Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem kanadischen Premierminister Mark Carney, dass erste spürbare Ergebnisse im Friedensprozess mit Russland bis Ende September 2026 erzielt werden könnten. Nach seinen Worten werde der entscheidende Schritt das Treffen mit dem US-Team in New York Ende des laufenden Monats sein, auf das sich die ukrainische Seite auf Ebene der Nationalen Sicherheitsberater aktiv vorbereite.
Diplomatische Pause während der Duma-Wahlen
Selenskyj wies ausdrücklich darauf hin, dass „wahrscheinlich keine wirklich starken Verhandlungen während der Wahlen in die russische Staatsduma stattfinden werden“. Die russischen Parlamentswahlen sind auf den 20. September angesetzt, und nach Einschätzung Kiews wird dieser Zeitraum keine inhaltlichen Verhandlungen zulassen. Dennoch betonte der ukrainische Präsident, dass seine Nationalen Sicherheitsberater jeden Tag mit dem US-Team in Kontakt stünden und die Vorbereitung auf ein Dreier-Treffen sowie mögliche Szenarien seines Ausgangs besprächen.
New York und Abu Dhabi: zwei Verhandlungsschienen
Nach den Worten Selenskyjs werde Kiew Ende September die Möglichkeit haben, sich in New York mit dem US-Team zu treffen. Zugleich hatte der Assistent des russischen Präsidenten Juri Uschakow zuvor erklärt, dass ein neues dreiseitiges Treffen der Ukraine, Russlands und der USA in Abu Dhabi stattfinden könnte. Damit tauchen im diplomatischen Verlauf zwei unterschiedliche Formate und zwei unterschiedliche Orte auf: ein bilateraler Kontakt in New York und ein potenzielles dreiseitiges Treffen in den VAE. Beide Varianten schließen einander nicht aus und können aufeinanderfolgende Etappen des Verhandlungsprozesses darstellen.
Position Washingtons: Bereitschaft nach den Wahlen
Die Sonderbeauftragten des US-Präsidenten Steve Witkoff und Jared Kushner berichteten nach ihrem Besuch in Moskau, dass russische Beamte bereit seien, die Friedensverhandlungen nach Abschluss der Duma-Wahlen wieder aufzunehmen. Dies bestätigt die These Selenskyjs, dass ein inhaltlicher Dialog erst nach dem 20. September beginnen werde. Der ukrainische Präsident betonte zudem, dass die Amerikaner „vor dem Winter starke Schritte unternehmen“ müssten, die nicht nur die Ukraine, sondern auch Europa und die gesamte Welt benötigten.
Die Schwarzmeer-Frage als Druckfaktor
Separat lenkte Selenskyj den Blick auf ein Thema, das, wie er sagte, „alle Partner in der Welt derzeit ansprechen“ – die Lieferungen ukrainischer Agrarprodukte, die durch russische Angriffe im Schwarzen Meer blockiert seien. Dieser Aspekt werde voraussichtlich in die Agenda der bevorstehenden Verhandlungen aufgenommen und als eine der zentralen wirtschaftlichen und humanitären Fragen behandelt, die im Rahmen einer Friedensregelung gelöst werden müssten.
Widersprüchliche Angaben
In den Aussagen der Parteien bestehen Unterschiede in der Beschreibung des Formats und des Ortes der bevorstehenden Kontakte. Selenskyj spricht von einem Treffen mit dem US-Team in New York und der Vorbereitung auf ein „dreiseitiges Treffen“, ohne dessen Ort zu nennen. Uschakow wiederum nennt Abu Dhabi als möglichen Ort gerade des dreiseitigen Formats. Außerdem formuliert Selenskyj die Frist als „erste Ergebnisse bis Ende September“, während Witkoff und Kushner sich auf die Feststellung der Bereitschaft Moskaus beschränken, „nach Abschluss der Wahlen“ zu den Verhandlungen zurückzukehren, ohne einen konkreten Datum zu nennen. Der Unterschied in den Schwerpunkten – bilateraler Kontakt versus dreiseitiges Treffen, New York versus Abu Dhabi – kann sowohl einen Unterschied in den diplomatischen Schienen als auch eine bewusste Unschärfe der Formulierungen auf der Vorbereitungsstufe widerspiegeln.
Kontext und Perspektiven
Die Aussagen Selenskyjs erfolgten vor dem Hintergrund anhaltender Bemühungen um den Aufbau eines Friedensprozesses, in dem die USA als zentraler Vermittler auftreten. Die Gesamtheit der Faktoren – Abschluss der russischen Wahlen, tägliche Verbindung zwischen ukrainischen und amerikanischen Beratern, Bereitschaft der Partner, die Schwarzmeer-Frage zu besprechen – deutet darauf hin, dass die zweite Hälfte Septembers 2026 zu einem Wendepunkt in der diplomatischen Schiene werden könnte. Dabei unterstreicht der ukrainische Präsident: „Es gibt nur einen Weg, diesen Krieg zu stoppen, es gibt keinen anderen Weg.“