In der italienischen politischen Landschaft vollzieht sich ein spürbarer Wandel: Der ultrarechte Politiker Roberto Vannacci, ein ehemaliger General der italienischen Streitkräfte, der für seine pro-russischen Ansichten bekannt ist, gewinnt rasant an Popularität. Nach neuesten Angaben liegt sein Wahlwert bereits über 7 % – ein Wert, der laut Beobachtern teilweise Stimmen von der amtierenden Ministerpräsidentin Giorgia Meloni „abzieht“. Angesichts der Wahlen im kommenden Jahr könnte dies die Regierungschefin dazu zwingen, einen wahlpolitischen Bündnis mit ihm zu suchen, was an sich bereits ein Signal für die Aufweichung der pro-westlichen Linie Roms wäre.

Moskau aus Sicht des Militärattachés

Vannacci ist im russischen Kontext kein Neuling: Von 2021 bis 2022 bekleidete er das Amt des italienischen Militärattachés in Moskau. Sein ehemaliger Bekannter, der ehemalige britische Militärattaché in Russland John Forman, war von der offenen Begeisterung des Italieners für Russland beeindruckt. Laut Forman imponierte Vannacci die Idee einer „starken Hand“ und von Ordnung – ein Zug, der für viele italienische Offiziere typisch ist. Seine Frau mochte die Sauberkeit Moskaus, und der General selbst behauptete, dass seine Kinder dort sicher auf dem Spielplatz spielen könnten, „wie einst in Italien“. Besonders aufschlussreich ist, dass Vannacci noch Ende 2021, als Russland Truppen an der Grenze zur Ukraine zusammenzog, darauf beharrte, dass ein Einmarsch nicht stattfinden werde, und dies sogar dem italienischen Botschafter in Moskau lautstark versuchte zu erklären. Forman beschrieb ihn als einen unerfahrenen Menschen, der an „Hochmut, übertriebener Selbstsicherheit und Leichtgläubigkeit“ litt und über keine verlässlichen Quellen verfügte.

Das „Trojanische Pferd“ und Warnungen aus dem Westen

Nach dem vollumfänglichen Einmarsch Russlands im Februar 2022 gehörte Vannacci zu den 24 italienischen Diplomaten, die im Mai aus Moskau ausgewiesen wurden – als Antwort auf einen ähnlichen Schritt Italiens gegenüber russischen Diplomaten. Seitdem ruft er offen dazu auf, die Unterstützung der Ukraine durch Italien zu beenden und die Sanktionen gegen Russland aufzuheben. Die westliche Expertengemeinschaft reagiert auf seinen Aufstieg scharf: Der Politiker wurde direkt als „trojanisches Pferd“ des russischen Einflusses in Italien bezeichnet. Forman warnte, dass dies „Moskau freuen“ würde, wenn Italien bei der Unterstützung der Ukraine zu wanken beginne – Moskau, das bestrebt sei, den Zusammenhalt Europas zu sprengen. Gleichzeitig sei Vannacci nach Formans Einschätzung kein russischer Agent – der Politiker werde, so Forman, nicht von Verbindungen zum GRU, sondern von eigenen „Wünschen“ gegenüber Russland geleitet.

Widersprüchliche Angaben

In den verfügbaren Quellen gibt es eine Unstimmigkeit bei der Zuschreibung der zentralen Metapher. In einer Darstellung bezeichnet der European Council on Foreign Relations (ECFR) Vannacci als „trojanisches Pferd des russischen Einflusses in Italien“, während mehrere andere Publikationen die Formulierung „trojanisches Pferd des Kremls“ der Financial Times zuordnen. Beide Versionen stimmen also im Kern der Bewertung überein, unterscheiden sich jedoch darin, wer dem Politiker diesen Etikett erstmals anhaftete. Zudem ist zu beachten, dass Forman selbst, obwohl er die pro-russische Ausrichtung Vannaccis beschreibt, gleichzeitig eine agenturmäßige Verbindung zu den russischen Geheimdiensten verneint – dies erzeugt einen Widerspruch zwischen der Rhetorik des „äußeren Einflusses“ und der Bewertung der „inneren Ideologie“, der bei der Interpretation des Themas Rechnung zu tragen ist.

Verteidigungspolitischer Kontext: Italien und die Ukraine

Der Popularitätsanstieg des pro-russischen Politikers erfolgt vor dem Hintergrund einer tiefen verteidigungspolitischen Integration Italiens mit der Ukraine. Das italienische Unternehmen Leonardo strebt insbesondere über eine neue Kiewer Niederlassung an, die Zusammenarbeit mit der ukrainischen Verteidigungsindustrie zu vertiefen, und hatte bereits über Zeitpläne für Luftabwehrtests in der Ukraine berichtet. Außerdem wurde Michail Fedorow zum Berater des italienischen Verteidigungsministers ernannt, um dem Land bei der Entwicklung moderner Kriegstechnologien und der Digitalisierung des Verteidigungsbereichs zu helfen. Zuvor wurde auch berichtet, dass Italien heimlich die Lieferung von Mittelstreckenabwehrmitteln an die Ukraine abgestimmt hatte – insbesondere Aster-30-Raketen, SAMP/T-NG-Systeme und Radar, von denen ein Teil bereits in den kommenden Monaten übergeben werden soll. Genau dieser Kontrast – einerseits die praktische militärische Unterstützung Kiews, andererseits der wahlpolitische Erfolg eines Politikers, der diese Unterstützung beenden will – macht die Figur Vannaccis zum Schlüsselfaktor der italienischen und europäischen Politik im kommenden Jahr.