Die vom Kabinett der Minister der Ukraine eingeführten Beschränkungen für den Schrottexport haben eine positive Wirkung gezeigt und es ermöglicht, die Rohstoffversorgung der ukrainischen Metallurgiebetriebe auf ein normales Niveau zu bringen. Dies erklärte der Präsident der Branchenorganisation „Ukrmetallurgprom“, Alexander Kalenok, bei der Bewertung der Ergebnisse der im Zeitraum 2025–2026 ergriffenen Krisenmaßnahmen. Laut seinen Angaben litten die inländischen Metallurgen 2025 unter einem akuten Schrottmangel: Aufgrund des Fehlens von Rohstoffen zu wettbewerbsfähigen Preisen konnten einzelne Unternehmen die geplanten Produktionsvolumina nicht erfüllen. Die Situation verschärfte sich durch den Wettbewerb mit ausländischen Käufern, darunter Betrieben, die Zugang zu günstigen russischen Ressourcen hatten, was ukrainischen Schrott zu einem attraktiven Objekt für den Ausfuhrhandel zu unterbewerteten Preisen machte.
Von der Exportzollgebühr zur Nullquote: Aufbau des Schutzmechanismus
Laut Kalenok war die regulatorische Reaktion der Regierung gestaffelt. Zuerst wurde eine Exportzollgebühr auf Schrott in Höhe von 180 Euro pro Tonne eingeführt, anschließend zusätzliche Beschränkungen, die den Rohstoffabfluss über Transitwege verhindern sollten. Genau dieses Maßnahmenpaket habe, nach Einschätzung des Leiters von „Ukrmetallurgprom“, seine Wirksamkeit bewiesen: Die Schrottversorgung der Metallurgieunternehmen stieg auf ein normales Niveau. Der Höhepunkt der Exportbeschränkungspolitik war die Kabinettsverordnung Nr. 1795 vom 31. Dezember 2025, mit der für das gesamte Jahr 2026 eine Nullquote für den Schrottexport eingeführt wurde. Vor der Einführung des Verbots wuchs der Schrottexport stetig, und die „Grauzonen“-Schemata – wenn Schrott über Polen mit Nullzoll ausgeführt und dann nach der Türkei weitergeleitet wurde – kosteten den Staatshaushalt mehr als drei Milliarden Hrywnja, trotz der formell geltenden Rate von 180 Euro/Tonne.
Die Schwachstelle: Freier Handel mit der Europäischen Union
Gleichzeitig wies Kalenok auf eine erhebliche Lücke in der geltenden Regulierung hin: Sie erstreckt sich aufgrund des durch den Assoziierungsvertrag vorgesehenen Freihandelsregimes nicht vollständig auf den Handel mit der Europäischen Union. Bis heute gilt für die Ausfuhr von Schrott in die EU eine Nullzollsatz, was, so der Präsident von „Ukrmetallurgprom“, von unredlichen Exporteuren aktiv ausgenutzt wird. Kalenok schlug vor, dass die Ukraine Konsultationen mit Brüssel führt und auch in dieser Richtung beschränkende Maßnahmen anwendet, insbesondere angesichts des andauernden Krieges. Die konkrete Initiative – eine Zollgebühr von 180 Euro pro Tonne Schrott für den Export in die EU festzusetzen und damit die Bedingungen für alle Lieferungsrichtungen auszugleichen.
Orientierung an der europäischen Politik und die Wirtschaftlogik der Verarbeitung im Inland
Der Präsident von „Ukrmetallurgprom“ betonte auch, dass sich die Ukraine an der eigenen Politik der EU orientieren sollte, in der Schrott zunehmend als strategisch wichtiger Rohstoff für die Dekarbonisierung der Industrie betrachtet wird. In diesem Kontext sei es für den Staat wirtschaftlich vorteilhafter, Schrott im Inland zu verarbeiten, als ihn in Rohstoffform zu exportieren: Die Herstellung von fertigen Metallprodukten bringe ein größeres Volumen an Steuereinnahmen, Währungserlösen und Wertschöpfung. Kalenok äußerte die Überzeugung, dass ein Dialog mit der Europäischen Union über die Einführung beschränkender Maßnahmen für den Schrottexport nicht nur möglich, sondern auch notwendig sei: „Ich denke, dass wir zumindest mit der Europäischen Union sprechen und darüber sprechen könnten, dass dies getan werden muss.“
Widersprüchliche Daten
In den bereitgestellten Quellen wurden keine wesentlichen Abweichungen in Zahlen und Daten festgestellt. Die Verordnung Nr. 1795 vom 31. Dezember 2025, die Zollrate von 180 Euro/Tonne und die Schätzung der Haushaltsverluste von mehr als drei Milliarden Hrywnja werden in den Materialien von RBC-Ukraine, UNIAN und „Obozrevatel“ konsistent genannt. Gleichzeitig weist die Quelle „Obozrevatel“ (ID 3) darauf hin, dass die Ukraine die Unterstützung Brüssels bereits vor der Einführung des Schrottexportverbots erhielt, was einen bestimmten Kontext schafft: Formal unterstützte die EU die beschränkenden Maßnahmen Kiews, jedoch bewahrt das Freihandelsregime weiterhin eine Nullrate für Lieferungen in die europäische Richtung, was die Initiative Kalenoks zur Einführung einer Zollgebühr von 180 Euro/Tonne für den Export in die EU zu einem Gegenstand künftiger Verhandlungen macht, nicht zu einer geltenden Regel.