Auf dem ukrainischen Arbeitsmarkt ist im vergangenen Jahr ein deutlicher Anstieg der Löhne für blaue Kragen (Arbeiterberufe) zu verzeichnen. In einigen Fällen erreichen die Angebote für qualifizierte Bauarbeiter und Handwerker 60 bis 65 Tausend Hrywnja. Haupttreiber dieses Anstiegs ist ein akuter Personalmangel, der Arbeitgeber dazu zwingt, die Gehälter anzupassen, um Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. Arbeitsmarktanalysen zufolge zeigen die Medianlöhne für Arbeiterberufe im Herbst 2026 einen stabilen Aufwärtstrend und übertreffen die offiziellen Mindestlohn- und Existenzminimumwerte um ein Vielfaches.

Lohndynamik im ukrainischen Bausektor

Ein Vergleich der Zahlen von August 2025 und 2026 zeigte einen rekordverdächtigen Anstieg der Medianlöhne im Bausektor. Am stärksten wuchsen die Angebote für Maurer und Poliere – um satte 33 % auf 60 Tausend Hrywnja. Es folgen Fliesenleger und Schlosser, deren Einkommen um 32 % stiegen. Andere gefragte Handwerksberufe verzeichneten ebenfalls Zuwächse zwischen 15 und 22 %. Zur Erinnerung: Seit Januar 2026 liegt der Mindestlohn in der Ukraine vor Steuern bei 8.647 Hrywnja, und das Existenzminimum beträgt 3.209 Hrywnja. Damit übertreffen die Gehälter von Facharbeitern das Existenzminimum im Durchschnitt um das 11- bis 20-Fache.

Arbeitsmarktsituation in Polen

In Polen ist das Lohnniveau für ähnliche Bau- und Arbeiterberufe umgerechnet in Hrywnja deutlich höher, allerdings verlief die Dynamik im vergangenen Jahr weniger einheitlich. Spitzenreiter beim Wachstum waren hier ebenfalls die Maurer: Ihr Medianlohn stieg um 38 % auf 11 Tausend Zloty, was zum Wechselkurs vom 6. Oktober 2026 etwa 126,9 Tausend Hrywnja entspricht. Gleichzeitig zeigt der Markt divergierende Trends: So sanken beispielsweise die Löhne von Malern im Laufe des Jahres um 13 % auf 7,8 Tausend Zloty (rund 90 Tausend Hrywnja). Der Mindestlohn in Polen liegt 2026 bei 4.806 Zloty brutto, und die Medianlöhne der Arbeiter übertreffen ihn um das 1,5- bis 2-Fache.

Wirtschaftlicher Kontext und Realeinkommen

Experten weisen darauf hin, dass ein direkter Vergleich der Löhne in der Ukraine und Polen allein nach nominellen Zahlen kein vollständiges Bild ergibt. Der reale Wohlstand wird durch die Steuerlast, die Kosten für Mieten, Lebensmittel, Transport und allgemeine Lebenshaltungskosten beeinflusst. Dennoch erwägen ukrainische Fachkräfte zunehmend sowohl eine langfristige Beschäftigung im Inland angesichts des Personalmangels als auch Kurzzeitverträge in Polen für 2 bis 3 Monate. Polnische Arbeitgeber passen sich ebenfalls an die Realitäten an und setzen verstärkt auf Zeitarbeitskräfte, Outsourcing und Subunternehmer, insbesondere in den Bereichen Logistik, Einzelhandel und Lebensmittelverarbeitung.