Trotz des mehrjährigen Krieges auf voller Intensität und der Lage der Produktionsstandorte nur wenige Kilometer von der Frontlinie entfernt hat die Industriegruppe „Interpipe“ ihre sozialen Programme nicht nur erhalten, sondern sogar ausgeweitet. Im Zentrum der Unternehmensstrategie steht das Ökosystem für technisches Bildungswesen in Dnipro, das mehr als 15.000 Kinder und Jugendliche umfasst und nach dem Prinzip eines durchgehenden Lernwegs aufgebaut ist – vom ersten Kontakt mit einer Maschine im Schulraum bis zum ersten Arbeitsplatz in der Fabrik. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Verweis auf das Projekt „Wie Interpipe mit Menschen arbeitet, die nur wenige Kilometer von der Frontlinie entfernt leben“ der Publikation „Liga. Business. Inform“.
Zwei Lernwege: vom Dreher zum Automatisierungsingenieur
Die Architektur des Bildungsprogramms von „Interpipe“ ist um zwei klar abgegrenzte Tracks herum aufgebaut, von denen jeder zu konkreten beruflichen Ergebnissen führt. Der erste Weg beginnt im Schulraum für Technikunterricht: Im Unterricht lernen die Schüler Maschinenpark kennen, erlernen grundlegende Fähigkeiten im Umgang mit Metall und Holz. Nach dem Schulabschluss können die Absolventen ihre Ausbildung in einem Berufskolleg fortsetzen, wo sie einen der drei gefragten Berufe erlernen – Dreher, Bediener von Maschinen mit numerischer Steuerung (CNC) oder Elektromonteur. Der zweite Track richtet sich an Jugendliche, die sich für Ingenieurwesen und Automatisierung interessieren. Er beginnt im schulischen Mechatroniklabor, in dem die Schüler mit robotertechnischen Komplexe und Steuerungssystemen arbeiten, und endet mit dem Studium an der Nationalen Technischen Universität „Dnipro Polytechnic“ in ingenieurwissenschaftlichen Fachrichtungen. Beide Tracks sehen nach dem Konzept der Entwickler die Möglichkeit einer Beschäftigung in der „Interpipe“-Fabrik unmittelbar nach Abschluss der Ausbildung vor.
Infrastruktur: Räume, Labore und Werkstätten
Für die materielle Sicherstellung der Bildungswege hat das Unternehmen gemeinsam mit den Stadtbehörden Dnipros ein Netzwerk von Lernstandorten geschaffen. In den Schulen der Stadt wurden spezialisierte Technikräume und Mechatroniklabore eingerichtet, in den Berufskollegen – moderne Werkstätten. Auf den Fotos der Lernumgebungen sind Arbeitstische mit Schraubstöcken, Holzbearbeitungswerkzeugen und Maschinenmodellen zu sehen, an den Wänden die Firmenbeschriftung „INTERPIPE crafts LAB“. Genau unter solchen Bedingungen, wie die Aufnahmen aus dem Labor zeigen, führen die Instruktoren praktische Unterrichtsstunden mit Gruppen von Schülern durch und demonstrieren die Arbeit mit Materialien und Werkzeugen.
Berufsorientierung als Teil des Ökosystems
Neben der unmittelbaren Ausbildung umfasst das Programm ein ganzes Bündel von berufsorientierenden Veranstaltungen: thematische Camps, schulübergreifende Wettbewerbe in technischen Disziplinen und regelmäßige Besuche der laufenden Produktion. Diese Aktivitäten sollen bei den Jugendlichen ein nachhaltiges Interesse an ingenieur- und berufsbezogenen Tätigkeiten noch vor der Wahl des Bildungswegs wecken. Laut Angaben des Unternehmens ermöglicht gerade die Kombination aus praktischen Übungen, dem Wettbewerbsfaktor und der realen Produktionserfahrung, die Aufmerksamkeit der Jugend zu halten und ein abstraktes Interesse in eine konkrete Berufswahl zu verwandeln.
Kontext: Industrie an der Front
Besondere Bedeutung verleiht der Initiative die geografische Lage der „Interpipe“-Produktionsstandorte in Dnipro – nur wenige Kilometer von der Frontlinie entfernt. Unter den Bedingungen eines mehrjährigen Krieges betrachtet das Unternehmen den Erhalt und die Weiterentwicklung der sozialen Programme, einschließlich des technischen Bildungswesens und der Rehabilitationsprogramme für Veteranen (darunter spezielle Retreats in den Karpaten), als Teil seiner langfristigen Strategie der Anwesenheit in der Region. Experten betonen, dass der systematische Ansatz von „Interpipe“ – vom Schulraum bis zum höheren Ingenieurstudium mit Bindung an einen konkreten Arbeitgeber – einer der wenigen Beispiele in der Ukraine für ein vollständiges industrie-bildungsbezogenes Ökosystem ist, das um einen realen Produktionszyklus herum aufgebaut wurde.