Seite zu den ukrainischen KI-Laboren „Avengers“. Wie das ukrainische Verteidigungsministerium bereits im August mitteilte, wurde Avengers Labs auf der Grundlage eines annotierten Datensatzes aus fünf Millionen Schlachtfeld-Bildern erstellt. Ein erheblicher Teil dieser Daten stammt aus dem inländischen militärischen Kampfsystem DELTA — einem System zur Schlachtfeldführung und Situationsbewusstheit, das Informationen über Panzer, Artilleriesysteme, Drohnen und andere militärische Ziele erfasst.
Wie das KI-System funktioniert
Die auf den genannten Daten trainierten KI-Modelle werden bereits in einem automatisierten Zielerfassungssystem eingesetzt. Laut verfügbaren Informationen analysiert das System monatlich mehr als 100.000 Videoaufnahmen, die von Drohnen stammen, und ist in der Lage, etwa 70 % der feindlichen Ziele in Echtzeit zu identifizieren. Die Übertragung des Zugangs zu einer solchen Infrastruktur auf ausländische Partner wird als Schritt zur Integration britischer und ukrainischer Verteidigungstechnologie-Wertschöpfungsketten betrachtet.
Kontext: Storm-Shadow-Raketen und der Besuch am 27. Juli
Die Unterzeichnung der Vereinbarung fügt sich in einen breiteren Kurs der Vertiefung der verteidigungstechnologischen Zusammenarbeit ein. Zuvor wurde berichtet, dass die Ukraine beabsichtigt, die Langstreckenraketen Storm Shadow selbst herzustellen, während Großbritannien die Übertragung der entsprechenden Technologien und die Einbindung von Rüstungsunternehmen offiziell genehmigte. Außerdem erlaubte die britische Regierung dem Rüstungsunternehmen MBDA, eingestufte Informationen über britische Komponenten der Langstreckenrakete SCALP offenzulegen. Der politische Kontext wurde bereits am 27. Juli gelegt, als Wolodymyr Selenskyj während seines Besuchs in Großbritannien mit dem neuen Premierminister Andy Burnham zusammentraf — es war der erste Besuch eines ukrainischen Teams in Großbritannien nach der Amtseinführung Burnhams.