Der Sonderbeauftragte des US-Präsidenten, Steve Witkoff, erklärte nach den Gesprächen in Kiew, dass Washington auf eine diplomatische Beendigung des Krieges in der Ukraine abziele und in Kürze die Einberufung dreiseitiger Verhandlungen mit Beteiligung der USA, der Ukraine und Russlands erwarte. Dies berichtet RBC-Ukraine. Witkoff betonte, dass die US-Delegation wichtige Ideen in die ukrainische Hauptstadt gebracht habe, die zuvor während des Besuchs in Moskau erörtert worden seien, und dass die Vertreter Washingtons die Position des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zur Frage möglicher dreiseitiger Kontakte bereits angehört hätten.

Dreiseitiges Format: Was über die Verhandlungen bekannt ist

„Wir haben Herrn Selenskyj und seine Meinung zu den dreiseitigen Verhandlungen gehört. Wir hoffen, dass bald darüber informiert wird. Alle wichtigen Ideen, die wir in Moskau besprochen haben, haben wir hier nach Kiew gebracht“, erklärte Witkoff auf der Pressekonferenz. Seinen Worten zufolge sei es für die amerikanische Seite von grundsätzlicher Bedeutung, gemeinsam mit den Partnern zu handeln; deshalb seien in Kiew während der Gespräche auch Vertreter europäischer Länder anwesend gewesen. Der Sonderbeauftragte betonte, dass die Suche nach einer diplomatischen Lösung eine schwierige Aufgabe sei, die Zugeständnisse aller beteiligten Seiten erfordere.

Kompromisse und die „Instrumente“ Washingtons

„Beide Seiten werden Kompromisse eingehen müssen. Ich denke, wir haben alle Instrumente dafür. Natürlich ist die Lösung solcher Aufgaben nicht leicht, aber wir streben danach und hoffen, dass dies zu einer erfolgreichen, friedlichen und diplomatischen Lösung führen wird“, fügte Witkoff hinzu. Damit räumt die amerikanische Seite offen ein, dass keine der Seiten ihre ursprüngliche Position vollständig aufrechterhalten kann, und formuliert die diplomatische Regelung als Prozess gegenseitiger Zugeständnisse und nicht als einseitigen Druck.

Position Kiews: Der Donbas bleibt die Schlüsselfrage

Während der Gespräche am 6. September brachte die ukrainische Seite die Frage des Donbas auf, die aus Sicht Kiews im gesamten Krieg zentral bleibt. Die ukrainischen Verhandlungsführer betonen, dass eine starke Position der Ukraine auf dem Schlachtfeld ein entscheidender Faktor für die Erreichung eines gerechten Friedens sei. Diese Aussage belegt, dass Kiew trotz der Bereitschaft zum diplomatischen Dialog nicht bereit ist, seine Forderungen zur territorialen Frage aufzugeben, und deren Lösung mit dem militärischen Kräfteverhältnis verknüpft.

Winterszenario: Unterstützung und Sicherheitsgarantien

Nach Abschluss von drei Verhandlungsrunden wurde bekannt, dass der Krieg auch im Winter weitergehen könnte. In diesem Zusammenhang diskutierte die Ukraine mit ihren Partnern ein Paket zusätzlicher Unterstützung für die Wintersaison sowie konkrete Schritte zur Gewährung von Sicherheitsgarantien und zur Beschleunigung des Endes der Kampfhandlungen. Dieser Fakt zeigt, dass die Seiten trotz aktiver diplomatischer Bemühungen in ihrer Strategie den Szenario des Konfliktsfortgangs einplanen, was den diplomatischen Pfad zu einem parallelen und nicht zu einem alternativen zum militärischen macht.

Widersprüchliche Angaben

In den vorliegenden Quellen sind unterschiedliche Schwerpunkte bei der Zusammensetzung der US-Delegation zu beobachten. Der Haupttext der Pressekonferenz zitiert ausschließlich Steve Witkoff als Sprechenden, während eine Reihe von Veröffentlichungen (darunter TSN und Ulysmedia) darauf hinweist, dass auch Jared Kushner an den Verhandlungen teilnehme und ihr gemeinsamer Besuch in Moskau und Kiew als Umsetzung eines einheitlichen „Plans zur Beendigung des Krieges“ betrachtet werde, dessen Details zuvor Donald Trump offengelegt hatte. Dabei wird Kushner in den Zitaten Witkoffs auf der Kiewer Pressekonferenz nicht erwähnt, was auf eine Aufteilung der öffentlichen Rollen innerhalb der Delegation hindeuten könnte oder darauf, dass ein Teil der Vereinbarungen weiterhin im geschlossenen Format bleibt.