Die russischen Angriffe auf die Lebensmittelinfrastruktur der Ukraine zwingen die Marktteilnehmer, das gewohnte Versorgungsmodell grundlegend zu ändern. Laut Agrar- und Lebensmittelministerium wurden in einzelnen Regionen bis zu 90 % der Lagerkapazitäten für Lebensmittel zerstört, was eine weitere Abhängigkeit von großen zentralisierten Lagern unmöglich macht. Gleichzeitig betont das Ministerium: Das Land verfügt weiterhin über ausreichende Lebensmittelvorräte für den Binnenmarkt, und es geht nicht um einen Mangel, sondern um den Umbau der Lieferketten unter dem Druck militärischer Risiken.
Dezentralisierung als Hauptantwort auf die Angriffe auf die Lager
Wie der ukrainische Agrar- und Lebensmittelminister Taras Wysotskyj erklärte, wurde die Dezentralisierung des Versorgungssystems zur Schlüsselmaßnahme. Die Produkte sollen nun in kleinen Chargen gelagert und geliefert sowie direkt vom Hersteller an den Vertriebsort geliefert werden. Dieser Ansatz soll das Risiko einer gleichzeitigen Zerstörung großer Mengen von Waren verringern und die Geschäfte auch dann mit den notwendigen Artikeln versorgen, wenn einzelne Logistikpunkte außer Gefecht gesetzt werden.
Was das für die Handelsketten und die Regale bedeutet
Der Umbau der Logistik wirkt sich bereits auf den Einzelhandel aus. In den Geschäften kann es zu einer Verringerung einzelner Artikel kommen, jedoch, wie Wysotskyj betonte, bedeutet dies keinen allgemeinen Lebensmittelengpass. Die Änderung des Liefermodells erfordert zusätzliche Transportkosten und kann sich auf die Kosten der Lagerdienstleistungen auswirken, was zwangsläufig in die Selbstkosten der Ware einfließt. Das Ministerium erwartet keinen plötzlichen Preissprung und schätzt den möglichen Anstieg der Lebensmittelpreise auf maximal 2,5 %.
Widersprüchliche Daten
Hier weichen die Angaben des Ministeriums und die Unternehmensprognosen deutlich voneinander ab. Das Agrar- und Lebensmittelministerium in Person von Taras Wysotskyj nennt mit 2,5 % die Obergrenze für den Preisanstieg und verweist auf zusätzliche Transport- und Lagerkosten. Die Marktteilnehmer bewerten die Risiken deutlich höher. Die Direktorin von UTG, Jewhenija Loktionowa, prognostiziert, dass die Logistik für Trockenwaren um 15–25 % und für gekühlte Waren um 35–50 % teurer wird, was sich auf die Einzelhandelspreise in Höhe von 3–5 % für Trockenwaren und 7–12 % für gekühlte Waren auswirken wird. Der Miteigentümer von RetailPro, Artem Retin, bezifferte den Anstieg der Kosten für Lagerung und Lieferung auf 10–15 %, auf einzelnen Routen, die um beschädigte Verteilzentren herumgeführt werden, auf das 2- bis 3-fache, was im Durchschnitt 1–5 % zu den Endpreisen hinzukommt. Somit bleibt die Diskrepanz zwischen der offiziellen Schätzung (bis zu 2,5 %) und den Marktprognosen (bis zu 12 % für einzelne Kategorien) offen und hängt von der Dynamik der Angriffe und dem Wiederaufbau der Infrastruktur ab.
Umfang der Schäden und Perspektiven
Zusammenfassend lässt sich feststellen: Die Angriffe auf die Lager haben der Lebensmittellogistik bereits schweren Schaden zugefügt, und der Übergang zu einem dezentralen Modell wurde zu einer erzwungenen, aber notwendigen Maßnahme. Der Verbraucher sollte kurzfristig nicht mit einem Mangel, sondern mit einem moderaten Preisanstieg rechnen, dessen genaue Höhe davon abhängen wird, wie schnell die beschädigten Kapazitäten wiederhergestellt werden können und wie widerstandsfähig sich die neue Lieferkette erweist. Die Diskrepanz in den Schätzungen zwischen dem Agrar- und Lebensmittelministerium und den Unternehmen zeigt, dass der Endpreis für den Verbraucher noch nicht endgültig ist und sich je nach Entwicklung der Lage anpassen kann.