Der Präsident des Ukrainischen Nationalkomitees der Internationalen Handelskammer (ICC Ukraine), Wladimir Schtschelkunow, hat eine ausführliche Erklärung abgegeben, in der er Kiew dazu drängt, maximale Mengen an Metallschrott innerhalb des Landes zu halten und ihn der Verarbeitung durch heimische Unternehmen zuzuführen. Seiner Aussage nach ist eine umfassende Öffnung der Exporte nur bei einem nachgewiesenen Überschuss und einer vollständigen wirtschaftlichen Kalkulation zulässig, die bisher nicht durchgeführt wurde. Die Erklärung erfolgt vor dem Hintergrund eines von der Regierung verhängten vollständigen Exportverbots für Schrott, das seit dem 1. Januar 2026 in Kraft ist.

Inländische Verarbeitung als Basis der Wertschöpfung

Schtschelkunow betonte, dass Schrott, der durch die Ausmusterung und Erneuerung von Anlagevermögen der ukrainischen Eisenbahn (Ukrzaliznytsia) entsteht, eine kritische Ressource für die ukrainische Metallurgie darstellt. "Jede Tonne Metallschrott, die im Inland verarbeitet wird, ist ein Beitrag zur Erhaltung der Wertschöpfung in der ukrainischen Wirtschaft", erklärte er. Seiner Einschätzung nach unterstützt die inländische Verarbeitung Arbeitsplätze, Lohnniveaus, Steuereinnahmen, Transport- und Energiekosten sowie verwandte Produktionszweige. Fertige Metallprodukte generieren ihrerseits Exporterlöse, was den geschlossenen Verarbeitungszyklus für den Staat deutlich rentabler macht als den Verkauf von Rohstoffen als "Schrott".

Export ist nicht das Problem — die Bedingungen sind es

Gleichzeitig erklärte Schtschelkunow unmissverständlich, dass der Export von Metallschrott an sich kein Problem darstelle. Die Kernfrage sei, unter welchen Bedingungen er stattfinde und welches wirtschaftliche Ergebnis die Ukraine daraus erziele. Vor einer Überprüfung der geltenden Beschränkungen sei der Staat verpflichtet, die tatsächlichen Schrottmengen, den Bedarf der heimischen Metallurgie und die vorhandenen Bestände zu ermitteln sowie einen Überschuss zu bestätigen. Ohne dies wäre laut Expertenmeinung jede Entscheidung zur Marktöffnung verfrüht.

Wirtschaftliche Kalkulation: 16 Millionen gegenüber 22,6 Millionen

Schtschelkunow führte konkrete Zahlen an. Wenn die Regierung beschließt, begrenzte Exporte über Auktionen zuzulassen, müsse der Startpreis mindestens 80 Euro pro Tonne betragen. Bei einer Quote von 200.000 Tonnen könnte dies etwa 16 Millionen Euro an Haushaltseinnahmen sichern. Würde der Startpreis bei Null liegen, erhielte der Haushalt diese Mittel nicht, während der potenzielle zusätzliche Gewinn der Exporteure laut ICC-Ukraine-Berechnungen 22,6 Millionen Euro betragen könnte. "Die prinzipielle Frage ist, wer den wirtschaftlichen Nutzen aus dem Verkauf strategischer Rohstoffe zieht — ein begrenzter Kreis von Exporteuren oder der Staat, der Haushalt und die ukrainische Industrie", fasste der Präsident der ICC Ukraine zusammen.

Transit durch die EU: Wo die Marge entsteht

Besondere Aufmerksamkeit widmete der Experte Transit- und Vermittlungsgeschäften über EU-Länder. Seiner Meinung nach müsse der Staat den Endkäufer, den tatsächlichen Warenpreis, die Transportroute, die Weiterverkaufskette und verbundene Personen kennen. Dies sei notwendig, um zu verstehen, wo die Hauptmarge gebildet wird und wer letztlich den Ertrag erhält. Schtschelkunow erinnerte zudem daran, dass die Folgen der Exporte nicht nur anhand von Zollzahlungen bewertet werden dürften: Zu berücksichtigen seien die Steuern der metallurgischen Betriebe, Löhne, Sozialbeiträge, Energie- und Logistikkosten sowie die Deviseneinnahmen aus dem Verkauf von Fertigprodukten.

Kontext: Nullquote 2026 und "graue" Schemata

Zur Erinnerung: Am 31. Dezember 2025 verabschiedete das Ministerkabinett der Ukraine die Verordnung Nr. 1795, mit der für das gesamte Jahr 2026 eine Nullquote für den Export von Metallschrott eingeführt wurde. Vor der Einführung des Verbots waren die Schrottexportmengen stetig gestiegen. Trotz der festgelegten Exportsteuer von 180 Euro pro Tonne erhielt die Ukraine faktisch keine Einnahmen daraus: Metallschrott wurde über Polen zollfrei exportiert und dann in die Türkei weiterverkauft. Schätzungen zufolge verlor der Staatshaushalt durch solche "grauen" Exportschemata mehr als 3 Milliarden Hrywnja. Genau diese Erfahrung sollte nach der Logik der ICC Ukraine die Grundlage für eine transparente und wirtschaftlich begründete Exportpolitik bilden, falls die Beschränkungen jemals überprüft werden.