Noch vor wenigen Jahren war der Gang ins Fitnessstudio für die meisten Frauen vor allem mit Abnehmen, flachem Bauch und der Vorbereitung auf die Strand-Saison gleichgesetzt. Heute verschiebt sich der Fokus allmählich: Training wird immer häufiger nicht wegen der Zahl auf der Waage gewählt, sondern wegen des guten Wohlbefindens, einer gesunden Haltung, Beweglichkeit und des Vertrauens in den eigenen Körper. Dies erklärte die Pilates- und postpartale Reha-Trainerin Susanne Rewt-Iwanowa in einem Gespräch mit der Redaktion von Wave RBC.UA, die in ihren 18 Jahren in der Fitnessbranche mit eigenen Augen beobachtete, wie sich die Wünsche der Kundinnen und das Verhältnis der Frauen zum eigenen Körper gewandelt haben.

Von der «Sammlung von Zonen zur Korrektur» zum lebendigen Körper

Laut der Expertin hat sich das Bild vom idealen weiblichen Körper in den letzten anderthalb Jahrzehnten mehrfach gewandelt. Zu Beginn dieser Periode dominierte der Kult der Schlankheit: Frauen strebten nach einer minimalen Zahl auf der Waage, einem flachen Bauch und schlanken Beinen. Der Körper wurde dabei oft als eine Reihe einzelner Zonen wahrgenommen, die man «korrigieren» musste – an einer Stelle abnehmen, eine andere aufbauen oder bestimmte Umfangsmaße loswerden. Später kam ein anderes Ideal in Mode – das maximal sportliche und definierte: eine ausgeprägte Bauchmuskulatur, starke Arme, intensive Workouts. Frauen wetteiferten mit sich selbst und versuchten, perfekt zu werden.

Heute, so die Beobachtungen von Rewt-Iwanowa, hat der Begriff des «lebendigen Körpers» das Ideal der perfekten Figur abgelöst. «Frauen wollen nicht einfach nur dünn sein, sondern eine gute Haltung, geöffnete Schultern, Beweglichkeit und keine Schwellungen haben», betonte die Trainerin. Ihr modernes Ideal ist ein Körper, der es erlaubt, einen gewöhnlichen Tag bequem zu leben: sich ohne ständige Unannehmlichkeiten zu bewegen, genug Kraft für die Alltagsdinge zu haben und aktiv zu bleiben. «Ein flacher Bauch hat keinen Sinn, wenn Ihnen ständig der Rücken wehtut oder Sie keine Kraft haben, die dritte Etage zu steigen. Das heutige Ideal ist Gesundheit, die von außen sichtbar ist. Wenn man an einer Frau sieht, dass es ihr in ihrem eigenen Körper leicht und bequem ist. Und das ist der beste Trend, der uns passieren konnte», unterstrich die Expertin.

Training als Fürsorge statt Bestrafung

Geändert hat sich nicht nur das Bild vom Körper, sondern auch das Verhältnis zum Sport. Früher wurden körperliche Belastungen oft als Möglichkeit gesehen, einen Dessert, das Abendessen oder überschüssige Kalorien «abzuarbeiten» – eine Art Bestrafung fürs Essen. Heute wird Aktivität immer häufiger zum Teil der Selbstfürsorge. Zu den wichtigsten Wünschen der Kundinnen gehören Energie, Ressourcen, ein gutes Wohlbefinden und der Wunsch, ständige körperliche Unannehmlichkeiten loszuwerden. Schlankheit bleibt für viele wichtig, wird aber immer öfter nicht mehr als einziges Ziel betrachtet. «Schlankheit ist ein angenehmer Bonus zum guten Wohlbefinden geworden, nicht mehr das Selbstzweck. Wir haben aufgehört, gegen uns selbst zu kämpfen, und begonnen, Bewegung zu nutzen, um glücklicher und stärker zu sein. Heute wählen Frauen nicht Erschöpfung, sondern Lebensqualität», fügte Rewt-Iwanowa hinzu.

Pilates als Werkzeug zur Rückkehr des Komforts

Geändert haben sich auch die konkreten Gründe, warum Frauen sich zu einem Training anmelden. Wenn früher Wünsche wie «bis zum Sommer abnehmen», «den Bauch wegbringen» oder den Körper schnell auf ein wichtiges Ereignis vorbereiten beliebt waren, so sprechen Kundinnen heute eher über Haltung, Schmerzen, Steifheit und allgemeine Beweglichkeit. Auch der Arbeit mit dem Beckenboden und der richtigen Atmung wird deutlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt – Themen, über die man früher wesentlich seltener sprach. Laut der Expertin wechseln Frauen allmählich vom Wunsch, sich selbst zu «korrigieren», zum Bestreben, den eigenen Körper besser zu verstehen und ohne ständigen Kampf mit ihm zu interagieren.

Gerade Pilates ist laut den Beobachtungen der Trainerin für viele Frauen zum Schlüsselwerkzeug geworden, um im eigenen Körper wieder Komfort zu finden. Auf den Kursen wird nicht nur auf die Muskeln, sondern auch auf Haltung, Koordination, Atmung und Bewegungssteuerung geachtet. «Wenn Sie die Schultern öffnen und Ihre … finden», begann die Expertin und betonte, dass die Körperarbeit im Pilates systematischen Charakter hat: Zuerst wird das «Fundament» aufgebaut – eine aufrechte Haltung, das Fehlen von Unannehmlichkeiten, zurückgewonnene Beweglichkeit – und erst dann beginnt die Arbeit an der Form. «Eine Frau will nicht mehr mit täglichen Rückenschmerzen, Schwellungen, Steifheit und körperlichem Stress im Körper leben. Heute wird Schönheit von innen wahrgenommen. Das Hauptbedürfnis ist die Schönheit durch Funktionalität geworden», fasste Susanne Rewt-Iwanowa zusammen.