Angesichts der andauernden russischen Angriffe auf die Infrastruktur, der Blockade der Schwarzmeerhäfen und der Verschärfung der europäischen Regulierungsbeschränkungen befindet sich die ukrainische Industrie in einer kritischen Lage. Der Wirtschaftsexperte und Botschafter des ukrainischen Geschäftslebens, Andrei Sablowski, hat dazu aufgerufen, ein umfassendes staatliches Programm zu starten, das er als „industrielles Ramstein“ bezeichnet. Seiner Ansicht nach lässt sich die Situation mit punktuellen Krisenmaßnahmen nicht mehr beheben – Unternehmen, die gleichzeitig Beschuss und externen Beschränkungen ausgesetzt sind, brauchen ein ganzes Bündel zusammenhängender Maßnahmen, das es ihnen ermöglicht, nicht nur die aktuellen Verluste zu überstehen, sondern auch die beschädigten Produktionsanlagen wiederherzustellen.

Versicherung von Kriegsrисiken: von der teilweisen Kompensation zum mehrjährigen Programm

Eine der wichtigsten Richtungen des vorgeschlagenen Programms ist nach Sablowskis Worten die erhebliche Ausweitung der Versicherung von Kriegsrисiken. Der Experte erinnerte daran, dass durch die Kabinettsverordnung Nr. 1541 bereits eine teilweise Kompensation des Werts beschädigter oder zerstörter Vermögenswerte sowie der Versicherungsprämien für Kriegsrисiken vorgesehen ist. Allerdings übersteigt nach seiner Einschätzung das Ausmaß des potenziellen Schadens die Möglichkeiten sowohl des staatlichen Programms als auch des privaten Versicherungsmarktes. „Das Programm zur Kompensation der Versicherungsprämien muss deutlich umfangreicher, planbarer und mehrjährig gestaltet werden, mit ausreichenden Ressourcen für Unternehmen, die bestimmte Risikokriterien erfüllen“, betonte er.

Kreditinstrumente und Steuervergünstigungen für betroffene Unternehmen

Die zweite Richtung ist die Ausweitung des Programms „Zugängliche Kredite 5-7-9 %“ auf Unternehmen, die sich von russischen Angriffen erholen. Sablowski hält es für notwendig, die Obergrenze der Kreditsumme zu erhöhen und einen gesonderten Mechanismus für betroffene Unternehmen zu schaffen. Grundlage dafür könnte eine staatliche Portfolio-Garantie sein, die etwa 70–80 % des Kreditrisikos abdeckt. Ein eigener Block von Maßnahmen sollte sich auf die Steuervorschriften beziehen: Der Experte schlug vor, bestätigte Verluste aus zerstörtem Vermögen auf künftige Ertragsperioden zu übertragen, eine beschleunigte Abschreibung neuer Ausrüstung vorzusehen, die Zielfinanzierung von der Besteuerung zu befreien und eine kontrollierte Stundung einzelner Steuerzahlungen zu ermöglichen.

Häfen, Tarife und europäische Beschränkungen: ein systemischer Knotenpunkt

Für den Bergbau- und Metallurgiekomplex bleiben die Wiederaufnahme des sicheren Betriebs der Schwarzmeerhäfen, die Überarbeitung der Eisenbahntarife, die Lockerung des CBAM-Mechanismus für die Ukraine und die Erhöhung der EU-Kontingente von entscheidender Bedeutung. Sablowski betont, dass selbst die umfangreichsten nationalen Finanzinstrumente ohne Lösung dieser Fragen die Wettbewerbsfähigkeit ukrainischer Produkte auf den Auslandsmärkten nicht gewährleisten können. Parallel dazu müssen Spendermittel und Ausrüstungen über den Format des „industriellen Ramstein“ aktiver angezogen werden, der im Wesentlichen eine koordinierte internationale Unterstützung auf einer Ebene vorsieht, die mit den militärischen „Ramstein“-Sitzungen vergleichbar ist.

Von Krisen-Pflichtbandagen zu einer ganzheitlichen Strategie

„Es geht faktisch um den Übergang von einzelnen Krisenlösungen zu einem ganzheitlichen staatlichen Programm zur Wiederherstellung der Industrie – mit Zugang zu Finanzierung, Versicherung von Kriegsrисiken, Steuereinsatzinstrumenten und Unterstützung bei der Modernisierung beschädigter Unternehmen“, fasste Sablowski zusammen. Zuvor wurde berichtet, dass russische Angriffe und die Hafenblockade die Stahlproduktion in der Ukraine um 30–40 % reduzieren könnten, was das vorgeschlagene Maßnahmenpaket nicht nur zu einem wirtschaftlichen Vorschlag, sondern zu einer Frage des Überlebens eines gesamten Wirtschaftssektors macht.