Das Ukrainische Zentrum für die Bewertung der Bildungsqualität hat den nationalen Bericht über die Ergebnisse der internationalen Studie PISA-2025 veröffentlicht, die 15-jährige Schüler umfasste. Der zentrale Schluss des Dokuments: Die im Jahr 2022 festgestellte deutliche Verschlechterung der Indikatoren hat sich nicht fortgesetzt, und es gibt keine Grundlage für die Annahme eines neuen erheblichen Rückgangs des Wissensniveaus. Laut den von RBC-Ukraine zitierten Daten lagen die durchschnittlichen Ergebnisse ukrainischer Schüler in Mathematik, Leseverständnis und Naturwissenschaften im Jahr 2025 etwas niedriger als im Jahr 2022, allerdings ist dieser Unterschied statistisch nicht signifikant. Die Autoren des Berichts werten die Situation als Stabilisierung auf einem niedrigeren Niveau, nicht als Fortsetzung einer abwärts gerichteten Dynamik.

Stabilisierung nach dem Absturz von 2022

Für eine korrekte Interpretation der Ergebnisse ist die Chronologie zu berücksichtigen. Zwischen dem ersten PISA-Zyklus für die Ukraine (2018) und dem zweiten (2022) kam es zu einem erheblichen Rückgang der Indikatoren in allen drei Fächern. Die Studie von 2022 wurde unter Bedingungen eines großangelegten Krieges durchgeführt, was sich unvermeidlich auf den Bildungsprozess auswirkte. Die Daten von PISA-2025 zeigen, dass nach diesem Absturz keine weitere Verschlechterung festzustellen ist: Die Veränderungen zwischen 2022 und 2025 liegen innerhalb der statistischen Fehlergrenze. Eine ähnliche Tendenz – ein geringfügiger Rückgang ohne statistische Signifikanz – ist auch im Durchschnitt aller PISA-Teilnehmerländer zu beobachten.

Vergleich mit 2018: Die Lücke bleibt erheblich

Gleichzeitig zeichnet der Vergleich der Ergebnisse von 2025 mit den Indikatoren des ersten PISA-Zyklus ein deutlich besorgniserregenderes Bild. In allen drei Bereichen – Mathematik, Leseverständnis und Naturwissenschaften – liegen die Ergebnisse der ukrainischen 15-Jährigen deutlich unter denen von 2018. Der deutlichste Abstand wurde gerade beim Leseverständnis festgestellt. Zwar gibt es also keine statistisch signifikante Verschlechterung gegenüber 2022, aber auch Anzeichen einer Rückkehr zum Niveau von 2018 sind bislang nicht zu erkennen. Die Autoren des Berichts betonen, dass die Stabilisierung auf einem deutlich niedrigeren Niveau als im ersten Zyklus stattfand, und die Aufgabe, die Ergebnisse zumindest auf das Niveau von 2018 zurückzuführen, bleibt in allen drei Fächern aktuell.

OECD-Kontext: Warum sich die Lücke formal verkleinert hat

Die durchschnittlichen Ergebnisse der OECD-Länder lagen 2025 ebenfalls niedriger als 2022, wobei die Veränderungen dort ausgeprägter waren: Statistisch signifikant verschlechterten sich die Indikatoren in Mathematik und insbesondere im Leseverständnis, während der Verschiebung in den Naturwissenschaften keine statistische Signifikanz zukam. Infolgedessen verkleinerte sich die formale Lücke zwischen der Ukraine und dem OECD-Durchschnitt: beim Leseverständnis von 49 auf 3 Punkte, in den Naturwissenschaften von 36 auf 34 Punkte, in Mathematik blieb sie bei 32 Punkten. Die Autoren des Berichts warnen jedoch ausdrücklich: Diese Verkleinerung bedeutet keine Verbesserung der Ergebnisse ukrainischer Schüler. Sie erfolgte vor allem aufgrund eines tieferen Rückgangs der Indikatoren in den OECD-Ländern. In absoluten Zahlen bleiben die Ergebnisse der Ukraine in allen drei Bereichen im Jahr 2025 deutlich unter den Durchschnittswerten des OECD-Blocks.

Ergebnisse des Berichts und bildungspolitische Aufgaben

Die abschließende Bewertung der Autoren des nationalen Berichts PISA-2025 lautet: Für die Ukraine ist eine Stabilisierung nach der zwischen 2018 und 2022 festgestellten erheblichen Verschlechterung charakteristisch, allerdings auf einem deutlich niedrigeren Niveau. Die Priorität für die kommenden Studienzycle besteht nicht einfach darin, die aktuellen Indikatoren zu halten, sondern darin, die Ergebnisse gezielt mindestens auf das Niveau des ersten PISA-Zyklus zu heben – beim Leseverständnis, in Mathematik und in den Naturwissenschaften. Ohne die Lösung dieser Aufgabe wird die Lücke zum internationalen OECD-Durchschnitt bestehen bleiben.

Bildungskontext: НМТ-2026

Die Ergebnisse von PISA-2025 kommen vor dem Hintergrund einer anhaltenden Debatte über die Qualität der schulischen Bildung in der Ukraine. Im Jahr 2026 legten fast 330.000 Abiturienten den Neuen Ukrainischen Nationalen Test (НМТ) ab, der Kenntnisse in Pflicht- und Wahlfächern prüfte; die Testergebnisse bestimmen die Möglichkeiten beim Studium an Hochschulen. Nach den Ergebnissen von НМТ-2026 wurde Mathematik zum Fach mit dem niedrigsten Durchschnittsergebnis unter allen Fächern, und gerade hier wurde die größte Anzahl von Fällen verzeichnet, in denen die Bewerber die Schwelle nicht erreichten. Dies unterstreicht zusätzlich den systemischen Charakter der Probleme, auf die auch die internationale Studie PISA hinweist.