Berichten zufolge hat das US-Militär am 1. November einen Luftangriff auf die iranische Insel Qeschm verzeichnet, die am Eingang der Strasse von Hormus liegt. Wie das Wall Street Journal berichtet, handelt es sich dabei nicht um einen Einzelfall, sondern um eine Serie begrenzter Angriffe, die das US-Militär seit mehreren Wochen heimlich auf Ziele im Iran verübt. Im Gegensatz zu früheren Phasen des Konflikts, der am 28. Februar begann, hat Washington die Operationen diesmal nicht öffentlich bekannt gegeben, was einen deutlichen Wandel im Charakter der Kampagne darstellt.
Warum Washington die Angriffe im Verborgenen hält
Unnennbare Beamte der US-Regierung erklären, dass die Kampagne absichtlich im Schatten gehalten wird, um nicht den Eindruck erwecken zu lassen, die USA würden sich auf die Wiederaufnahme von Großeinsätzen vorbereiten. Einige WSJ-Gesprächspartner charakterisieren diese Angriffe als defensiv: Ihr Ziel sei es angeblich, den Iran daran zu hemmend anzugreifen, Handelsschiffe in der Strasse von Hormus ungestraft zu attackieren. In den sozialen Netzwerken wurde am 1. November über eine Serie von Explosionen auf Qeschm berichtet, was die Angriffe indirekt bestätigt, obwohl eine offizielle Bestätigung des Pentagons ausblieb.
Was die Insel Qeschm ausmacht
Die Insel liegt direkt am Eingang der Strasse von Hormus, einer der wichtigsten Öltransportrouten der Welt. Berichten zufolge befinden sich auf ihrem Territorium eine große unterirdische Raketenanlage, ein Marinestützpunkt und eine große Entsalzungsanlage. Die USA haben Qeschm bereits in der Vergangenheit angegriffen, und in der Regierung wurde Berichten zufolge sogar die Möglichkeit ihrer Eroberung diskutiert. Gerade diese Kombination aus militärischer Infrastruktur und geografischer Lage macht die Insel zu einem sensiblen Punkt in jedem Eskalationsszenario.
Trumps Aussagen und verdeckte Eskalationsvorbereitungen
Am selben Tag, dem 1. November, spielte US-Präsident Donald Trump das Risiko eines neuen Krieges mit dem Iran öffentlich herunter und erklärte Journalisten, die USA hätten „einen Krieg mit dem Iran gehabt“, „wir haben gewonnen“ und „wir kämpfen seit einigen Monaten nicht mehr“. Auf die Frage nach möglichen Angriffen nach den Zwischenwahlen zum Kongress am 3. November antwortete er mit „Nein“. Gleichzeitig bereitet das US-Zentralkommando (CENTCOM) laut WSJ mit in die Region verlegten zusätzlichen Luftabwehrmitteln und Munition den Boden für eine mögliche Operation vor, und Golfstaaten warnten, dass kurz nach den Wahlen eine kurze, aber intensive Kampagne beginnen könnte. Letzte Woche berichtete CENTCOM-Kommandeur Admiral Brad Cooper Trump im Weissen Haus persönlich über den Verlauf des Konflikts. The Atlantic berichtet seinerseits, dass Trump die Wiederaufnahme militärischer Operationen erwägt, um Teheran gewaltsam an den Verhandlungstisch zurückzubringen, wobei Szenarien von einem kurzen Angriff bis hin zu einer wochenlangen Kampagne diskutiert werden.
Diplomatischer Kurs und Irans Bereitschaft zur Eskalation
Parallel zu den militärischen Aktionen läuft der Verhandlungsprozess weiter: Am 1. November hielten katarische Vermittler eine weitere Runde von Konsultationen über die Beendigung des Krieges zwischen den USA und dem Iran ab, den Parteien wurde ein neuer Entwurf eines Friedensplans übergeben, und ein weiteres Treffen wird nicht ausgeschlossen. Vizepräsident JD Vance erklärte, es gebe „gewisse Fortschritte“ bei den Konsultationen. Im Iran bereitet man sich jedoch auf das schlimmste Szenario vor: Quellen zufolge befahl der Oberste Führer Mojtaba Khamenei dem Militärkommando, sich auf die Rückkehr zur aktiven Phase des Krieges mit den USA und Israel vorzubereiten.
Bestätigung des Angriffs und Einschränkungen
Es ist wichtig, den Bestätigungsstatus zu berücksichtigen: Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hatte das US-Zentralkommando (CENTCOM) die Angriffe nicht öffentlich bekannt gegeben, während die iranische Nachrichtenagentur IRNA unter Berufung auf lokale Quellen von mindestens fünf Explosionen auf Qeschm und zwei am Himmel gesichteten Fluggeräten berichtete. Somit wird die Tatsache der Angriffe sowohl durch amerikanische WSJ-Quellen als auch durch iranische Explosionsmeldungen bestätigt, aber eine offizielle Attribution seitens des Pentagons fehlt weiterhin, was den Status der Tatsache als „unter Vorbehalt bestätigt“ belässt.