Das Oberste Antikorruptionsgericht (VAKS) hat gegen Irina Mudra, die ehemalige stellvertretende Leiterin des Präsidialamts der Ukraine, Untersuchungshaft für 60 Tage mit der Möglichkeit der Kaution in Höhe von 20 Millionen Hrywnja verhängt. Die Entscheidung fiel nach mehrtägigen Anhörungen, die am Freitag, dem 21. August, begannen und am 24. und 25. August fortgesetzt wurden. Der Fall wird im Rahmen der großangelegten Sonderaktion der Strafverfolgungsbehörden „Forrest Gump“ zur Bekämpfung hochrangiger Korruption verhandelt.
Verlauf der Anhörungen und Position der Verteidigung
Bei der ersten Verhandlung beantragte die Verteidigung Mudras, den Prozess im nicht-öffentlichen Verfahren durchzuführen, mit Verweis auf die mögliche Preisgabe privater Informationen über das Familienleben der Beschuldigten; das VAKS wies diesen Antrag jedoch ab. Die Anwälte baten zudem, die Verhandlung wegen einer Verschlechterung des Gesundheitszustands ihrer Mandantin um eine Woche zu verschieben; das Gericht kam diesem Wunsch nur teilweise nach und verlegte das Plädoyer der Verteidigung auf den 24. August. Damit wurde der Prozess nicht vollständig gestoppt, sondern seine wesentlichen Etappen auf den 24. und 25. August verteilt.
Reaktion Mudras auf die Kaution
Auf die Frage, ob sie über 20 Millionen Hrywnja für die Kaution verfüge, erklärte Mudra, dass sie teilweise über eigene Mittel verfüge und zudem auf die Unterstützung von Bekannten und Freunden hoffe. „Ich habe viele Freunde und viele Kontakte. Ich erinnere daran, wie alt ich bin. In dieser Zeit habe ich mir genügend Kontakte angeeignet“, sagte sie vor Gericht. Diese Aussage unterstreicht, dass die Frage der Freilassung gegen Kaution offen bleibt und vom tatsächlichen Zusammenbringen des erforderlichen Betrags abhängen wird.
Details des Falls „Forrest Gump“
Am 19. August erklärten das NABU und die SAP Irina Mudra im Rahmen der Sonderaktion „Forrest Gump“ den Verdacht. Laut Ermittlungen handelt es sich um eine kriminelle Gruppe unter hochrangigen Amtsträgern des Präsidialamts, amtierenden und ehemaligen Volksabgeordneten sowie der Leitung einer Staatsbank. Die Strafverfolgungsbehörden behaupten, dass die Gruppe die Geldwäsche von 150 Millionen Hrywnja in bar organisiert habe: Das Geld wurde über Strohmänner auf Konten eingezahlt, um die Kaution für einen der Teilnehmer der Organisation im Fall „Midas“ zu leisten. In den veröffentlichten Gesprächsaufnahmen wird der Name „German“ genannt, und der Betrag entspricht der Kaution für den ehemaligen Energieminister German Galuschtschenko.
Entlassung und Reaktion des Präsidenten
Am selben Tag, dem 19. August, unterzeichnete der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ein Dekret zur Entlassung von Irina Mudra aus dem Amt der stellvertretenden Leiterin des Präsidialamts, wo sie unter anderem für Justiz, Rechtspolitik und die Koordinierung der Zusammenarbeit mit internationalen Gerichten zuständig war. In einem Kommentar zu dem Fall gegenüber Journalisten bemerkte Selenskyj, dass er die Details gemeinsam mit der Gesellschaft erfahren habe, die veröffentlichten Fakten seien jedoch ausreichend für eine sofortige Entscheidung über die Entlassung Mudras aus dem Amt gewesen.