Der größte südkoreanische Halbleiterhersteller Samsung Electronics hat im August 2026 die Preise für seine Auftragsfertigungsleistungen (Foundry) erneut angehoben. Laut Reuters, unter Berufung auf informierte Quellen, stiegen die Kosten für die Fertigung von 4-nm-Chips für amerikanische Kunden im sequenziellen Vergleich zum Vormonat um 10–15 %. Dies ist bereits nicht die erste Preiserhöhung im aktuellen Zyklus: Das Unternehmen erhöht seinen Preisliste konsequent auf dem Hintergrund eines globalen Mangels an fortschrittlichen Auftragsfertigungskapazitäten, der es selbst dem „ewig hinterherhinkenden“ Samsung, das gegenüber TSMC zurückliegt, ermöglicht, deutlich mehr als zuvor von seinen Kunden zu verdienen.

Preisdifferenzierung nach Kunden und Fertigungsprozessen

Interessanterweise hat Samsung eine klare Preisdifferenzierung aufgebaut, die von der Geografie des Auftraggebers und der Reife des Fertigungsprozesses abhängt. Für Kunden aus den USA und der VR China verteuerten sich die Leistungen zur Fertigung von 4-nm-Chips um 10–15 %, für Auftraggeber aus Taiwan, wo Samsung vor allem durch die dortige TSMC konkurriert, nur um 5–10 %. Ähnliche Zuschläge von 10–15 % wurden für den 5-nm-Fertigungsprozess verzeichnet, während der reifere 8-nm-Prozess moderat um 10 % teurer wurde. Den Quellen zufolge verzeichnet Südkorea einen Zustrom chinesischer Auftraggeber, die für fortschrittliche Fertigungsprozesse „wörtlich jedes Geld“ zu zahlen bereit sind; dennoch muss Samsung vielen von ihnen absagen, da es amerikanischen Entwicklern den Vorrang einräumt und einen Teil der Kapazitäten für den eigenen Bedarf reserviert.

Konkurrenz mit TSMC und Marktanteile

Trotz der Preiserhöhung bleibt das strukturelle Rückstand Samsungs gegenüber dem taiwanesischen Marktführer bestehen. Zum Ende des ersten Quartals 2026 kontrollierte das Auftragsfertigungsgeschäft von Samsung in Währungsbetrachtung rund 7 % des weltweiten Foundry-Marktes, während TSMC auf etwa 70 % kam. Im Segment der fortschrittlichen Lithografie ist die Lücke noch größer: TSMC bietet Kunden bereits einen 2-nm-Fertigungsprozess an, während bei Samsung die 4-nm- und 5-nm-Knoten weiterhin die Marktführer sind. Dennoch schaffen genau der Kapazitätsmangel und die Bereitschaft der Kunden, Überpreise zu zahlen, ein Chancenfenster für Samsung, das in den Vorjahren nicht existierte.

Strategie, neue Kunden und Auslastung der Linien

Für das Jahr 2026 rechnet Samsung damit, den Umsatzanteil aus der Fertigung von Chips nach fortschrittlichen Prozessen auf 50 % des Gesamtumsatzes zu steigern, während das Segment Hochleistungsrechnen und KI (HPC/AI) bis zu 30 % des Unternehmensumsatzes ausmachen soll – im Vergleich zu etwa 20 % Ende des Vorjahres. Die 4-nm-Fertigungslinien in Pjöngtaek (Südkorea) laufen seit Ende des Vorjahres mit voller Auslastung: Hier werden sowohl 4-nm-Chips von Qualcomm als auch die Basischips für die neuen HBM-Speicherstacks der nächsten Generation produziert, die Samsung selbst vermarktet. Zum Kreis der großen Auftraggeber kamen im Vorjahr Apple und Tesla, im Jahr 2026 gesellten sich Broadcom und Nvidia dazu; laut Gerüchten plant Google, die Fertigung eigener Chips nach 4-nm-Technologie zu beauftragen. Für das laufende Halbjahr erwartet das Unternehmen ein zweistelliges Umsatzwachstum im Auftragsfertigungsgeschäft im Vergleich zur Vorjahresperiode.

Widersprüchliche Angaben

In den Formulierungen der Medien und Primärquellen besteht eine geringfügige Unstimmigkeit bei der Darstellung der Zahlen. Die Schlagzeilen einiger Publikationen (darunter 3DNews und delo.ua) nennen die obere Grenze – „die Preise stiegen um 15 %“, während Beiträge, die sich auf Reuters berufen, einen Bereich von 10–15 % für die 4-nm- und 5-nm-Prozesse und 10 % für den 8-nm-Prozess angeben. Die Punktzahl „15 %“ in den Schlagzeilen ist also eine Aufrundung des tatsächlichen Bereichs nach oben und kein eigenständiger Fakt. Darüber hinaus hat die Information über eine mögliche Bestellung von Google den Charakter eines Gerüchts und wird vom Unternehmen selbst nicht bestätigt, was sie von den bereits realisierten Verträgen mit Apple, Tesla, Broadcom und Nvidia unterscheidet.

Prognosen: Der Auftragsfertigungsbusiness wird in die Gewinnzone kommen

Experten prognostizieren, dass der Foundry-Business von Samsung angesichts des globalen Mangels an Auftragsfertigungskapazitäten und der konsequenten Preiserhöhungen bereits im kommenden Jahr 2027 in die Gewinnzone kommen könnte. Dies würde ein wichtiges Signal für den Markt sein: Der südkoreanische Hersteller, der jahrelang in fortschrittliche Fertigungsprozesse investierte, ohne eine Amortisation zu erzielen, beginnt nun, seine Kapazitäten zu monetarisieren, während die Alternative in Form von TSMC überlastet und teuer bleibt. Damit verwandelt sich die aktuelle Konjunktur den Status des „Nachzüglers“ Samsung in eine Quelle für nachhaltige Marge.