Ein Herbstwald, bedeckt mit einem Teppich aus abgefallenen Blättern, ist die Zeit, in der zwischen den Pflanzenresten auf dem Waldboden gruppenweise große, grauliche Pilze mit kräftigem Stiel und ausgeprägtem Geruch emporwachsen. Die Rede ist vom Nebelgrauen Trichterling (Clitocybe nebularis), der in verschiedenen Nachschlagewerken auch als Herbstblatt oder Nebelkappe bezeichnet wird. Diese Art ist Pilzsammlern seit Langem bekannt: Sie wird wegen ihres fleischigen Fruchtfleischs und ihres charakteristischen Geschmacks geschätzt. Dennoch hat sich ausgerechnet der Nebelgraue Trichterling heute zu einem der am meisten diskutierten Pilze entwickelt, bei dem die Sicherheitsdebatten nicht abreißen.
Tradition gegen neue Daten
In ukrainischen Pilzratgebern wird diese Art traditionell als bedingt essbar beschrieben: Vor der Zubereitung wird sie gekocht, das Wasser abgegossen und anschließend gebraten, geschmort oder mariniert. Dieser Ansatz hat sich in der kulinarischen Praxis verankert und wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Die Einschätzung der Essbarkeit hängt jedoch nicht nur von Geschmackseigenschaften und Traditionen ab, sondern auch von der Verträglichkeit des Produkts durch den Körper und möglichen Langzeitrisiken, worauf der Blogger Jaroslaw Fischtschenko in einem Video auf seiner Facebook-Seite „Kharakternyk Show“ hinweist. Ein Wendepunkt war die Entscheidung des Schweizer Verbands offizielle Pilzkontrollorgane VAPKO, der den Status des Nebelgrauen Trichterlings 2023 auf ungenießbar änderte. Die Organisation begründete die Überprüfung mit dem Vorkommen von Nebularin — einer biologisch aktiven Verbindung, zu deren potentiellen Langzeiteffekten laut ihren Angaben noch Fragen offen sind. In europäischen Nachschlagewerken wird zusätzlich angemerkt, dass der Pilz auch nach ordnungsgemäßer Wärmebehandlung Magen-Darm-Beschwerden verursachen kann.
Was über Nebularin bekannt ist
Das wissenschaftliche Interesse am Nebelgrauen Trichterling beschränkt sich nicht nur auf seine kulinarischen Eigenschaften. In einer in der Zeitschrift Mycobiology veröffentlichten Forschungsarbeit isolierten Wissenschaftler mehrere Verbindungen aus den Fruchtkörpern von Clitocybe nebularis, darunter Nebularin und Phenylessigsäure. Unter Laborbedingungen zeigte Nebularin eine mäßige antimykotische Aktivität gegen bestimmte Pilzarten. Dabei ist es wichtig, zwei verschiedene Fragen zu trennen: Der Nachweis der biologischen Aktivität eines Stoffes bedeutet nicht automatisch, dass er eine Vergiftung beim Menschen verursacht, ist aber auch kein Beweis für seine Sicherheit für den menschlichen Verzehr. Das Schweizer VAPKO betont einen anderen Aspekt: Nebularin ist eine hitzebeständige Verbindung, und es ist bisher nicht gelungen, seine potenziellen krebserregenden oder erbgutverändernden Wirkungen zweifelsfrei auszuschließen. Dies bedeutet nicht, dass solche Folgen bestätigt sind, aber genau diese Unklarheit war einer der Gründe für die Überprüfung des Pilzstatus.
Hilft das traditionelle Kochen?
Unter Pilzsammlern ist ein Verfahren verbreitet: Die Pilze werden vorgekocht, das Wasser wird abgegossen und erst danach werden sie zubereitet. Nach Angaben von VAPKO entfernt dieses Verfahren das Nebularin nicht. Das Abkochen mit Wasserabguss kann helfen, einige Stoffe loszuwerden, die den Magen-Darm-Trakt reizen, macht den Pilz jedoch nicht garantiert sicher. Folglich entspricht die Behauptung, dass langes Kochen alle gefährlichen Bestandteile des Nebelgrauen Trichterlings vollständig neutralisiert, nicht den Empfehlungen der Schweizer Experten. Die vorsichtigste Position, die Experten vorschlagen, ist, diesen Pilz nicht zu verzehren, selbst wenn er in der Vergangenheit mehrfach nach traditionellen Rezepten ohne spürbare Folgen zubereitet wurde.
Wo man ihn sucht und wie man ihn erkennt
Nach Angaben des ukrainischen Nachschlagewerks „Welt der Pilze der Ukraine“ kommt die Art in verschiedenen Regionen des Landes vor: im rechtsufrigen Polissja, in der rechtsufrigen und linksufrigen Waldsteppe sowie in den Karpaten. Der Nebelgraue Trichterling wächst in Laub-, Nadel- und Mischwäldern, seine Fruchtkörper erscheinen auf der Waldstreu zwischen abgefallenen Blättern und Pflanzenresten, oft in Gruppen, manchmal in charakteristischen Bögen oder sogenannten Hexenringen. Die Art fällt durch graue oder graubraune Hüte auf, die recht groß sein können, helle cremefarbene Lamellen, einen kräftigen Stiel und einen spezifischen Geruch. Gleichzeitig dürfen äußere Merkmale nicht als alleinige Grundlage für die Bestimmung der Essbarkeit herangezogen werden: Ähnliche Arten können völlig andere Eigenschaften aufweisen, und ein Identifizierungsfehler birgt zusätzliche Gefahren.
Fazit für den Pilzsammler
Der Nebelgraue Trichterling bleibt ein Pilz, bei dem die Positionen von Experten und traditioneller Praxis auseinandergehen. Für diejenigen, die es gewohnt sind, diese Art nach ukrainischen Rezepten zu sammeln und zuzubereiten, ist es wichtig zu berücksichtigen, dass europäische Kontrollorgane ihren Status überprüft haben und auf eine hitzebeständige Verbindung hinweisen, die durch das Kochen nicht beseitigt wird. Ein rationaler Ansatz besteht darin, sich nicht ausschließlich auf Geschmacksgewohnheiten zu verlassen, Funde sorgfältig zu identifizieren und die aktuellen Sicherheitsempfehlungen von Experten zu berücksichtigen.