Am Bezirksgericht der USA für den Distrikt Massachusetts haben Gewerkschaften und Menschenrechtsorganisationen eine Sammelklage eingereicht, in der sie neue Regeln anfechten, die die Gültigkeitsdauer von Visas für ausländische Studierende, Wissenschaftler und Journalisten einschränken. Die Kläger fordern die gerichtliche Blockade der Anforderungen, die ihrer Einschätzung nach US-Universitäten, ausländischen Studierenden, der Wissenschaftsgemeinschaft und der Medienbranche schaden könnten. Laut den Akten sollen die neuen Regeln am 15. September 2026 in Kraft treten.
Was die neuen Regeln ändern
Laut den angefochtenen Anforderungen dürfen Studien- und Austauschvisas nicht länger als vier Jahre gültig sein. Für Journalisten wird die Gültigkeitsdauer auf 240 Tage begrenzt, während solche Dokumente zuvor jahrelang gültig sein konnten. Für chinesische Staatsbürger gilt ein noch strengeres Limit – bis zu 90 Tage. Die Kläger betonen, dass die entsprechenden Visas derzeit für die gesamte Dauer des Studiums, des Austauschprogramms oder der Beschäftigung in den USA gültig sind, ohne dass regelmäßig Anträge auf Verlängerung des Status gestellt werden müssen.
Argumente der Kläger: „Katastrophe“ für Hochschulen und Studierende
In der Klage behaupten die Organisationen, dass die Einschränkungen „katastrophale“ Folgen für US-Universitäten, ausländische Studierende und Wissenschaftler haben könnten. Ihrer Meinung nach werden die neuen Anforderungen Ausländer wegen des Risikos, während ihres Aufenthalts in den USA ihren legalen Status zu verlieren, vom Studium und Arbeiten in den USA abschrecken. Die Kläger behaupten zudem, dass die Änderungen Studierende um Bildungsmöglichkeiten und Hochschulen um talentierte ausländische Fachkräfte bringen würden, und erinnern an den wirtschaftlichen Beitrag ausländischer Studierende zur US-Wirtschaft. Der Präsident der Gewerkschaft US NewsGuild-CWA, John Schleus, nannte die neue Regelung einen „Angriff auf Journalisten“, und die Präsidentin der American Federation of Teachers, Randi Weingarten, erklärte, die US-Regierung „verstoße aus eigenen politischen Zwecken gegen das Gesetz“ und füge Amerikanern und Unternehmen Schaden zu.
Position der Trump-Regierung
Die Regierung von Präsident Donald Trump verteidigt die neuen Regeln. In einer Erklärung erklärte ein Vertreter der Exekutive, die Einschränkungen seien notwendig, um gegen „verbreiteten Betrug“ vorzugehen und sicherzustellen, dass Studienvisas von Personen erhalten werden, die tatsächlich die Absicht haben, in den USA zu studieren. Dabei wurden, wie in den Akten angemerkt wird, in dieser Erklärung keine konkreten Beweise für das Ausmaß des angeblichen Betrugs vorgelegt.
Widersprüchliche Daten
Die Darstellungen der Parteien widersprechen sich im Wesentlichen. Die Regierung stellt die neuen Limits als Betrugsschutzmechanismus dar, liefert jedoch keine quantitativen Daten zum Ausmaß des Betrugs, der verhindert werden soll. Die Kläger qualifizieren die Maßnahmen hingegen als politisch motivierten Rechtsbruch und „Katastrophe“ für Bildung und Medien und verweisen auf das Risiko des Verlusts des legalen Status und den Abfluss ausländischer Fachkräfte. Außerdem ist es wichtig, zwei verwandte, aber unterschiedliche Themen zu trennen: das derzeit angefochtene Visa-Limit (Inkrafttreten am 15. September 2026) und das zuvor im Jahr 2025 vom Weißen Haus verhängte Verbot für die Harvard-Universität, ausländische Studierende aufzunehmen, das von einem Gericht vorläufig blockiert wurde. Das Vermischen dieser Episoden in der öffentlichen Debatte kann das Bild verzerren.
Weiterer Kontext: Einwanderungspolitik 2026
Die Visa-Klage fügt sich in einen breiteren Kurs ein, den Donald Trump als radikale Verschärfung des Kampfs gegen illegale Einwanderung im Jahr 2026 bezeichnete. Die Pläne der Regierung umfassen eine massive Ausweitung der Einwanderungsrazzien am Arbeitsplatz, eine Erhöhung der Zahl der ICE-Agenten und der Grenzschutzbeamten sowie die Eröffnung neuer Haftzentren. Vor diesem Hintergrund wurde zuvor über die Vorbereitung der Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) auf den Kauf von Handschuhen mit Schockfunktion berichtet, was die öffentliche Debatte um die US-Einwanderungspolitik zusätzlich verschärft.