Im Rahmen des Telethrons erklärte der stellvertretende Minister für Wirtschaft der Ukraine, Taras Wysotskyj, dass kein Mangel an sozial bedeutsamen Lebensmitteln im Land festgestellt werde. Nach seinen Angaben übersteigt die Produktionsmenge in den wichtigsten Lebensmittelkategorien den Inlandsverbrauch, während die russischen Angriffe auf Lagerstätten lediglich vorübergehende Schwierigkeiten bei der Lieferung der Waren in die Geschäfte verursachen, nicht aber bei deren grundsätzlicher Verfügbarkeit.
Produktion übersteigt den Verbrauch
Wysotskyj nannte Kategorien, bei denen die Produktion die Nachfrage übersteigt: Gemüse für die Borschtsch-Zusammenstellung, Getreide, Mehl, Brot, Hülsenfrüchte, Nudeln, Zucker und Pflanzenöl. Auch die Produktion von Futtermitteln, die für die Herstellung von Milch- und Fleischprodukten benötigt werden, sei ausreichend, so seine Einschätzung. Der Beamte nannte konkrete Zahlen: In diesem Jahr würden in der Ukraine, so seine Worte, mehr als 80 Millionen Tonnen Getreide und Ölsaaten geerntet, während der Inlandsverbrauch bei etwa 20 Millionen Tonnen liege, also rund einem Viertel des Gesamtvolumens.
Angriffe auf die Logistik, nicht auf die Produktion
Das zentrale Problem, so die Einschätzung des Vize Ministers, liege nicht in den Mengen, sondern in der Verteilungsinfrastruktur. Er betonte, dass Russland gezielt Lagerstätten für Produkte angreife, insbesondere große Verteilzentren, über die die Waren in Partien angeliefert, sortiert und an konkrete Geschäfte weitergeleitet würden. Durch die Beschädigung solcher Objekte käme es zu vorübergehenden Lieferengpässen: Physisch sei ausreichend Ware vorhanden, doch das Verteilsystem werde schrittweise umgestellt.
Kein Grund zur Panik
Wysotskyj betonte, dass es keinen Grund für den Massenkauf von Vorräten gebe. Er erklärte, dass in der Ukraine Hunderte Hersteller in jeder Kategorie in verschiedenen Regionen tätig seien und es unmöglich sei, alle Straßen und Zufahrten zu den großen Städten vollständig zu blockieren. Gleichzeitig sei es derzeit schwieriger, ein breites Sortiment in jedes einzelne Geschäft zu liefern, daher könnten die Lieferungen mit kleinerem Sortiment, aber in größeren Mengen und mit bestimmter Regelmäßigkeit erfolgen. Die benötigten Waren würden, so seine Worte, in mehreren Verkaufsstellen verfügbar sein und die Grundbedürfnisse der Bevölkerung decken können.
Umbau des Handels und steigende Kosten
Nach der Zerstörung großer Verteilzentren begannen ukrainische Händler, ihr Lager- und Lieferumfeld umzustellen und auf ein Netz kleiner Lager umzusteigen. Dies betrifft insbesondere gekühlte Produkte: Die Transportkosten für diese seien, den vorliegenden Daten zufolge, um etwa 35–50 % gestiegen, was je nach Kategorie, Region und konkretem Händler den Endpreis der Waren um 7–12 % erhöhen könnte.
Widersprüchliche Daten
Die offizielle Position, dass kein Mangel bestehe, weicht von einzelnen Berichten über die Situation in den Regalen ab. So werden in einer Reihe von Veröffentlichungen leere Regale in großen Handelsketten (insbesondere bei „Metro“) festgestellt und beschrieben, wie Lieferengpässe im Sortiment ukrainische Städte nach den Angriffen auf die Lager erfassen. Die auf Ministerialebene geäußerte Einschätzung „kein Mangel an sozial bedeutsamen Lebensmitteln“ und die im Einzelhandel beobachteten vorübergehenden Leerstände in den Regalen könnten somit verschiedene Ebenen des Problems widerspiegeln: die Verfügbarkeit der Ware im Land insgesamt und deren physische Erreichbarkeit in einem konkreten Geschäft an einem konkreten Tag. Beide Versionen sind in offenen Quellen dargelegt, und die endgültige Bewertung hängt von der Region und der Warenkategorie ab.